WM und Olympische Spiele die Ziele

Benni Hoppe träumt. Von internationalen Einsätzen, natürlich von der Teilnahme an der A-Weltmeisterschaft und Olympischen Spielen. National ist der Bad Nauheimer bereits an Grenzen stoßen. Und dies mit gerade mal 21 Jahren.

In der Deutschen Eishockey-Liga wird Hoppe als Linienrichter eingesetzt, nun wurde der Zivildienstleistende vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) für das Develop-Camp des Weltverbandes IIHF Anfang Juli im finnischen Vierumäkie nominiert - als einziger deutscher Linesman überhaupt.

"08/15 ist nicht mein Ding. Wenn ich etwas mache, dann richtig", sagt Hoppe, der zum Abschluss der Sichtung, die nur alle zwei Jahre durchgeführt wird, auf die Aufnahme in den Kreis der "Welt-Unparteiischen" hofft, dem aktuell aus Deutschland neben 24 Hauptschiedsrichtern noch 26 Linienrichter angehören. "Das Camp ist eine große Bühne und Chance zugleich", weiß er. Zehn Hauptschiedsrichter und 20 Linienrichter aus allen großen europäischen Eishockey-Nationen möchten sich über Theorie, Praxis und Persönlichkeit der IIHF-Kommision für weitere Aufgaben empfehlen.

Seit dem Jahr 2005 leitet Benjamin Hoppe, in Fulda geboren, in Kronberg aufgewachsen und seit rund 15 Jahren Mitglied der Roten Teufel Bad Nauheim, Eishockey-Spiele. Im Alter von 16 Jahren, nach zwei aktiven Spielzeiten mit den Roten Teufeln in der Jugend-Bundesliga, fiel die Entscheidung gegen die sportliche und für die Schiedsrichter-Laufbahn. Vier Jahre lang leitete Hoppe Partien im Landesverband Hessen (im Nachwuchs, wie auch im Senioren-Bereich), und nach nur einer Saison als Linienrichter im Bereich des DEB (2. Bundesliga, Oberliga, Nachwuchs) folgte im letzten Sommer bereits die überraschende Beförderung in die höchste deutsche Spielklasse. Dort absolvierte Hoppe, der nebenbei Marcus Jehner, dem Coach der Jugend-Mannschaft assistierte, rund ein Dutzend seiner insgesamt etwa 70 Einsätze in der vergangenen Saison.

Der komplette Jahresurlaub gehe da schon mal drauf, "aber das ist die Sache wert. Das Schiedsrichter-Dasein ist schon eine Leidenschaft". Rund 15 000 Kilometer quer durch die Bundesrepublik hat er im letzten Winter zurückgelegt, immerhin vergütet mit einem "schönen Taschengeld".

Benjamin Hoppe, der mit Johannes Adam (Bayreuth) bei wechselndem Hauptschiedsrichter ein festes Gespann an den roten und blauen Linien in der DEL bildet, ist einer von aktuell vier extrem jungen Linienrichtern, denen im deutschen Eishockey die Zukunft gehören könnte. Als Endzwanziger spätestens hofft er, dann als Hauptschiedsrichter seinen Weg gehen zu können, die nötige Erfahrung dazu möchte er jetzt auf höchstmöglichem Niveau sammeln. Es sei schon ein Vorteil, wenn man einmal aktiv gespielt habe, sagt er - und sei es nur in der Jugend. In der zweiten Liga hatte er sich während der Saison 2009/2010 eigentlich erstmal etablieren wollen, doch sei angesichts guter Beurteilungen durch die Beobachter dann alles sehr schnell gegangen.

"Mir macht's unheimlich Spaß, viel herumzukommen, die Leute und die Arenen kennenzulernen", sagt Hoppe, der schon in jungen Jahren Eishockey aus sämtlichen Blickwinkel verfolgen wollte, und keinen Hehl daraus macht, ein DEL-Spiel als "Arbeit" zu charakterisieren. "Da musst Du 60 Minuten voll konzentriert sein. Jeder Fehler wird von irgendeiner Kamera festgehalten. Sei es vom Fernsehen oder von der Klub-Kamera."

Lässt sich unter diesen Umständen denn noch Freude am Eishockey-Sport an sich emfinden? "Ja. Gerade den Einlauf, diese Minuten, wenn die Mannschaften auf das Eis kommen. Das kann man schon genießen. Dann muss eben der Schalter umgelegt werden", sagt er.

Benni Hoppe pfeift im übrigen für Eintracht Frankfurt, sonst könnte er weder zu Spielen der Oberliga-Mannschaft des EC Bad Nauheim noch zu Partien des Junioren-Bundesliga-Team eingeteilt werden. Konfliktpotenzial kann das Referee-Talent trotz seiner Bindung zu den Roten Teufeln nicht erkennen. "Nein. Das muss man trennen - und da gab es bislang auch noch nie irgendwelche Probleme. Und außerdem teile ich mich nicht selbst zu den Spielen ein. Das geschieht ja an höherer Stelle."

Kritik - das hat Hoppe schnell gelernt - müsse man abprallen lassen. "Negative Äußerungen kommen in den allermeisten Fällen von Außenstehenden oder werden durch den Blick durch die Vereinsbrille ausgelöst. Das nimmt aber keiner allzu persönlich", erzählt er.

Als Quoten-Hessen sieht sich Hoppe nicht. "Ich glaube sogar, dass anderen Landesverbänden aufgrund ihrer Vielzahl an Mannschaften und Schiedsrichtern größere Bedeutung beigemessen wird und man es dort leichter hat, auf sich aufmerksam zu machen." Aktuell ist Carsten Lenhart (Kassel) der einzige DEL-Schiedsrichter. Nachwuchs - zunächst allerdings an der Linie - könnte im übrigen bald aus Bad Nauheim kommen. Christopher Hurtik, einst selbst für die Roten Teufel spielend, strebt in diesem Sommer die entsprechende Qualifikation an.

Michael Nickolaus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare