Neue Investoren bei Kickers Offenbach

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(joko/jm). Bei Kickers Offenbach geht die Ära von Dr. Frank Ruhl endgültig zu Ende. Der Fußball-Regionalligist will vom Ex-Präsidenten seine Anteile an der Profi GmbH für 650 000 Euro zurückkaufen.

Der ehemalige Präsident (2012 bis 2013) ist mit einem Anteil von 24,5 Prozent größter Gesellschafter der Profi GmbH. Ruhl hatte 2018 auf Forderungen in Höhe von 1,25 Millionen Euro gegen den Verein verzichtet. Im Gegenzug hatte er die Anteile erhalten und der GmbH 600 000 Euro als Darlehen zur Verfügung gestellt. Dieses Darlehen und die Anteile kann der Verein laut damals geschlossenem Vertrag jeweils für 300 000 Euro ablösen und zurückkaufen. Da der Verein nicht über diese Summe verfügt, wollen die "Kickers Freunde GmbH & Co. KG" gemeinsam mit der "Bündnis Kickers GmbH" dem Verein das Geld zur Verfügung stellen und dann jeweils 14 Prozent Anteile übernehmen. Für die zusammen 28 Prozent Anteile fließen also insgesamt zwei Millionen Euro in die Kickers-Kasse, abzüglich der 600 000 Euro für Ruhl.

Der dritte Anteilseigner, die Sparda-Bank, hatte 2017 für 10,7 Prozent Anteile 300 000 Euro bezahlt - im Vergleich also viel weniger. Deshalb sollen die Sparda-Anteile neu bewertet werden. Damit könnte der OFC etwa weitere 16 Prozent der GmbH an einen Investor ausgeben.

Aber wer steht hinter den beiden neuen Anteilseignern der Profi GmbH? Bei der "Kickers-Freunde GmbH & Co. KG" ist das relativ einfach: Es sind die im Juni 2019 gewählten Präsidiumsmitglieder Joachim Wagner, Peter Roth und Jörg Briel. Sie wollen die Kickers mit einer finanziellen Hilfe über drei Jahre zurück in die 3. Liga führen. Im ersten Jahr ist das Vorhaben gescheitert. Statt des erhofften Spitzenplatzes rangieren die Kickers am Rand der Abstiegszone. Trainerwechsel, neuer Sportdirektor, teure Mannschaft, dazu einige Abfindungen und Neuzugänge in der Winterpause haben das Budget schon jetzt gesprengt.

Für weitere Finanzmittel hat man sich schon längere Zeit nach einem strategischen Partner umgesehen. Dabei ist man auf die "Stobbe Beteiligungs GmbH" gestoßen, die schon unter dem Vorgänger-Präsidium in Kontakt zum OFC gestanden hatte. Gegenstand der GmbH in Königstein im Taunus ist laut Handelsregister "der Erwerb und die Verwaltung sowie das Halten von Beteiligungen an Gesellschaften aller Art." Geschäftsführer der Beteiligungs-GmbH ist Lennart Stobbe, der auch als Geschäftsführer der beiden 2019 neugegründeten Gesellschaften "Bündnis Rot-Weiss GmbH" und "Bündnis Kickers GmbH", beide mit Sitz in Königstein, aufgeführt ist. Lennart Stobbe lebte früher in Königstein und studiert an der technischen Universität Darmstadt. In Königstein wiederum lebt Jörn Stobbe, offenbar der Vater von Lennart. Der 54-jährige Unternehmer ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Union Investment Real Estate GmbH. Das betreute Immobilienfondsvermögen dieser Gesellschaft liegt bei über 40 Milliarden Euro. Über den ehemaligen Kickers-Präsidenten Dieter Müller kam Stobbe in Kontakt zu Kickers Offenbach, war mehrfach auf dem Bieberer Berg und will nun offenbar eine Million Euro investieren.

Zu den neuen Entwicklungen wollte sich Präsident Wagner nicht äußern, er verwies auf die Mitgliederversammlung am Montag.

0:0 im ersten Test

Laut Trainer Angelo Barletta "auf einem sehr guten Weg" präsentierte sich Kickers Offenbach unterdessen am Freitag im ersten Testspiel im Trainingslager im türkischen Side. Beim 0:0 gegen den mazedonischen Erstligisten FC Struga kamen für den Tabellenzehnten der Fußball-Regionalliga Südwest 18 Akteure zum Einsatz. Barletta verzichtete neben Stammtorwart Dominik Draband und dem dritten Torhüter Felix Ferahyan auf Winterzugang Pelle Hoppe (Hüftschmerzen) und Manolo Rodas (Knieprobleme).

Betriebsamkeit herrschte derweil auch am letzten Tag der Wintertransferperiode im mobilen Büro von Thomas Sobotzik. Vor allem mit Mittelfeldspieler Matias Pyysalo war der OFC-Geschäftsführer in den Gesprächen über eine Vertragsauflösung weit vorangeschritten, ohne die Trennung aber offiziell zu bestätigen. Dagegen hat sich ein Engagement von Julian Scheffler beim Ligarivalen Bayern Alzenau offenbar zerschlagen. Abwehrhüne Kevin Pezzoni wechselt zum FC Gießen.

Am Montag (15 Uhr Ortszeit) geht es gegen Austria Klagenfurt weiter.

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