1. Wetterauer Zeitung
  2. Sport
  3. Lokalsport

»Nicht im Entferntesten damit gerechnet«

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Patric Pfannmüller befindet sich mit den Rhein-Main Patriots im Abstiegskampf.
Patric Pfannmüller befindet sich mit den Rhein-Main Patriots im Abstiegskampf. © Andreas Chuc

(mn) Die Rhein-Main Patriots sind erstmals Tabellenletzter der Skaterhockey-Bundesliga. Sieben Punkte trennen die Niddataler bereits vom rettenden zehnten Rang. Diesen belegen die Uedesheim Chiefs, die am Samstag (18.30 Uhr) in Assenheim zu Gast sind. Von einem Spiel mit »immenser Bedeutung« spricht Patric Pfannmüller.

Pfannmüller, Sportlicher Leiter, Spieler und Vorstandsmitglied, schläft in diesen Tagen sehr schlecht. »Ich hänge emotional natürlich sehr am Verein. Auch wenn es nur ein Hobby ist. Das geht mächtig an die Substanz, zehrt an den Kräften und den Nerven.« Der 38-Jährige ist Gründungsmitglied der Rhein-Main Patriots (1999), sein Vater Jürgen ist Vorsitzender des Klubs, der in einer vereinseigenen Halle spielt. Sechs Meistertitel in der Inlinehockey-Bundesliga wurden in Assenheim im Laufe der Zeit gefeiert, insgesamt acht Teilnahmen (Inline- und Skaterhockey zusammengefasst) am europäischen Pokal finden sich in der Chronik, eigens eingeflogene Profis wie der Schwede Steffen Jonsson oder der Brite Phil Hamer haben einst die Zuschauer verzückt. Jetzt aber, im Sommer 2015, droht erstmals ein Abstieg. Eine ungewohnte Situation für die vom Erfolg verwöhnten Patriots, die mit breiter Brust, Playoff- und Pokalendspiel-Ambitionen in die Saison gestartet waren. Im WZ-Interview spricht Patric Pfannmüller über die Ursachen der Krise, über Verletzungspech, ein Disziplinproblem und Trainer Stefan Napravnik.

Patric Pfannmüller, in Assenheim leuchtet die Rote Laterne. Eine ebenso ungewohnte wie unerwartete Situation.

Patric Pfannmüller: Wir haben erst sieben Punkte gewonnen, sind mitten im Abstiegskampf und befinden uns in einer Abwärtsspirale, keine Frage. Aber wir haben noch acht Spiele zu bestreiten, darunter fünf Heimspiele. 20 Punkte sollten zum Klassenerhalt reichen. Das heißt: Wir benötigen noch vier Siege. Sportlich und rechnerisch ist noch ist alles drin.

Worin sehen Sie die Ursachen?

Pfannmüller: In erster Linie im personellen Aderlass seit Ende letzten Jahres. Es ist einfach die hohe Anzahl der Leistungsträger, die uns weggebrochen ist. Das ist nicht zu kompensieren. Auch Eishockeyspieler können nicht nahtlos in die Fußstapfen von Skaterhockeyspielern treten. Das braucht seine Zeit. Die haben wir nun allerdings nicht. Wir müssen punkten.

Auffallend ist die fehlende Disziplin. Ein Zeichen von Unzufriedenheit innerhalb der Mannschaft?

Pfannmüller: Wir sind den Abstiegskampf nicht gewohnt. Das spürt man nun anhand von Emotionen und Überreaktionen. Natürlich führt das zu Spannungen, natürlich hinterfragen wir ständig, was wir ändern und besser machen können. Letztlich muss der Spaß in die Mannschaft zurückkehren. Und Spaß kommt meist über den Erfolg. Wir brauchen einfach einmal einen Sieg; auch, wenn es ein sogenannter dreckiger Sieg ist.

Wie gehen Sie teamintern mit den Strafen und Sperren um? Druckmittel stehen kaum zur Verfügung, da Sie auf jeden Spieler angewiesen sind.

Pfannmüller: Disziplinlosigkeiten bringen uns nicht weiter. Das muss jedem Spieler klar sein. Es sind ja auch nicht immer die gleichen ein, zwei Leute. Auf die Saison betrachtet sind es immer andere. Man kann die Jungs nur an der Ehre packen und an die Moral appellieren. Wir können nicht mit Geldstrafen kommen, und wir können auch auf niemanden verzichten. Oft ist’s Frust. Wir laufen fast immer einem Rückstand hinterher. Vielleicht würde uns auch mal eine Führung helfen, um Ruhe reinzubringen.

Kommt die Begegnung mit Uedesheim bereits einem Endspiel gleich?

Pfannmüller: Das Spiel ist von immenser Bedeutung. Da müssen wir nichts Schönreden. Wir haben uns aber selbst in diese Position gebracht. Mit einem Sieg am Samstag können wir den Anschluss wieder herstellen. Bei einer Niederlage wird es sehr, sehr schwer.

Welche Konsequenzen hätte ein Abstieg? Es wäre der erste Abstieg der Vereinsgeschichte.

Pfannmüller: Der Verein ist sattelfest aufgestellt, und wir haben auch intern Ruhe. Wir würden weiter zu den Top-20-Klubs in Deutschland zählen, aber wir haben einen anderen Anspruch. Egal, wie die Saison endet: Wir können so oder so nicht zufrieden sein und müssen Veränderungen vornehmen.

Von der Papierform her kann sich der Kader sehen lassen.

Pfannmüller: Wir haben nicht im Entferntesten mit dieser Situation gerechnet. Es sind ja auch nicht nur ein, zwei Spieler, die plötzlich nicht mehr da sind. Mit Hannes Ressel und Steven Töteberg fehlen zwei Topscorer, Dennis Cardona verletzte sich im zweiten Spiel, Marcel Patejdl fällt länger aus als erwartet, jetzt steht Christian Unger nicht zur Verfügung. Marco Kluin hat im Vorjahr aufhören müssen, Yannik Wehrheim fehlt, Dennis Berk pausiert, Kevin Napravnik steht nur eingeschränkt zur Verfügung. Das sind alles Leistungsträger, keine Mitläufer. Es kommt jetzt alles zusammen. Der 25-Mann-Kader ist auf zwölf Spieler geschrumpft. Und die, die noch da sind, müssen es ausbaden.

Im Laufe des Monats August werden zudem einige Eishockey-Profis nicht mehr mitwirken können. Wie soll dies aufgefangen werden? Neuzugänge konnten nur bis 1. Juli verpflichtet werden.

Pfannmüller: Uns bleiben nur wenige Optionen. Wir schauen jetzt erst einmal auf die kommenden 14 Tage mit vier Spielen, von denen wir mindestens zwei gewinnen müssen. Wenn’s gut läuft, stehen wir plötzlich auf Rang zehn. Wenn nicht, muss ich mir auch keine Gedanken mehr machen, wie wir Ende August/Anfang September punkten wollen.

In Auswärtsspielen vermittelt das Team den Eindruck, die Partie bereits vor Beginn gedanklich abgehakt zu haben.

Pfannmüller: Ich kann da nur für mich sprechen. Ich bin anders aufgewachsen und sehe jede Situation, auch ein Auswärtsspiel mit kleinem Kader, als Herausforderung an. Wenn man mal zurückschaut, stellt man fest, dass wir schon immer auswärtsschwach waren. Und das steckt sicher auch in den Köpfen. Dass diese Einstellung natürlich gefährlich ist, steht außer Frage.

Stefan Napravnik steht als Trainer außerhalb der Diskussion.

Pfannmüller: Die Trainer-Frage wird gerne schnell gestellt – weil es einfach ist. Stefan Napravnik hat diesen Posten zum Ende der Vorsaison übernommen und positives Feedback vom Team erhalten. Sollen wir das nun über den Haufen werfen und zurückrudern? Wir haben Ausfälle und Strafen thematisiert, wissen, welche Konsequenzen dies nach sich zieht. Von daher ist die Trainer-Frage überhaupt nicht angebracht. Wir sind im Amateursport. Da müssen Einstellung, Wille und Spaß im Vordergrund stehen. Die Tabellenposition ist nicht am Trainer festzumachen.

Auch interessant

Kommentare