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Ein Olympia-Gespräch mit Günter Eisingerund Till Helmke

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(mw) Über die Bedeutung des größten Sportereignisses der Welt, die politischen Diskussionen und die Luftverschmutzung hat sich unser Mitarbeiter Michael Wiener mit den beiden Friedberger Olympia-Teilnehmern Günter Eisinger und Till Helmke vor deren Abreise nach Fernost unterhalten.

Till Helmke, Günter Eisinger, beide haben Sie schon viele internationale Wettkämpfe erlebt. Was machen die Olympischen Spiele so speziell gegenüber anderen Meisterschaften, Ländervergleichen und auch der Universiade, den Studentenweltmeisterschaften? Helmke: Die Spiele sind um ein Vielfaches größer als eine Universiade, insbesondere das Medieninteresse. Und im Gegensatz zu unserer Leichtathletik-WM und –EM sind alle Sportarten vertreten. Das macht es so reizvoll, man schaut über den Tellerrand hinaus. Die Erfahrungen in Izmir bei der Universiade 2005 haben mir aber sehr geholfen, die Abläufe mit vier Runden über 200 Meter erinnerten sehr an große Meisterschaften.

Eisinger: Das Traumziel eines jeden Leistungssportlers sind die Olympischen Spiele. Olympionike [Anm. d. Red.: griechisch: nike = Sieg] ist eine Bezeichnung, die mit keiner anderen auf der sportlichen Ebene vergleichbar ist. Einen WM-Titel verliert man in der Leichtathletik alle zwei Jahre, Olympiasieger bist du auf Ewigkeit. Natürlich sind die Spiele größer als die Universiade. Aber ich bin ein Verfechter dieser Studentenweltspiele, weil sie das Sprungbrett zu den großen Aktiven-Ereignissen sind.

Was war bislang ihr schönstes Erlebnis bei den Olympischen Spielen? Eisinger: Die zehn Minuten von Barcelona 1992, als Dieter Baumann und Heike Henkel Gold kurz hintereinander holten. Sie waren beide eigentlich schon raus gewesen. Dieter war vor der letzten Runde Fünfter, und Heike hatte schon zwei Fehlversuche über 1,97 Meter gehabt. Ihr Trainer und ich als Wettkampforganisator saßen auf der Tribüne und wussten nicht genau, was wir ihr für den letzten Versuch als Tipp mitgeben sollten. Letztlich taten wir das Richtige. Ihr Absprungpunkt war zu dicht an der Latte gewesen, wir schickten sie für den Anlauf einen Fuß zurück. Sie gewann noch und wurde Olympiasiegerin, es war unglaublich. Helmke: Ich war bislang »nur« einmal bei Olympia dabei, dementsprechend hatte ich 2004 die schönsten Momente. Sicherlich gehörte dazu die Abschlussfeier. Die lockere Atmosphäre war einfach faszinierend. Kein geordnetes Einlaufen wie bei der Eröffnungsfeier, sondern einfach ein Bad in der Menge. Es ist schon ein Privileg, dort dabei gewesen sein zu dürfen und alle Superstars gesehen zu haben.

Haben Sie in Peking die Möglichkeit, neben der Leichtathletik andere Sportarten zu besuchen? Und wie wichtig ist das für Sie? Helmke: Es ist sehr wichtig, um die nötige Inspiration für den eigenen Wettkampf zu bekommen. Es motiviert ungemein, wenn man sich vorher schon mal eine Entscheidung angeschaut hat, wo es um Gold ging. 2004 habe ich ein Handball-Vorrundenspiel sehen können. Welche Sportart es dieses Mal wird, weiß ich noch nicht. Eisinger: Um nicht einen Lagerkoller zu bekommen, werden Ariane und ich, sofern es Training und Zeitplan zulassen, auch andere Veranstaltungen besuchen. Aber natürlich nur, wenn es kein Aufwand ist. Im Vordergrund steht immer der eigene Wettkampf. Deswegen muss man den Tagesablauf in etwa an den von zuhause anpassen. Dort ist man auch nicht nur in seinen eigenen vier Wänden.

Welche Rolle spielen für Sie die politischen Diskussionen, die die Spiele in China begleiten? Eisinger: Wir sind dort, um Sport zu treiben. Politik ist ein Thema, aber nicht in den zwei Wochen in China. Wir haben schon 1980 die Olympischen Spiele durch eine politische Fehlentscheidung nicht miterleben dürfen. Mein Schützling, der Hochspringer Gerd Nagel, durfte nicht nach Moskau reisen. Helmke: Das muss jeder für sich selbst wissen. Ich bin auf jeden Fall da, um dort meinen Wettkampf zu machen und gut für Deutschland zu laufen. Die Spiele wurden zu oft missbraucht.

Über die Luftverschmutzung machen sich viele Sportler und Trainer Gedanken. Sie auch? Helmke: Ich habe schon von vielen Leuten gehört, dass sie den Hals verschleimt hatten, nachdem sie dort waren. Für unsere Staffel sehe ich allerdings keine Probleme, wir haben einen sehr kurzen Wettkampf. Beim Sprinten merkt man alles, nur nicht. ob man schlecht Luft bekommt. Sorgen mache ich mir allerdings um die Ausdauerathleten. Eisinger: 2001 war ich bei der Universiade dort, da war die Luftverschmutzung drei Wochen lang kein Problem. Ich bin überzeugt, dass Ariane gut mit den Bedingungen zurechtkommt.

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