Kickers Horlofftal

Neugründung von Kickers Horlofftal: Ringen um die Reichelsheimer Nachwuchskicker

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Die Kickers Horlofftal aus Reichelsheim sind der jüngste Verein auf der Landkarte des Wetterauer Fußballs. Doch der Gründung ging ein monatelanger Disput innerhalb der Vereine voraus.

Es war der 12. Oktober vergangenen Jahres, als im Bürgerhaus Weckesheim das Geschichtsbuch eines neuen Fußballvereins aufgeschlagen wurde: Kickers Horlofftal 2018 Reichelsheim e.V. Ein halbes Jahr später ist der neue Jugendfußballklub in den Hessischen Fußballverband und im Landessportbund aufgenommen. Mit Gründung hatte der Verein bereits mehr als 20 Mitglieder, heute sind es über 100, darunter rund 50 Kinder und elf Trainer. Die ersten Pässe sind da, das erste Testspiel der Nachwuchskicker wurde in diesen Tagen absolviert, die erste Turnierteilnahme ist für den 1. Mai geplant. Für die kommende Saison sollen Mannschaften in den Altersklassen der G-, F- und E-Junioren gemeldet werden, eventuell sogar bei den D-Junioren. Zudem sind Aktionen wie ein Fußball-Camp als Teil der Ferienspiele der Kommune, ein großes "Gründungsfest" samt Turnier und die Kooperation mit der "Grundschule im Ried" im Rahmen einer Fußball-AG bereits in der Mache.

Kickers Horlofftal: Eine Trainerentlassung als endgültiger Bruch mit den Stammvereinen

Hinter dem neuen Verein stehen ehemalige Trainer der JSG Horlofftal, einer Jugendspielgemeinschaft der Vereine SV Reichelsheim, SV Echzell und KSV Bingenheim. Ein Disput im Laufe des vergangenen Jahres gab den Ausschlag für die Neugründung, wie die Kickers-Vorstände Sebastian Klaus (Erster Vorsitzender), Hartmut Thevis (zweiter Vorsitzender) berichten (lesen Sie hier die Version der Stammvereine).

"Kinder laufen in vielen Vereinen einfach so mit, werden nicht selten stiefmütterlich betreut, anstatt auf sie einzugehen. Das wollten wir ändern", erklärt Thevis die Ursprungsidee. Nach dem gescheiterten Versuch, eine Jugendordnung zu etablieren, hätten er und seine Mitstreiter im April vergangenen Jahres ein Konzept zur Gründung eines Jugendfördervereins erarbeitet, das allerdings nach Monaten der Funkstille mehr oder weniger kommentarlos abgelehnt worden sei. "Wir hatten da echt Arbeit reingesteckt. Das, was wir damals erarbeitet haben, setzen wir heute um", erklärt der zweite Vorsitzende. "Wir wollten einfach den Fokus mehr auf die Kinder verschieben, zumal bei den Vereinen hier im Seniorenbereich nicht hochklassig gespielt wird." Es folgte der große Knall: Einen Tag nach einem eigentlich zur Klärung der Thematik angesetzten Treffens mit einem Mediator sei Thevis als Jugendtrainer des SV Reichelsheim von seinen Aufgaben entbunden worden. "Dann haben die meisten Trainer der unteren Jugendmannschaften von sich aus aufgehört, ein paar wollen die Saison noch beenden und dann auch zu uns wechseln", erklärt Klaus. "Man wollte mit bestimmten Personen einfach nicht mehr sprechen", sagt Thevis. "Die Entlassung war dann der endgültige Bruch."

Kickers Horlofftal: Der Konflikt in Reichelsheim und Umgebung schwelt weiter

Das Problem: Auch danach schwelte der Konflikt weiter. "Bis heute sind über uns und einzelne Personen unseres Vereins Unterstellungen, Lügen und Verleumdungen verbreitet worden", berichtet Klaus. "Gefühlt ging es um Macht und um Geld und nicht um den Inhalt unseres Konzeptes, das sich sowieso nicht lohnen würde." Thevis fügt an: "Der schlimmste Satz war: ›Wenn ihr die Kinder zu gut ausbildet, dann bleiben sie nicht bei uns.‹ Das war für mich der K.o."

Ein paar Wochen später sei in der Gruppe der Gedanke einer Vereinsgründung gereift. "Das alles ist nur eskaliert, weil die Vereine dachten, dass wir außer einfach so Weitermachen nicht viel anderes tun können", sagt Thevis. In der Zwischenzeit seien die Kinder privat weitertrainiert worden, nachdem man die Eltern darüber informiert hatte, dass das Training innerhalb des Vereins erst einmal nicht mehr stattfinden könne.

Kickers Horlofftal: Nun soll lediglich die Leistung auf dem Platz zählen

"Nach der Gründung ging es Knall auf Fall, auch wenn uns damals nicht klar war, was es bedeutet, einen Verein zu gründen", sagt Klaus. "In dieser Phase wurde allerdings innerhalb des Verbandes massiv Stimmung gegen uns gemacht. Dabei haben wir bis heute keinen Spieler abgeworben und kein Spiel gemacht, als wir es noch nicht durften, obwohl das oft behauptet wurde." Doch das sei jetzt Vergangenheit, betont Klaus: "Wir haben eine harte Zeit hinter uns, jetzt wollen wir die sportliche Maschinerie in Gang bringen." Der neu gegründete Verein hat seine Heimat auf dem alten Rasenplatz in Reichelsheim sowie dem Sportgelände Weckesheim gefunden.

Seit dem Ärger im vergangenen Jahr sei lediglich ein Kind nach Beienheim gewechselt, ein anderes sei umgezogen, lediglich eines habe mit Fußballspielen aufgehört. Demgegenüber stehe ein enormer Zulauf. Der Grund: "Wir machen ein Angebot und propagieren das auch über verschiedene Medien. Wir sind der Meinung, dass ein Verein nicht mehr so funktioniert wie früher, dass man einfach da ist und die Kinder von selbst zu einem kommen", sagt Thevis, der wie seine Mitstreiter die Chance sieht, wieder mehr Kinder auf den Fußballplatz zu bekommen – was am Ende des Tages auch den etablierten Vereinen nutzen werde, schließlich ende das Angebot bei den Kickers als Jugendfußballverein spätestens mit den A-Junioren. "Wir haben das Gefühl, dass die Vereine Angst vor uns haben", sagt Klaus. "Dabei müssen sie das gar nicht, weil wir deren Arbeit machen. Wir sorgen dafür, dass sie ausgebildete Fußballer bekommen, um die sie sich vorher nicht mal kümmern müssen."

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