Skurrile Situation: Während die TG Friedberg um Henning Kiel (am Ball) davon ausgehen, auch weiterhin in der Landesliga zu spielen, ist man beim TV Petterweil noch nicht hundertprozentig vom Oberliga-Aufstieg überzeugt.
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Skurrile Situation: Während die TG Friedberg um Henning Kiel (am Ball) davon ausgehen, auch weiterhin in der Landesliga zu spielen, ist man beim TV Petterweil noch nicht hundertprozentig vom Oberliga-Aufstieg überzeugt.

Absage wegen Coronavirus

Und nun? So ist die Lage im Wetterauer Handball nach dem Corona-Schock

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Die Handball-Saison ist beendet. Die Coronav-Krise hat den Amateursport zum Handeln gezwungen. Doch die Ungewissheit ist groß. Und auch die Art und Weise des Abbruchs wirft Fragen auf.

Ich habe keine Ahnung", sagt Michael Peschke, der Trainer des TV Petterweil. Seine Mannschaft ist Tabellenführer der Handball-Landesliga. Und weil der Hessische Handball-Verband (HHV) die Spielzeit 2019/2020 aufgrund der Coronavirus-Krise mit Wirkung des gestrigen Freitags, 12 Uhr, für beendet erklärt hat und die Auf- und Abstiegsregelung mit dem aktuellen Tabellenstand werten will, müsste der TV Petterweil in die Oberliga aufgestiegen sein.

TV Petterweil ist sich in Sachen Meisterschaft nicht so richtig sicher

Doch so richtig sicher ist sich Peschke am Freitag dann doch nicht. "Es ist alles etwas surreal. Die Entscheidung des HHV ist richtig, aber es kann gut sein, dass noch die ein oder andere Klage eines Vereins kommt, der, Stand jetzt, Absteiger ist", sagt Peschke. Seine Mannschaft eilte mit neun Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten TV Idstein dem Oberliga-Aufstieg entgegen. Eine große Feier im Karbener Stadtteil war geplant, nun sei "alles etwas emotionslos", sagt Peschke.

Insgesamt hat die Wetterauer Handball-Szene den Saisonabbruch sachlich aufgenommen und unterstützt die Entscheidung. "Es ist absolut nachzuvollziehen", sagt auch Ulrich Kaffenberger, Abteilungsleiter der TG Friedberg. Dabei hat die Entscheidung für sein Landesliga-Team möglicherweise harte Auswirkungen. Aktuell auf dem vorletzten Tabellenplatz stehend, wäre die TG faktisch abgestiegen - sollte es zwei Absteiger in die Bezirksoberliga geben. "Aus der Oberliga steigt keine Mannschaft in die Landesliga Mitte ab, die Aufstiegsrelegation der Bezirksoberliga wäre durch den Abbruch der Saison hinfällig. Somit dürfte es nur einen Absteiger geben und wir würden auch kommende Saison in der Landesliga spielen", sagt Kaffenberger, der mit der TG bereits im Vorfeld der jüngst abgebrochenen Saison eine quälend lange Hängepartie um den Klassenerhalt erlebt hatte. Dass es nun wieder so sein könnte, nimmt Kaffenberger aber gelassen. "Aus sportlicher Sicht stehen wir verdient dort, wo wir stehen. Außerdem gibt es bei einer solchen Entscheidung immer Profiteure und Benachteiligte. Die Gesundheit geht vor."

Unsicherheit auch bei den Damen der HSG Mörlen

Ähnlich ist die Lage bei der HSG Mörlen. Mit Abschluss der Saison stehen die HSG-Damen auf dem Abstiegsrelegationsplatz in der Bezirksoberliga Gießen. "Die Relegation gehört allerdings zur Saison dazu, entsprechend müssten wir auch in der nächsten Spielzeit in der Bezirksoberliga spielen", sagt Abteilungsleiter Siggi Bläsche. Auch er hält die Entscheidung, die Saison abzubrechen, "für absolut richtig. Warum sollten wir auch Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Fans diesem Risiko aussetzen?", sagt er. Dennoch übt er leise Kritik an der Art und Weise des Abbruchs: "Mir persönlich wäre es lieber gewesen, die Tabelle nach der Hinrunde zu nehmen, weil da einmal Jeder gegen Jeden gespielt hat. Jetzt entsteht natürlich ein verzerrtes Bild. Da wäre mir die Regelung wie beim Eishockey, wo es keine Auf- und Absteiger gibt, lieber gewesen", sagt Bläsche. Der Trainingsbetrieb ruht bei der HSG vorerst bis zum Ende der Osterferien. Bei der TG Friedberg dürfen die Jugendtrainer selbst entscheiden, ob sie ihre Einheiten weiter anbieten.

Michael Razen wird zur neuen Saison Trainer bei der TG Friedberg

Ein sportliche Nachricht aus Friedberg gab es noch am späten Donnerstagabend. Michael Razen wird, ligaunabhängig, neuer Trainer der TG-Landesliga-Männer (die WZ berichtete). Vor wenigen Wochen verkündeten Razen und Landesligist TSV Lang-Göns das Ende der siebenjährigen Zusammenarbeit zum Saisonende. "Wir haben schon seit einigen Jahren einen guten Kontakt zu Michael. Er kennt uns und unsere Spieler sehr genau", sagt Kaffenberger, der sich auch mit den Führungsspielern der Mannschaft über die Personalie austauschte. Die Rückmeldungen seien durchweg positiv gewesen. Der sportliche Leiter, Thomas Keck, ergänzt: "Mit Michael wollen wir unsere jungen Spieler entwickeln und etablieren. Er steht für Beständigkeit, wie seine Zeit in Lang-Göns zeigt, und ist in der Szene extrem gut vernetzt."

Eigentlich wollte Razen eine Pause einlegen, doch der Anruf aus Friedberg stimmte ihn um. "Es ist ein interessantes Projekt, die TG hat eine starke Jugendarbeit. Da habe ich richtig Lust drauf", sagt er. Aus Lang-Göns bringt er mit Rückraumspieler Sascha Weigel zudem auch einen Spieler mit, "der Kader steht aber soweit. Wir werden uns maximal noch mit zwei, drei Spielern verstärken", sagt Razen. Der 44-Jährige, der als Aktiver unter anderem in Florstadt Handball spielte, löst das Duo Steffen Rosenschon/Jörn Mangels ab, das nach der Freistellung von Michael Jezewski im Dezember 2019 das Traineramt bis Saisonende übernommen hatte.

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