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Auch wenn der Ball im Jugendfußball aktuell aufgrund der Coronavirus-Krise ruht, Diskussionen gibt es trotzdem - wie etwa in Reichelsheim. (Symbolfoto: pv)

Gegenseitige Vorwürfe

Neuer Ärger im Reichelsheimer Jugendfußball

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Der junge Verein Kickers Horlofftal fühlt sich von der Chronik des SV Reichelsheim zum 100-jährigen Bestehen diskreditiert. Doch beim Traditionsverein hält man dagegen.

Der Reichelsheimer Jugendfußball kommt nicht zur Ruhe. Nach dem geräuschvollen Zerwürfnis des SV Reichelsheim mit einer Reihe von Eltern und Jugendtrainern Ende 2018 und der Gründung des Jugendfußballvereins Kickers Horlofftal gibt es nun neuen Ärger zwischen den Beteiligten. Auslöser ist die Chronik und Festschrift des SV Reichelsheim, die dieser anlässlich seines 100-jährigen Bestehens aufgelegt hatte und die in den vergangenen Wochen an die Mitglieder und die Gemeinde verteilt worden ist.

Vorstand von Kickers Horlofftal über Inhalt der Vereinschronik verärgert

Dort heißt es unter anderem unter der Rubrik "Jugendfußball" zu der gemeinsam mit dem SV Echzell und dem KSV Bingenheim betriebenen Jugendspielgemeinschaft JSG Horlofftal: "Einigen Trainern war der finanzielle Aspekt für die Jugendarbeit viel zu wenig. Diese Trainer demontierten dann den Jugendbereich Fußball der JSG Horlofftal und gründeten einen eigenen Verein. Somit hat der SV 1920 Reichelsheim mit den Partnervereinen von der G- bis zur F-Jugend keine Mannschaft mehr."

Der Vorstand von Kickers Horlofftal zeigt sich verärgert über diese Zeilen. Im Gespräch mit dieser Redaktion sagte etwa der zweite Vorsitzende Hartmut Thevis: "Wir haben den Verein nicht demontiert, einige Trainer waren doch noch da, doch die jüngeren Kinder hatten keinen Übungsleiter mehr. Der Verein hat es nicht geschafft, das regelmäßige Training aufrechtzuerhalten, sodass diese dann zu uns gekommen sind. Dieses Versäumnis wirft man nun uns vor, um damit von seinen eigenen abzulenken." Und er fügt an: "Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass eine solche Passage in einer Vereinschronik nichts zu suchen hat."

Kickers Horlofftal sehen sich durch Zahlen in ihrem Weg bestätigt

Eigentlich hatte man sich bei den Kickers nach eigenen Angaben darauf verständigt, den Zwist vor allem von den Kindern fernzuhalten und auf "böse Lügen", die in der Vergangenheit verbreitet worden seien, nicht (mehr) zu reagieren. "Es war uns daran gelegen, dass es nach dieser harten Zeit, in der wir alles, was über uns verbreitet wurde, unkommentiert gelassen haben, nun auch mal gut ist. Wir wollen keinen Krieg anfangen oder uns in eine Opferrolle drängen, sondern nur unseren Standpunkt verteidigen. Unser Ziel ist es, dass der Fußball in Reichelsheim weiterlebt."

Dabei würden dem jungen Verein die Zahlen recht geben, habe dieser doch mit insgesamt mehr als 170 Mitgliedern sowie mehr als 70 aktiven Kickern sowie weiteren 40 Kindern in der erst kürzlich gegründeten Ballschule die größte Nachwuchsabteilung in der gesamten Gemeinde. "Wir machen eine gute Arbeit - und darauf kommt es an", sagt der Kickers-Vorsitzende Sebastian Klaus, der betont, dass seitens des Vereins bis heute weder Kinder noch Eltern aktiv bezüglich eines Vereinswechsels abgesprochen worden seien.

Kein Verständnis vom Vorsitzenden des SV Reichelsheim

Auf die Vorwürfe der Kickers angesprochen sagt Cenk Gönül, der Vorsitzende des SV Reichelsheim, dessen Vorstand für die Erstellung der Chronik und Festschrift verantwortlich zeichnet, dass der Verein zu den Aussagen stehe, da diese den Fakten entsprächen. "Dieser Trainergruppe ging es immer nur ums Geld. Dafür gibt es genug Zeugen - auch von unseren Partnervereinen. Es wurden Mittel gefordert, die wir nicht zur Verfügung stellen konnten. Diesen zwei, drei Leuten geht es nur darum, ihren Kopf durchzusetzen - und genau diese Personen haben aktuell auch im neuen Verein die Oberhand." Überhaupt sei die Chronik vor allem für die Vereinsmitglieder gedacht, denen "wir als Vorstand über unsere Arbeit - und damit auch über den Jugendfußball - verpflichtet sind, Rechenschaft abzulegen". Zudem könne jeder Verein selbst entscheiden, "was in seiner Chronik steht".

Die Ansichten würden innerhalb der JSG Horlofftal geteilt. Dort könne man inzwischen in den betroffenen Altersklassen wieder Zulauf verzeichnen, aufgrund der aktuellen Situation rund um das Coronavirus sei es aber unklar, ob und wie viele Mannschaften in der kommenden Runde gestellt werden könnten. Zu den Kickers gebe es kein Vertrauen für neue Gespräche.

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