Neubeginn genießt in Assenheim Priorität

(mn) Die Rhein-Main Patriots (bislang als Assenheim Patriots erfolgreich) fahren in diesem Jahr zweigleisig. Der mit sechs nationalen Titeln und ebenso vielen Triumphen im Pokalwettbewerb erfolgreichste deutsche Inline-Hockey-Klub wird parallel zum Spielbetrieb der IHL-Bundesliga im artverwandten Skaterhockey als aufstiegsambitionierter Neuling in der drittklassigen Regionalliga Südwest teilnehmen

"Im Grunde genommen hätten wir diesen Weg schon früher gehen müssen", sagt Patric Pfannmüller, der in diesem Jahr zusammen mit Jan Sturatschek die Aufgaben des letztjährigen Spielertrainers Steffen "Fuzzy" Michel übernimmt. Die Saison 2008 habe mit der Meisterschaft und dem Pokal-Erfolg in der Stadt Niddatal zwar sportlich zufrieden gestellt, "bezüglich der Liga, ihren Strukturen und der Entwicklung haben wir aber andere Vorstellungen", sagt der "Macher", der die Patriots Mitte der 90er Jahre mit seinem Vater Jürgen, dem Klub-Vorsitzenden, aufgebaut hat und heute voller Stolz auf eine vereinseigene Spielstätte, eine breite Nachwuchs-Abteilung und rund 200 Mitglieder verweisen kann. Am Samstag bestreiten die Patriots ihr Erstrundenspiel im Skaterhockey-Pokal beim Regionalligisten Sterkrade bei Oberhausen, am Sonntag (16 Uhr) kommt Skaterhockey-Bundesligist Uedesheim zu einem Testspiel in die Halle nach Assenheim.

Die wesentlichen Unterschiede beider Sportarten: das Spielgerät, der zulässige Körperkontakt und die Größe des Tores. Während Inline-Hockey mit einem Puck praktiziert wird, rückt beim Skaterhockey der Ball in den Mittelpunkt. Zudem sind hier die Grenzen im Zweikampfverhalten weiträumiger gesteckt, ist das Tor etwas größer. "International ist Inline-Hockey führend und deshalb nach wie vor für uns interessant. National fühlen wir uns im Skaterhockey nun aber besser aufgehoben", begründet Pfannmüller die Entscheidung.

Ein wesentlicher Faktor: die in diesem Jahr vergleichsweise kurze Saison der IHL-Bundesliga (sechs Heimspiele zwischen dem 1. April und dem 28. Juni). "Wir wollen und müssen aufgrund unserer Halle möglichst ganzjährig spielen und können auch dem Nachwuchs nicht verkaufen, dass die Saison nach drei Monaten vorbei ist", erklärt der Mann der ersten Stunde.

Die zehn Skaterhockey-Mannschaften absolvieren ihre Spiele zwischen dem 15. März und dem 1. November, wobei der in seiner Liga aufgrund seiner Spielstärke voraussichtlich konkurrenzlose Neuling aus der Wetterau insbesondere auf einen attraktiven Pokalwettbwerb hofft. Der Drittligist genießt gegen die höherklassigen Mannschaften Heimrecht, so dass dem Publikum vielleicht schon in diesem Jahr der eine oder andere Bundesligist in Assenheim präsentiert werden kann. "Dieser Wettbewerb übt natürlich einen ungeheueren Reiz aus", so Pfannmüller, der in der Meisterschaft auf hierzulande bislang unbekannte Klubs aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland trifft.

Der wohl prominenteste Kontrahent im Zehner-Feld, das auch durch drei "zweite Mannschaften" komplettiert wird: Simon Danner. Der Profi der Frankfurt Lions aus der Deutschen Eishockey-Liga taucht im Kader der Freiburg Wild Devils auf. Der Regionalliga-Meister steigt am Saisonende in die 2. Bundesliga Südwest auf - Insider trauen den Patriots auf Grund ihrer Inline-Hockey-Erfahrung auch den direkten Durchmarsch in die Bundesliga zu.

"Skaterhockey und der Aufstieg haben absolute Priorität", sagt Pfannmüller, der mit 501 Punkten aus 229 Spielen die "ewige Scorerliste" des IVA vor Jan Sturatschek (245 Punkte aus 167 Spielen) anführt und auf externe Verstärkungen verzichtet. Der Kanadier Phil Boudreault, der im Vorjahr in Assenheim dank seiner individuellen sportlichen Klasse verzückt hat, verdient sein Geld derzeit als Inline-Hockey-Profi in Spanien, Sascha Mader hat Assenheim mit unbekanntem Ziel verlassen, Jan Hofmann steht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung, und Marc Drebes hat sich den Wölfersheim Devils angeschlossen. Neu dabei sind Andre Lorei (Wölfersheim), Marco Forster (Friedberg), Florian Schneider, Edgar Brunn, Sebastian Schmidt (alle zweite Mannschaft), Yannick Wehrheim, Alexander Neumann, Marcel Solak und Marcel Kempf (alle aus der eigenen Jugend).

Für die dreimonatige Spielzeit in der Inline-Hockey-Bundesliga rechnen die Patriots zudem mit Steffen Michel, der aus beruflichen Gründen als Coach nicht mehr zur Verfügung stehen könne. Denkbar, aber unwahrscheinlich ist ein Wiedersehen mit dem Schweden Stefan Jonsson, der bei Red Bulls Salzburg unter Vertrag steht und erst (zu) spät für Assenheim auflaufen kann. Ein Hoffnungsschimmer: Die Patriots haben ihren Top-Star noch nicht aus dem Kader gestrichen. Zudem stehe man noch in dem einen oder anderen Gespräch, so dass sich noch etwas tun könne. Die verkürzte Saison dürfte in erster Linie dem Hauptkonkurrenten Kaufungen entgegenkommen. Die Nordhessen-Sharks können nunmehr während der kompletten Runde auf ihre Eishockey-Profis wie beispielsweise Tobias Schwab vom EC Bad Nauheim zurückgreifen. "Wir haben nicht mehr die großen Individualisten in der Mannschaft, aber das Team zeigt einen unheimlichen guten Zusammenhalt, von dem wir profitieren werden", glaubt der Spielertrainer, der nicht nur bei den Senioren zweigleisig fährt.

Die Schüler sowie die Junioren stehen ebenfalls vor einer Doppelbelastung, eine Jugend-Mannschaft sowie ein zweites Herren-Team (Landesliga) wurden zudem zum Inline-Spielbetrieb gemeldet.

IVA Rhein-Main Patriots: Ingo Schwarz, Alex Neumann, Marcel Kempf, Thomas Teschner; Patric Pfannmüller, Jan Sturatschek, Christian Unger, Stefan Jonsson, Steffen Michel, Christian Trautmann, Marco Kluin, Marcel Patejdl, Jan Bannenberg, Hannes Ressel, Marco Forster, Yannick Wehrheim, Florian Schneider, Edgar Brunn, Marcel Solak, Andre Lorei, Sebastian Schmidt.

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