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TSC Niddatal macht sich keinen Druck

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Nach fast fünfjähriger Abstinenz wagt die Lateinformation des TSC Niddatal in der nächsten Saison einen Neuanfang. Die TSC-Vorsitzenden Claudia Dimmer und Dennis Müller haben einiges vor.

Wie kam es zu der Idee, mit dem TSC Niddatal wieder anzugreifen?

Claudia Dimmer: Nachdem wir uns nach der Saison 2012/13 zurückgezogen hatten, fuhr der harte Kern zum Zuschauen zu den Wettkämpfen der TSG Blau-Gold Gießen. Das lag auch daran, dass Dennis Müller im Gießener Zweitliga-Team tanzte, nachdem er zuvor fünf Jahre bei uns aktiv gewesen war. Zu vielen Veranstaltungen mussten wir weit fahren, so dass man auf einige Ideen zum Neustart kam, die aber erst vor wenigen Wochen Kontur annahmen.

Die Lizenz hat der Verein von der TSG Blau-Gold Gießen übernommen, die ihre Lateinformation im Frühjahr aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen zurückgezogen hatte. Sind die Bedingungen beim TSC Niddatal besser?

Dimmer: Wir können uns mit der TSG Blau-Gold nicht vergleichen, denn dieser Verein zählt zu den größten Vereinen Hessens. Wir hingegen haben neben unseren Regionalliga-Tänzern und den Trainern kaum Mitglieder. Wir sind daher auf Unterstützung angewiesen, merken aber, dass der Tanzsport in Hessen ein Schattendasein fristet. In Norddeutschland ist das anders. Dort sind die Hallen immer voll.

Dennis Müller: Wir sind schon froh, wenn wir eine Halle für unser Training haben. Unterstützung gibt es zwar vonseiten des Wetteraukreises, aber häufig sind wir auf uns allein gestellt. În den vergangenen Wochen haben wir in unzähligen Hallen trainiert, die wir uns in den kälteren Monaten aber natürlich mit Fußballern und anderen Sportlern teilen müssen. Leider ist es so, dass die Ballsportarten oft den Vorzug erhalten. Wir haben uns daher auf eigene Kosten eine Halle in Frankfurt organisiert.

Hoher Aufwand, hohe Kosten

In den vergangenen Monaten hatte der TSC Niddatal zu mehreren Probetrainings eingeladen. Wie fällt die Bilanz aus?

Dimmer: Der Zuspruch hätte größer sein können. Tänzer zu finden, die die nötige Zeit und ausreichend Talent mitbringen, ist nicht leicht. Außerdem darf man nicht vergessen, dass ein Outfit mindestens 500 Euro kostet und gepflegt werden muss. Die Strasssteine auf den Kleidern bringen unsere Tänzer selbst an, was viel Arbeit ist. Wenn man ein Turnier am Abend hat, steht man häufig schon morgens für Stellproben und andere Vorbereitungen in der Halle, was nicht jeder Tänzer leisten kann oder will. Wir haben aber trotzdem eine schlagkräftige Mannschaft zusammenbekommen.

Müller: Ich sehe auch viel Potenzial! Wir trainieren dreimal pro Woche sehr hart und sind bereits jetzt am Feinschliff. Außerdem werden wir im Dezember und Januar noch zwei Trainingslager absolvieren, ehe es am 20. Januar losgeht.

In der letzten Saison vor dem Rückzug war der TSC in der Oberliga aktiv. Wie groß ist der Unterschied zur Regionalliga?

Müller: Sowohl in tänzerischer als auch in organisatorischer Hinsicht ist der Sprung immens. In der Regionalliga muss man etwa für ein Turnier einen teuren Parkettboden organisieren, wohingegen man in der Oberliga auf normalem Hallenboden tanzen darf. Außerdem schauen die Wertungsrichter viel genauer hin.

Wenige Sponsoren

Wie läuft die Sponsorenakquise?

Dimmer: Unser Problem ist, dass unser Verein zu klein ist, um für große Unternehmen attraktiv sein zu können. Kleinere Unternehmen, die sich mit dem Tanzsport identifizieren könnten, gibt es in der Region leider zu wenige. Problematisch ist auch, dass man in der Regionalliga pro Saison maximal ein Heimturnier hat und dann in unterschiedlichen Städten in Süddeutschland auftritt. Wir haben nur einige kleinere Sponsoren, die sich etwa an einem Programmheft beteiligen. In Anbetracht dessen müssen wir versuchen, die Kosten niedrig zu halten. In den Bundesligen werden pro Saison mittlere fünfstellige Beträge investiert, wovon wir weit entfernt sind.

Welche Ziele hat Ihr Verein?

Müller: Wir setzen uns nicht unter Druck. Unser Ziel ist es, Strukturen zu schaffen und dem Nachwuchs somit eine Perspektive zu bieten. Wir forcieren eine langfristige Planung. Denn ohne Basis können wir natürlich keine Erfolge erzielen.

Dimmer: Wir stapeln tief, halten es aber nicht für unmöglich, mittelfristig in die zweite Bundesliga aufzusteigen. Grundsätzlich war es für uns wichtig, dass den Tänzern aus Gießen nach dem Aus bei der TSG Blau-Gold eine Perspektive in der Region geboten wird. Wir pflegen seit vielen Jahren gute Kontakte und hoffen, dass wir an die erfolgreichen Gießener Zeiten anknüpfen können. (Fotos: privat)

Infos zum TSC Niddatal

Bundesligaerprobte Tänzer, großes Event

Der TSC Niddatal wurde im Jahr 2008 gegründet und etablierte in den folgenden Jahren den Tanzsport in der Wetterau. Mit seiner Lateinformation schaffte der TSC den Sprung in die Oberliga, doch dann geriet die Entwicklung des Clubs ins Stocken. Weil es an Nachwuchs und externen Tänzern mangelte, musste der Verein im Jahr 2013 sein letztes Team vom Ligabetrieb abmelden. Bis Anfang 2016 tat sich wenig im Verein, ehe ein neuer Vorstand um Claudia Dimmer (erste Vorsitzende) und Dennis Müller (zweiter Vorsitzender) gewählt wurde. Es dauerte ein weiteres Jahr, ehe die Comeback-Pläne mit einer Lateinformation Kontur annahmen. Die Auflösung der Mannschaft der TSG Blau-Gold Gießen, die mehrere Jahre in der Bundesliga aktiv gewesen war, spielte den Niddatalern in die Karten. Denn die meisten Tänzer suchten im Frühjahr dieses Jahres nach einer neuen sportlichen Herausforderung in der Region. Dimmer und Co. nahmen schnell Kontakt mit dem TSG-Vorsitzenden Bernhard Zirkler auf, der den Niddatalern die Lizenz für die drittklassige Regionalliga übertrug. Nicht nur viele bundesligaerprobte Tänzer, sondern auch der Trainerstab um Michael Nied und Pascal Ruben sind in der nächsten Saison in Diensten des TSC Niddatal. Mit der sechsminütigen Choreographie »Phönix – Auferstanden wie Phönix aus der Asche«, die alle fünf lateinamerikanischen Tänze beinhaltet, will das TSC-Team im Jubiläumsjahr in der Regionalliga Süd für Furore sorgen. Der Ligaauftakt steigt am 20. Januar in der Seebachhalle in Friedberg, wo der TSC Niddatal rund 600 Zuschauer und neun Mannschaften mit etwa 160 Tänzern erwartet. Der Aufwand für Events dieser Größenordnung ist immens. Die Miete für den obligatorischen Parkettboden beträgt zwischen 3000 und 4000 Euro, und die Kosten für die Outfits der acht Paare bewegen sich im fünfstelligen Bereich. Für den TSC Niddatal soll dieses Turnier der Startschuss in eine erfolgreiche Zukunft sein. Der Verein baut derzeit ein Nachwuchsteam auf und möchte perspektivisch weitere Abteilungen neben dem lateinamerikanischen Tanz ins Leben rufen. (srd)

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