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Nils Peil hält Aufstieg für »nicht utopisch«

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Die Wasserballer des VfB Friedberg sind auf einem guten Weg, sich in der 2. Bundesliga zu etablieren. Torhüter Nils Peil sieht gute Perspektiven – nicht nur, weil die Zuschauerzahlen steigen.

Wasserball zählt in Deutschland zu den sogenannten Randsportarten, hat es gegen andere Randsportarten wie Volleyball oder American Football schwer. Das ist auch in der Wetterau nicht anders. Doch die Zweitliga-Wasserballer des VfB Friedberg haben in den vergangenen Jahren an Akzeptanz hinzugewonnen. Obwohl die Kreisstädter fast ausschließlich auf die eigene Jugend setzen, sind sie auf einem guten Weg, sich zu einer festen Größe im deutschen Unterhaus zu entwickeln. »Wir haben eine ausgezeichnete Defensive, die in der vergangenen Saison in 22 Spielen nur 226 Treffer zugelassen hat«, betont Torhüter Nils Peil und ergänzt: »Wenn wir es schaffen im Angriff effektiver zu werden, dann werden wir in der nächsten Saison weiter oben landen.« Die Saison 2016/17 beendete der VfB Friedberg als Tabellenzehnter eines Zwölfer-Feldes. »Wir sind hinter unseren Erwartungen geblieben«, sagt der 22 Jahre alte Medizin-Student, der als 17-Jähriger in der Friedberger Zweitliga-Mannschaft debütierte und in der vergangenen Saison mit der SGW Leimen-Mannheim am Aufstieg zur 1. Bundesliga schnupperte. Warum er auch für den Wasserball-Standort Friedberg gute Perspektiven sieht, erläutert Nils Peil im Interview.

Mit dem VfB Friedberg haben Sie die Saison 2016/17 in der 2. Bundesliga Süd auf dem zehnten Platz beendet. Wie fällt die Bilanz aus?

Nils Peil: Durchwachsen fällt sie aus, weil wir auf einem einstelligen Tabellenplatz hätten landen können. Gegen viele starke Teams hielten wir sehr gut mit, konnten uns aber nicht belohnen. In Spielen gegen die früheren Bundesligisten SGW Leimen-Mannheim (11:11, Anm. d. Red.) und SV Weiden (7:9, Anm. d. Red.) hätten wir etwa durchaus gewinnen können. Durch vermeidbare Punktverluste sind wir in der Tabelle abgerutscht und mussten sogar um den Klassenerhalt zittern, was nicht unserem Niveau entspricht. Bei optimalem Saisonverlauf wäre ein Platz in der Spitzengruppe drin gewesen. Da wir den Saisonstart aber verschliefen, waren die besten Teams schnell weit weg.

Welche mittelfristigen Perspektiven sehen Sie für den Wasserball-Standort Friedberg?

Peil: Wir haben das Problem, dass nur sehr selten externe Spieler zu uns stoßen. Die gehen dann eher nach Darmstadt oder Frankfurt (beide Standorte sind in der 2. Bundesliga vertreten, Anm. d. Red.), wo sie auf ähnlichem Niveau spielen können. Wir können externen Spielern zwar Fahrkosten bezahlen, sind aber nicht in der Lage, sie für ihre Einsätze zu entlohnen. Mit solchen Forderungen waren wir bereits konfrontiert. Einer unserer wenigen externen Spieler ist Olaf Vetter, der vor einigen Jahren aus Berlin (dort spielte er in der 1. Bundesliga, Anm. d. Red.) kam und sich bei uns zum absoluten Leistungsträger entwickelt hat. Das kam aber bislang selten vor, und das wird auch künftig selten vorkommen. Wir müssen daher auf unsere Jugendarbeit setzen, um die es sehr gut bestellt ist. Jedes Jahr schaffen Nachwuchsspieler über die zweite Mannschaft (spielt in der Oberliga, Anm. d. Red.) den Sprung in die 2. Bundesliga. Vor der Saison 2016/17 waren es drei, zur kommenden Saison werden es ebenfalls drei sein. Unter diesen Voraussetzungen halte ich es für realistisch, dass wir uns dauerhaft in der 2. Bundesliga halten können. Auch der Aufstieg in die 1. Bundesliga ist nicht utopisch, allerdings bräuchten wir dazu mal zwei bis drei extrem starke Jahrgänge im Jugendbereich.

Gibt es keine Probleme?

Peil: Doch, die gibt es natürlich. Das größte Problem liegt darin, dass wir in unseren Trainingszeiten stark eingeschränkt sind. In der Region kann man nur im Usa-Wellenbad Wasserball auf Wettkampfniveau trainieren und spielen. Ausweichen könnten wir nach Frankfurt, aber das ist zu umständlich. Das Usa-Wellenbad müssen wir uns mit Triathleten, Schwimmern, der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Anm. d. Red.) und anderen Gruppen teilen, weswegen wir während der Saison in der Regel sehr spät trainieren. Unsere Trainingseinheiten sind selten vor 22.30 Uhr vorbei. Die Konsequenz ist, dass mancher ambitionierter Jugendspieler nicht kommen kann, weil die Eltern dagegen sind.

Wie erleben Sie das Interesse in der Region am Wasserball?

Peil: In den vergangenen Jahren hat die Akzeptanz stetig zugenommen. Das liegt daran, dass wir über soziale Medien kontinuierlich Werbung machen. Außerdem verteilten wir vor Heimspielen Flyern in der Stadt. Zu unseren Spielen kommen teils über 200 Fans, vor wenigen Jahren waren es nie über 50. Bei unserem letztem Heimspiel in der vergangenen Saison gegen Fulda war das Usa-Wellenbad rappelvoll.

Ich denke, unsere Fans wissen auch zu schätzen, dass sie bei uns mehr als »nur« Wasserball geboten werden. Für den Saisonabschluss hatten wir eine Grillfeier samt Getränke organisiert. Außerdem gibt es bei uns immer gute Musik zu hören (schmunzelt).

Glauben Sie, dass Wasserball irgendwann den Weg aus der Nische schaffen wird und auf einer Ebene mit beispielsweise American Football stehen kann?

Peil: Mit Sportarten wie American Football könnte Wasserball durchaus mithalten. Letztlich hängt die Perspektive der Vereine aber von der Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft ab. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass der Schwimmverband immer dann in die Sportart investiert, wenn die Nationalmannschaft gute Leistungen zeigt. Zuletzt konnte sich das Team nicht für die Weltmeisterschaft qualifizieren, was wir zu spüren bekommen. In der 1. Bundesliga sehe ich Standorte wie Plauen, Duisburg oder Hannover auf einem sehr guten Weg. Die betreiben viel Öffentlichkeitsarbeit und ziehen regelmäßig 500 Zuschauer in die Halle. So viele kommen nicht zu jedem American-Football-Spiel in der 1. oder 2. Bundesliga.

Was muss man mitbringen, um ein guter Wasserballer werden zu können?

Peil: Ich spiele seit mittlerweile neun Jahren Wasserball und weiß daher, dass man sehr teamfähig sein sollte. Da jeder Spieler sowohl in der Offensive als auch in der Defensive gefordert ist, muss man sich aufeinander verlassen können. Außerdem sollte man einen gewissen Kampfgeist mitbringen, da im Wasser viel getreten und gekratzt wird. Man muss zwar nicht kräftig und groß sein, aber der ein oder andere Muskel schadet natürlich nicht. Wer eher schmächtig und klein ist, der kann ein sehr guter Konterspieler sein. Solche Spieler können ihren Mitspielern Räume freischwimmen und sind daher extrem wichtig. Beim Wasserball werden sehr viele unterschiedliche Spielertypen benötigt.

Wie viel Zeit widmen Sie pro Woche dem Wasserball?

Peil: Wenn Semester ist, dann trainiere ich zweimal pro Woche zu je 2,5 Stunden. Wenn Semesterferien sind, dann kommt die ein oder andere Einheit hinzu. Unser Training beginnt meist mit einer Stunde Krafttraining an Geräten. Danach schwimmen wir uns bis zu eine Stunde warm. Vor dem Saisonstart liegt der Fokus eher auf dem Ausdauerbereich, während der Saison werden Sprints immer wichtiger.

Danach geht es mit dem Wassertreten weiter. Es geht darum, sich im Wasser aufrecht zu halten. Außerdem stehen Pass- und Schussübungen auf dem Programm.

Was fasziniert Sie besonders am Wasserball?

Peil: Ich habe viele Sportarten wie Fußball, Tennis oder Basketball ausprobiert, aber beim Wasserball habe ich den größten Zusammenhalt erlebt. Außerdem kommt man viel herum, wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat. In der 2. Bundesliga reist man etwa nach München oder Ludwigshafen. Wenn die Spiele vorbei sind, dann schauen wir uns noch die Städte gemeinsam an oder gehen feiern. Das sind immer schöne Touren.

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