Ober-Erlenbach holt Nummer 44 der Welt

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Ein bisschen erinnert die Personalie an längst vergangene Zeiten. Als Thomas Keinath mit dem Tischtennis-Club Ober-Erlenbach wieder in die 2. Bundesliga aufstieg, schrieb man das Jahr 2015. Keinath war Spitzenspieler in einer Mannschaft, die sonst aus aufstrebenden Talenten wie Julian Mohr, Jens Schabacker und Dominik Scheja bestand. Damals 37 Jahre alt, sollte der Hanauer nicht nur aufgrund seiner sportlichen Klasse, sondern auch mit seiner großen Erfahrung als Weltranglistenspieler das Team führen. Von seinem Naturell her passte der jugendlich wirkende Keinath sowieso ganz gut in die "Rasselbande" der Ober-Erlenbacher. Er ist jemand, der das Kind im Manne auf sympathische Art und Weise auslebt, aber das ist eine andere Geschichte.

Während Keinath mittlerweile für den Drittligisten TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell II gelistet ist, hat sich sein früherer Verein zum Fast-Bundesligisten gemausert. Mit einem quasi stets weiter verjüngten Kader klopft der TTC OE Bad Homburg, wie sich das Profi-Team aus der Kurstadt seit 2016 nennt, an das Tor zur ersten Liga an. Sportlich als Zweitliga-Meister qualifiziert, bastelt das Management noch an den wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Premieren-Saison im Oberhaus.

Mit dem Sportlichen Leiter Sven Rehde und Geschäftsführer Mirko Kupfer an der Spitze hat sich der TTC OE nun entschlossen, den früheren, ebenfalls erfolgreichen Weg wieder einzuschlagen - auf einem anderen Leistungsniveau.

Mit Gustavo Tsuboi verpflichteten die glühenden Tischtennis-Freunde aus dem Hochtaunus einen 35 Jahre alten Profi, der zu den Top 50 der coronabedingt eingefrorenen Weltrangliste zählt. Auf Platz 44 rangiert der Brasilianer, der zuletzt für den TTC Neu-Ulm und Werder Bremen in der Eliteliga aufschlug. Die neue Nummer eins schaffte es im Einzel bei Weltmeisterschaften schon bis ins Viertelfinale (2018 in Halmstad), beste Platzierung bei seinen drei Olympia-Teilnahmen war Rang neun (2012 in London). Der 1,70 Meter große Linkshänder trainiert im Tischtennis-Leistungszentrum Ochsenhausen in Baden Württemberg.

"Gustavo soll vor allem in den wichtigen Spielen unser junges Team führen", erläutert Kupfer den Transfer. Damit steht der Kader des Aufsteigers: Neben den bewährten Kräften Rares Sipos (19 Jahre alt), Lev Katsman (19) und Nils Hohmeier (22) war bereits der Russe Maksim Grebnev (18) verpflichtet worden, der mit Katsman vor zwei Jahren U 18-Weltmeister im Doppel geworden war.

Kupfer macht keinen Hehl daraus, dass der eigentliche Wunschkandidat des Vereins im letzten Moment noch bei einem Ligakonkurrenten unterschrieben habe. Wegen der ungewissen Situation aufgrund der weltweiten Pandemie und der damit verbundenen Reisebeschränkungen hätte man gerne einen Europäer verpflichtet.

Ob Gustavo Tsuboi in der neuen, noch nicht terminierten Saison für den TTC OE tatsächlich aufschlägt, hängt aber nicht nur mit Corona zusammen. Erst einmal benötigt der Aufsteiger die Lizenz. Bis Juni läuft die wirtschaftliche Prüfung durch die Liga.

THORSTEN REMSPERGER

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