Traiser FC

Wie der nördlichste Klub in der Wetterau aus der Not eine Tugend macht

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Der Traiser FC ist der nördlichste Fußballverein der Wetterau. Doch am Traiser Wäldchen hat man aus der Not eine Tugend gemacht und kann auf gute Jugend- und Seniorenteams blicken. Ein Interview.

Der Traiser FC zählt im Fußballkreis Friedberg zu den jüngeren Vereinen. Gegründet 1972 haben es die Traiser schon bis in Kreisoberliga geschafft. Aktuell zählt der Verein aus der nördlichen Wetterau im vierten Jahr zum Inventar der Kreisliga A Friedberg. Warum die "Geißböcke" im Jubiläumsjahr 2022 wieder einen Aufstieg feiern wollen, welche Rolle der Verein im Dorfleben spielt, und warum man am Traiser Wäldchen zuversichtlich ist, auch auf lange Sicht keine Spielgemeinschaften eingehen zu müssen, dazu nimmt Andreas Wirth, Abteilungsleiter Fußball, im Interview Stellung.

Herr Wirth, nach dem Abstieg aus der Kreisoberliga im Spieljahr 2014/15 haben Sie sich mit dem Traiser FC in der Kreisliga A Friedberg etabliert. Wie ist es für Sie als nördlichster Verein des Wetteraukreises mit der Nähe zum Raum Gießen, im Kreis Friedberg Ihre Spiele zu absolvieren?

Andreas Wirth: Dies ist für uns überhaupt kein Problem. Die A-Liga Friedberg ist momentan die absolut richtige Spielklasse für unseren Verein. Zum einen können wir hier unsere jungen Spieler in einer anspruchsvollen sportlichen Umgebung sehr gut entwickeln, zum anderen bietet sie mit den Derbys gegen Rockenberg, Ober-Hörgern, Wohnbach/Berstadt und Melbach sportliche Herausforderungen, die auch von den Zuschauern gut angenommen werden. So können wir hier schon mal bis zu 120 Zuschauer auf unserem Platz am Traiser Wäldchen begrüßen.

Sportlich wollen wir unsere Spieler im Seniorenbereich kontinuierlich verbessern

Andreas Wirth

Aktuell belegen Sie Platz acht in der Tabelle, haben aber den fünftbesten Sturm und die ebenfalls fünftbeste Defensivreihe. Stimmen hier die Verhältnisse?

Wirth: Absolut. Wir haben einen schwachen Saisonstart gehabt, haben gegen Mannschaften, die nun weit hinter uns stehen, verloren. Dafür haben wir gegen die Top-Teams der Liga, nachdem unsere Mannschaft in Tritt gekommen ist, wertvolle Punkte sammeln können. Lediglich in Massenheim mussten wir als Verlierer vom Platz gehen. Aber hier kommt ja auch noch das Rückspiel.

Zum Saisonende spielen Sie noch gegen die top drei in der Liga. Wird der Traiser FC damit zum Aufstiegsmacher?

Wirth: Nein. Es ist für uns eine tolle Sache zum Saisonende noch gegen die Top-Teams spielen zu können. Hier steht klar der sportliche Wettbewerb im Vordergrund. Wir wollen auch diese Spiele erfolgreich bestreiten und unseren Weg, unsere verjüngte Mannschaft an das A-Liga-Top-Niveau heranzuführen, weitergehen.

Welcher dieser Vereine ist für Sie der Aufstiegsfavorit?

Wirth: Für mich haben die Massenheimer von ihrer Spielstärke her den besten Eindruck hinterlassen und sollten somit auch nächstes Jahr eine Liga höher an den Start gehen. Den zweiten Aufsteiger und den Relegationsteilnehmer werden die vier dahinter platzierten Mannschaften unter sich ausspielen, wobei bei mir persönlich die FSG Burg-Gräfenrode bei unserem 2:1-Sieg den schwächsten Eindruck hinterlassen hat.

Sie sprachen vom "Traiser Weg". Wie schwer ist es für Sie als geografisch nördlichster Verein an neue Spieler zu kommen und für den Traiser FC zu begeistern?

Wirth: Da es bei uns kein Geld gibt, können wir nur mit Kameradschaft und Geselligkeit punkten. Das Spielertypen wie Sebastian Müller oder Daniel Antmansky für uns die Fußballschuhe schnüren, sind Ausnahmen, doch es zeigt, das unser Weg funktioniert. Spieler mit Geld locken – das können und wollen wir nicht. Hier nutzen wir eher unsere geografische Lage zu unserem Vorteil und versuchen, Fußballer aus den umliegenden Orten im Raum Gießen ohne Fußballangebot nach Trais zu lotsen. Ein weiteres Mittel ist unsere Jugendarbeit unter der Federführung von Egon Antmansky, selbst Gründungsmitglied des Traiser FC. So kommen jedes Jahr ein paar Talente aus der JFV Wetterau zu uns. Und auch an der Basis sind wir bis zu den C-Junioren mit der JSG Münzenberg aktiv, um unserem Nachwuchs eine gute Ausbildung zu bieten. Sportlich wollen wir unsere Spieler im Seniorenbereich kontinuierlich verbessern. Die momentane Phase dient zur Findung. Die Jungs sollen sich in Ruhe entwickeln. Unser Ziel ist es in der Saison 21/22 um den Aufstieg in die Kreisoberliga mitspielen zu können, um in unserem Jubiläumsjahr dann wieder in der Kreisoberliga Friedberg an den Start gehen zu können. In diesem Zusammenhang ist es für uns ebenfalls wichtig, unsere zweite Mannschaft in der B-Liga zu halten. Ferner sind wir als Verein am aktiven Dorfgeschehen beteiligt, zusammen mit Feuerwehr und Angelsportverein richten wir den Weihnachtsmarkt aus, beteiligen uns am Anglerfest und sind stets präsent. Diese Veranstaltungen werden von den Bewohnern sehr gut angenommen und sichern uns so eine verlässliche Einnahmequelle. Auf dieses Geld sind wir aber auch als kleiner Verein angewiesen.

Uns in Trais zeichnet Gemeinschaft und Geschlossenheit aus

Andreas Wirth

Nach Stationen als Trainer sind Sie nach 2015 in Trais in den Vorstandsbereich gewechselt. Wie kam es dazu?

Wirth: Mein Vorgänger Alexander Müller hat zu diesem Zeitpunkt als Abteilungsleiter Senioren aufgehört und die Position war vakant. Da ich die Strukturen in Trais schon länger kannte und mit Stefan Kaiser, Stefan Wörner und Dieter Krämer absolute Fachmänner an meiner Seite weiß, habe ich die Aufgabe übernommen. Es ist unter dieser geballten Erfahrung nicht schwer, eine solide Vereinspolitik mitzugestalten. Uns in Trais zeichnet Gemeinschaft und Geschlossenheit aus. Alle helfen mit und packen mit an, anstehende Dinge im Sinne des Vereins zu lösen. So stehen auch alle geschlossen hinter der aktuellen Entwicklung am Traiser Wäldchen, die dann hoffentlich in den Aufstieg zu unserem Vereinsjubiläum mündet.

Info

Andreas Wirth im Portrait

Der 48-jährige Andreas Wirth, Abteilungsleiter des Traiser FC, ist in den Fußballkreisen Gießen und Friedberg bestens bekannt. Er war unter anderem selbst Spieler beim SKV Beienheim und der SG Birklar in der heutigen Gruppenliga. Zudem ist der Logistikleiter eines Autohauses in Bad Homburg neben seiner Tätigkeit in Trais weiterhin als Schiedsrichter in der Schiedsrichtervereinigung Gießen aktiv. Er war unter anderem Trainer des FC Cleeberg, in Obbornhofen und Bellersheim sowie in der Saison 2014/15 als Nachfolger von Oliver Baier in Trais. Anschließend wechselte er auf den vakanten Posten des Abteilungsleiters.

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