Bei der SG Rodheim wird es auf absehbare Zeit keinen Seniorenfußball mehr geben. (Symbolfoto: Nici Merz)
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Bei der SG Rodheim wird es auf absehbare Zeit keinen Seniorenfußball mehr geben. (Symbolfoto: Nici Merz)

Mannschaft zurückgezogen

Noch vor Saisonstart: Erster Rückzug im Fußballkreis Friedberg

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Die Saison im Amateurfußball hat noch nicht begonnen, da ist die erste Mannschaft aus dem Fußballkreis Friedberg zurückgezogen. Betroffen ist ein Klub, der bereits im Vorjahr Probleme hatte.

Vor dem Beginn der vergangenen Saison standen die Zeichen auf Neuanfang, auch in diesem Jahr gab es die Hoffnung, wieder an bessere Zeiten anzuknüpfen, doch nun ist klar: Bei der SG Rodheim wird in naher Zukunft kein Seniorenfußball mehr gespielt. Der Verein zog nach einer Mitteilung an den Kreisfußballausschuss und die Vereine vom Dienstagmorgen seine Mannschaft aus dem Spielbetrieb der Fußball-Kreisliga C Friedberg, Gruppe 2, zurück - und stellt damit künftig keine Mannschaft mehr im Seniorenspielbetrieb.

SG Rodheim: Zweiter Rückzug in zwei Jahren

Es ist vorerst das Ende eines längeren Niedergangs: Bereits vor dem Start der vergangenen Saison hatten die Rodheimer nach dem Aufstieg in die Kreisoberliga Friedberg und dem späten Klassenerhalt ihre erste Mannschaft aus der höchsten Spielklasse des Kreises nach etlichen kurzfristigen Abgängen von Spielern zurückziehen müssen, mit der zweiten Mannschaft aber außer Konkurrenz am C-Liga-Spielbetrieb teilgenommen - dann kam die Coronavirus-Pandemie. Der Plan war dennoch, nach dieser Saison und als regulärer Absteiger in die Kreisliga A Friedberg einen Neuanfang mit der "Ersten" zu wagen. Doch daraus wurde nichts. In der Folge des Saisonabbruchs wurden zunächst Verhandlungen mit Spielern für die A-Liga-Rückkehr geführt, nach deren Scheitern hatte es Gespräche über eine mögliche Spielgemeinschaft mit einem Nachbarverein gegeben, die aber letztlich am Unwillen des Gegenübers zur Aufgabe seiner Eigenständigkeit scheiterten. Es folgte Plan C, wie im Vorjahr wenigstens eine Mannschaft in der C-Liga zu melden, doch wieder gab es Spielerabgänge im zweistelligen Bereich - vor allem zu Nachbarvereinen. Nun ist also Schluss. Die Rodheimer stellen damit in der neuen Saison lediglich noch neun Jugendmannschaften in der Spielgemeinschaft mit dem VfB Petterweil von der C- bis zur G-Jugend, die Altherren-Mannschaft existiert zwar noch, spielt aber nur sporadisch. Die Perspektive für den Seniorenfußball ist ungewiss.

"Wir haben in dieser schwierigen Phase einfach keine Mittel und Wege gefunden, uns neu aufzustellen", sagt SG-Abteilungsleiter Wies. Für den 58-Jährigen ist es nach 20 Jahren als Funktionär "persönlich sehr bitter", die Entscheidung für den Rückzug bedaure er sehr, doch sie sei "alternativlos" gewesen, schließlich hätte er gerade einmal zwölf Spieler im Kader für die neue Runde gehabt. Die Abteilung mit 350 Mitgliedern werde aber weiterbestehen, schon bald wolle man sich zusammensetzen, um neue Ideen für die Zukunft zu entwickeln. Dies könne allerdings ein langer Prozess werden. "Klar ist: Wenn wir wieder anfangen, dann in der C-Liga. Aber ehrlich gesagt sehe ich aktuell nicht, dass wir im nächsten Jahr wieder am Spielbetrieb teilnehmen", sagt Wies. "Momentan sind wir nicht spielfähig und stehen damit nach allem, was in den letzten Jahren investiert wurde, vor einem Scherbenhaufen."

SG Rodheim bleibt Prinzipien treu: Kein Geld im Amateurfußball

Trotz der Misere haben Wies und sein Team bis zuletzt an ihrem Credo festgehalten, kein Geld in Spieler zu investieren, sondern die finanziellen Mittel im 1700 Mitglieder großen Verein vor allem in Infrastruktur, Ausbildung und Trainer zu stecken. Ein Fehler? Für Wies keineswegs: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Geld nicht der richtige Weg im Amateurfußball ist. Wenn ich für einen Kicker auf diesem Niveau eine Punktprämie ausschütten soll, dann geht das gar nicht, aber es gibt eben andere Vereine, die Spielern ein paar Hundert Euro fest im Monat bieten. Und das wollen wir nicht."

Immerhin sind im Vergleich zum Vorjahr die Auswirkungen für den Spielbetrieb überschaubar. Die C-Liga-Mannschaft ist bereits aus der Wertung entfernt, die 16er-Staffel schrumpft damit auf 15 Mannschaften, von denen jeweils eine nun pro Spieltag spielfrei hat, wie Kreisfußballwart Thorsten Bastian (Rockenberg) auf Nachfrage erklärt. Er selbst sei nach eigenen Angaben vom Rodheimer Rückzug überrascht worden und kommentierte am Vormittag: "Das ist sehr, sehr schade für Rodheim und für den Friedberger Fußballkreis, der damit hessenweit der Erste mit einem Rückzug in der neuen Saison ist" - ein zweifelhaftes Vergnügen.

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