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Neuer Friedberger Trainer stapelt tief

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Von: Uwe Born

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In der letzten Saison mischten die Gruppenliga-Fußballer des VfB Friedberg vorne mit. Vor der Saison 2017/18 gibt sich Trainer Andreas Pelka zurückhaltend. Die Topteams sieht er außer Reichweite.

Durchforstet man die Wetterauer Fußball-Szene nach Vereinen, die in der abgelaufenen Meisterschaftsrunde weit mehr erreichten, als ihnen vorab prognostiziert worden war, ist der VfB Friedberg auf dieser Liste mit Sicherheit in der Spitzengruppe zu finden. Und zwar aus gutem Grund, denn unter Coach Jürgen Ohl landete der Gruppenliga-Aufsteiger, der eigentlich als Abstiegskandidaten galt, in der Endabrechnung auf Position sechs. Trainer Jürgen Ohl, der großen Anteil an diesem Höhenflug hatte, hörte nach fünf Jahren auf. Der neue Mann auf der VfB-Kommandobrücke heißt Andreas Pelka, ist aus über vier Jahren Trainertätigkeit beim früheren Gruppenligisten SV Nieder-Wöllstadt bekannt und stand zwischen Mitte 2014 und Ende 2016 beim Gruppenliga-Absteiger Germania Enkheim in der sportlichen Verantwortung.

Der 53-jährige Übungsleiter verfügt seit 2008 über die A-Lizenz. Seinen Lehrgang absolvierte er in der Sportschule Kaiserau zusammen mit Ibrahim Tanko, der einst ghanaischer Nationalspieler war und mit Borussia Dortmund die Champions League gewann. Auf ähnlich prominentes Begleitpersonal muss der künftige VfB-Trainer im Rahmen seiner neuen Mission zwar verzichten, aber das stört ihn nicht: »Klare Strukturen, eine solide Basis und realistische Zielvorstellungen sind viel wichtiger.

Beim VfB Friedberg gelten diese Direktiven in vollem Umfang«, sagt Andreas Pelka im Interview.

Herr Pelka, Sie gelten als Kenner der Gruppenliga-Szene. Welche Tugenden sind dort gefragt?

Andreas Pelka: Laufbereitschaft, energisches Zweikampfverhalten und das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff sind das Wichtigste. Und zwar vor allem für Mannschaften, die im Mittelfeld oder im unteren Tabellendrittel anzusiedeln sind. Der VfB Friedberg wird voraussichtlich nicht um die Meisterschaft mitspielen – also dürfte klar sein, worauf wir setzen.

Auf dem Burgfeld sind Sie der Nachfolger von Jürgen Ohl. Ein schweres Erbe, oder?

Pelka: Stimmt, aber es belastet mich nicht. Jürgen Ohl, den ich sehr schätze, hat mit seinen ganz speziellen Methoden das Maximale aus der Mannschaft herausgeholt. Ich bevorzuge aufgrund meiner langjährigen Gruppenliga-Erfahrung mit Sicherheit eine etwas andere Linie. Probleme sind deshalb aber nicht erkennbar, und in der Summe sollte es ein ähnlich erfolgreiches Abschneiden ermöglichen.

Wie ist Ihr Eindruck von Ihrem Team nach zwei Wochen Vorbereitungszeit?

Pelka: Unser Kader umfasst 18 Spieler, und ich muss sagen: Die Jungs sind mit Feuereifer bei der Sache. Sie haben Bock auf Gruppenliga-Fußball. Natürlich muss ich im Training wegen Urlaub, beruflicher Verpflichtungen oder aus sonstigen Gründen die üblichen Abstriche machen. Im Amateurbereich ist das aber ganz normal, damit muss jeder Trainer klarkommen.

In der Saison 2016/17 erreichten der VfB Friedberg als Aufsteiger einen sensationellen sechsten Platz. Sehen Sie Ihre Mannschaft in der anstehenden Runde ähnlich gut positioniert?

Pelka: Der sechste Rang ist eine hohe Messlatte. Wer glaubt, diese Platzierung sei erneut möglich, verkennt meines Erachtens ein wenig die Realität. Ziel muss vielmehr sein, so schnell wie möglich genügend Punkte im Kampf gegen den Abstieg zu holen. Deshalb ist Position zwölf das Maß aller Dinge, denn dann stehen wir definitiv auf der sicheren Seite.

Welche Klubs sind diesmal die Favoriten?

Pelka: Ich rechne mit einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Der personell hervorragend besetzte SC Dortelweil, die FG Seckbach, die SG Bornheim/GW, der FC Neu-Anspach und Verbandsliga-Absteiger FC Kalbach mit seinem neuen Spielertrainer Elton da Costa werden die Meisterschaft unter sich ausmachen. Der große Rest kämpft um den Klassenerhalt.

Dank der Gleitklausel ist die exakte Anzahl der Direktabsteiger bis zum Saisonende offen. Drei Vereine trifft es mit Sicherheit, es können aber auch – wie in der vergangenen Runde – fünf sein. Halten Sie diese Regel für sinnvoll?

Pelka: Nein, denn für jene Klubs, die im unteren Tabellendrittel rangieren, sind die letzten drei, vier Spieltage das reinste Vabanque-Spiel. Man ist quasi darauf angewiesen, was in den höheren Ligen passiert. Fixe Absteigerzahlen sind besser und schaffen Planungssicherheit. Und sollte sich die Klassengröße in der nachfolgenden Meisterschaftsrunde erhöhen, kann man die Anzahl der Absteiger neu definieren. Im Fußballkreis Friedberg funktioniert das perfekt, also sollte dieses Verfahren auch in den überregionalen Spielklassen anwendbar sein.

Sie können auf mehrere Neuzugänge bauen. Sind das alles Spieler, die Gruppenliga-Ansprüchen genügen?

Pelka: Nicht alle, aber einige. Dominique Ware, der vom A-Ligisten FSV Dorheim kam, wird es wohl packen, und zwar im offensiven Mittelfeld. Lennart Retzloff und Lars Pohl haben beim FCO Fauerbach bereits Gruppenliga-Erfahrung gesammelt und sind echte Verstärkungen. Der Vilbeler A-Jugendspieler Refik Memovic, ein Mann für die Abwehr, braucht hingegen noch Zeit.

Die Sturmspitzen Salih Yasaroglu und Waldemar Patzwald erzielten zuletzt 40 der 59 Friedberger Saisontreffer. Tragen beide Spieler eine besondere Verantwortung?

Pelka: Natürlich, aber leider wissen das inzwischen auch unsere Liga-Rivalen und werden mit Sicherheit Gegenmaßnahmen ergreifen. Eben deshalb müssen in der Offensive auch andere Spieler Verantwortung übernehmen. Gelingt das, würden wir enorm an Durchschlagskraft gewinnen.

Im August sieht der Terminplan Auswärtsauftritte in Beienheim und Bornheim sowie Heimspiele gegen Neu-Anspach und Friedrichsdorf vor...

Pelka: Beienheim und Friedrichsdorf sind Aufsteiger, Bornheim und Neu-Anspach zählen zu den Titelanwärtern. Das sind Kontrahenten, die enormen Ehrgeiz entwickeln und uns alles abverlangen werden. Mein Motto lautet: Weil es diese Runde ohnehin keine leichten Gegner gibt, spielt es keine Rolle, gegen wen wir an welchem Spieltag antreten müssen.

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