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Impressionen einer kurzen Trainingseinheit: Sarah Bormann und ihr Trainer Benjamin Romero haben sich in den vergangenen Wochen intensiv auf die Titelverteidigung vorbereitet.

"Champions Night" in Karlsruhe

Nidderauer Box-Weltmeisterin Sarah Bormann will mit Titelverteidigung nächsten großen Schritt machen

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Dritter WM-Kampf in einem Jahr - und hoffentlich der nächste große Schritt auf der Karriereleiter. Die Niddauer Box-Weltmeisterin Sarah Bormann kämpft am Samstag in Karlsruhe gegen eine Finnin.

Es ist die letzte Trainingseinheit vor dem großen Kampf am Samstagabend, Sarah Bormann schließt den kleinen Trainingsraum in der Hanauer Mainz-Kinzig-Halle pünktlich auf, dann geht es auch schon los: Kurz warm machen und lockern, anschließend ein paar Runden mit Trainer Benjamin Romero und den Pratzen an seinen Händen. "Sarah, heute ganz locker. Es geht nur darum, dich ins Schwitzen zu bringen", sagt er - und Bormann setzt es um. Hoch konzentriert nimmt sie ihre Übungen in Angriff, kein Mucks ist zu hören - auch nicht von den acht Teenagern, die an diesem Abend ebenfalls zum Training der Breitensportgruppe der TG Hanau gekommen sind.

Ex-Kickbox-Weltmeisterin Lotta Loikkanen als Gegnerin für Sarah Bormann

Eine Titelverteidigung von Sarah Bormann würde wohl das nächste Foto an der "Wall of Fame" der TG Hanau bedeuten.

Dass die Weltmeisterin im Halbfliegengewicht (bis 48,9 Kilogramm) der Verbände Global Boxing Union (GBU), World Boxing Federation (WBF) und Women’s International Boxing Federation (WIBF) der große Star ist, verrät bereits die Wand voller Fotos und Kopien von Urkunden, die die 29-Jährige aus dem Nidderauer Stadtteil Ostheim in den vergangenen Jahren angehäuft hat. Erst spät war die in Bad Sooden-Salmünster geborene Linksauslegerin überhaupt zum Boxsport gekommen, hatte dann im Amateurbereich schnell Erfolge gefeiert, ehe sie Ende 2017 ihren ersten Profi-Kampf bestritt - und gewann. Inzwischen sind zehn weitere Kämpfe vergangen, Bormann ist unbesiegt und strebt - auf den Spuren der deutschen Boxlegende Regina Halmich - eines Tages die Vereinigung aller Weltmeister-Titel an.

Der nächste Schritt dazu soll am Samstagabend bei der "Champions Night" in Karlsruhe, der Heimat ihres Promoters TS Fight Sportmanagement GmbH, gelegt werden. Gegnerin ist die Finnin Lotta Loikkanen. Die hat zwar "nur" sechs Profi-Kämpfe mit sechs Siegen (zwei nach k. o.) auf dem Konto, dafür aber Dutzende Amateur-Fights bestritten, unter anderem auch im Thaiboxen und im Kickboxen, wo sie Weltmeisterin war. Dementsprechend ist Bormann vor der 35-Jährigen gewarnt: "Sie ist sehr konditionsstark und sehr hart. Sie kann zehn Runden nach vorne gehen und geht auch nicht k. o.. Und sie will auf jeden Fall, genau wie ich, diesen Kampf unbedingt gewinnen", sagt Bormann, die ihre Gegnerin gemeinsam mit Coach Romero genau studiert hat.

Sarah Bormann mit acht Wochen intensivem Training - neben einem Vollzeit-Job

Impressionen einer kurzen Trainingseinheit: Sarah Bormann und ihr Trainer Benjamin Romero haben sich in den vergangenen Wochen intensiv auf die Titelverteidigung vorbereitet.

Entsprechend waren auch die bis zu drei Trainingseinheiten in den vergangenen Wochen einerseits auf die Kondition ausgelegt, andererseits aber auch auf die Stärken und Schwächen der Gegnerinnen, die im Sparring mit männlichen Kontrahenten simuliert wurden. "Ich bin 100-prozentig fit, habe 100-prozentig trainiert. Ich weiß, dass ich alles, was wir im Training machen wollten, umgesetzt habe. Es ist richtig gut gelaufen", sagt Bormann zur wohl intensivsten Phase in ihrer bisherigen Laufbahn, die sie fast die gesamte Dauer neben ihrem Vollzeitjob für eine Bäckerei aus Bruchköbel absolviert hat. Nun kribbelt es: "Ich kann es kaum abwarten, nach dem vielen Training endlich zu kämpfen."

Bormann setzt nach den Siegen gegen die Belgerin Sanae Jae Ende Januar und die Französin Anne Marie Da Costa Anfang Mai neben ihrer boxerischen Klasse und ihrer Erfahrung auch auf den Heimvorteil. "Die Halle wird toben, denn von hier kommen viele Leute mit, und aus Karlsruhe kommen einige meiner Fans. Das wird auf jeden Fall eine gute Stimmung werden", sagt sie. Bis es so weit ist, standen am Donnerstag Promotion-Termine und am Freitag dann das Wiegen auf dem Plan, ehe es am Samstag ernst wird im Ring.

Sarah Bormann und die Hoffnung auf den nächsten WM-Kampf

"Die Rückkehr der Gladiatoren"

Unter dem Motto "Die Rückkehr der Gladiatoren in die Manege" findet am Samstagabend auf dem Karlsruher Weihnachtscircus die "Champions Night" im Boxen statt – veranstaltet vom Promoter TS Fight Sportmanagement GmbH um Geschäftsführer Thomas Schwaru und Sportdirektor Rainer Gottwald, den Promotern der Niddauer Box-Weltmeisterin Sarah Bormann. Der Kampf der 29-jährigen dreifachen Gürtelträgerin im Halbfliegengewicht – einer von zehn Fights an dem Abend – soll darüber hinaus im Internet auf der Plattform figth24.tv live im Stream zu sehen sein.

Dass bei einem Sieg ein Kampf um dem IBF-Gürtel gegen die Argentinierin Evelyn Nazarena Bermudez winkt, daran will Bormann im Vorfeld des wohl härtesten Fights in ihrer Karriere nicht zu viele Gedanken verschwenden: "Ich konzentriere mich jetzt auf diesen Kampf, dass ich diesen ganz klar gewinne. Und wenn danach alles gut läuft, dann hoffe ich, dass der Kampf um den IBF-Titel zustande kommt", sagt sie. Immerhin ist sie aktuell die Nummer der International Boxing Federation - und somit eine Pflichtherausforderin für die Argentiniern. Ein Kampf - möglicherweise in Übersee - wäre da der nächste Schritt in der Karriere, zumal spätestens dann auch die Gürtel in den beiden größten Verbänden WBA und WBC winken würden.

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