500 Bad Nauheimer feiern in Kassel eine Party

Eishockey-Oberligist EC Bad Nauheim hat seine Erfolgsserie fortgeschrieben und den 13. Sieg in Folge gelandet – mit dem Makel, vor über 5000 Zuschauern einen Zähler im Penaltyschießen liegen gelassen zu haben. Mit 6:5 (3:2, 1:1, 1:2/1:0) gewannen die Wetterauer das Wiedersehen mit dem Ex-DEL-Klub.

Tobias Schwab ballte die Faust zur Freude in Richtung der mehr als 500 mitgereisten Fans in der Eissporthalle Kassel, Lanny Gare riss die Arme in die Höhe – und dann konnte die Party beginnen. "Derbysieger" stand auf einem Plakat, das Roten Teufel vor dem Fanblock entrollten. Dreifacher Torschütze für die Gäste war Michel Maaßen. Ein Wermutstropfen: Top-Torjäger Kevin Lavallee handelte sich eine Spieldauer-Disziplinarstrafe ein und fehlt am Freitag im nächsten Hessen-Derby bei den Löwen Frankfurt.

Die Gäste hatten dank einer starken und von der Kulisse unbeeindruckten Vorstellung den Sieg mehrfach vor Augen, kassierten aber gleich drei Gegentreffer in Unterzahl. Zudem verweigerte das Unparteiischen-Duo Carsten Lenhardt (Kassel!)/Andreas Kissing (Wiehl) einem vermeintlichen Treffer von Alexander Baum die Anerkennung (63.)

Ein Tobias-Schwab-Interview in der Lokalpresse hatte das Derby am Wochenende zusätzlich angeheizt und für Zündstoff gesorgt. "Im Sommer war die Entscheidung, in Bad Nauheim zu verlängern, richtig. Mittlerweile bereue ich das, denn ich habe gesehen, wie viel sich in Kassel bewegt", wird der Erste-Reihe-Stürmer der Roten Teufel in der "HNA" zitiert. "Ich hoffe, dass ich bald wieder ein Huskie bin und nach Hause zurückkehren kann", setzte der aus seiner Heimatstadt heftig umworbene Angreifer noch einen drauf und ließ angesichts der prompten Spekulationen um einen möglichen Transfer zum Jahreswechsel sogleich RT-Geschäftsführer Andreas Ortwein im Internet-Forum Stellung beziehen: "Für mich zählen die Dinge, die Tobias auf dem Eis zeigt, und die er mit persönlich sagt. Und da sieht man, dass der hundertprozentig hier in Nauheim bei der Sache ist. Er ist gerne hier und hat auch nichts bereut." Mit "Tobi, zieh das Trikot aus", wurde Schwab im Dress der Roten Teufel empfangen. Auf dem Eis ließ die Nummer 27 keine Zweifel an seinem Engagement für Bad Nauheim aufkommen.

Drei Treffer und zwei Hinausstellungen nach nur acht Minuten, insgesamt fünf Tore bis zur ersten Pause – ein Abtasten gab es nicht, beide Mannschaften kamen gleich zur Sache. Nach nur 56 Sekunden zappelte der Puck zum ersten Mal im Netz. Kevin Lavallee trug sich im mittlerweile zehnten Spiel in Folge in die Torschützenliste der Rot-Weißen ein und düpierte Huskies-Torwart Martin Fous, als der diesen von hinten anschoss. Von Fous rutsche die Scheibe über die Linie. Trotz zweier Hinausstellungen, von denen Huskie Michael Christ eine RT-Strafzeit zum Ausgleich nutzen konnte, war Bad Nauheim gleich besser im Spiel. Die Gäste strahlten großes Selbstervertrauen aus und wirkten in ihren Aktionen strukturierter, sichrer, abgeklärer. Einen Konter über Lavallee schloss Michel Maaßen zudem per Direktabnahme zur erneuten Führung ab (8.). Den Gastgebern, die vier der ihrer acht Heimspiele zweistellig gewonnen hatten und in eigener Halle lediglich einen Zähler gegen Dortmund abgegeben hatten, konnten den Respekt vor den Mittelhessen und deren Siegesserie nur schwerlich ablegen. Ein Indiz der Verunsicherung: Als Martin Fous einen RT-Befreiungsschlag hinter seinem Kasten abfangen wollte, prallte die Scheibe von seinem Schläger direkt auf Michel Maaßen, der nur noch einzuschieben brauchte (1:3/14.

). Nur 32 Sekunden später allerdings wurden die Wetterauer für inkonsequentes Defensivverhalten bestraft. Petr Sikora brachte Kassel heran – und Manuel Klinge traf wenig später nur den Pfosten.

Bad Nauheim drückte zu Beginn des zweiten Abschnitts mächtig aufs Tempo und erhöhte den Druck. Mehrfach lag während der ersten Powerplay-Situation ein Treffer in der Luft – er fiel aber nicht. Kassel befreite zwischenzeitlich und kam zum Ausgleich durch Patrick Berendt (28.). Ihn hatten die Roten Teufel in der Rückwärtsbewegung während eines Konters offenbar übersehen. Die Antwort der Gäste folgte nur 32 Sekunden später. Lanny Gare kurvte von hinten um das Tor. Martin Fous war nach seiner ersten Parade nicht schnell genug wieder auf seine Position gekommen. Mitte der Partie ließen beide Seiten dann die Fäuste fliegen: Marius Pöpel und Christian Franz freuten sich über Punktsiege gegen Top-Scorer Manuel Klinge und Top-Verteidiger Sven Valenti.

Kampf, Dramatik und Leidenschaft prägten den Schlussabschnitt. Eine Schlüsselszene: ein Bandencheck von Kevin Lavallee gegen Stefan Heinrich (48.). Eine Spieldauer-Disziplinarstafe gegen den Top-Torjäger war die Folge, zudem kassierte Bad Nauheim eine Zwei-Minuten-Strafe und agierte folglich mit zwei Spielern weniger. Petr Sikora traf zum Ausgleich, als die Roten Teufel stehend k.o das eigene Tor verteidigten wollten (52.). Michel Maaßen war vier Minuten später gleich zum dritten Mal Nutznießer eines Patzers von Martin Fous, der das Duell zwischen gegen Markus Keller ganz klar verlor. Zwei Minuten vor Schluss brachte Sikora die Huskies mit dem dritten Powerplay-Treffer in die Verlängerung.

Kassel Huskies : Fous – Valenti, Grund, Hilgenberg, Robitaille, Engel, Glusanok – Manuel Klinge, Sikora, Christ, Roedger, Alexander Heinrich, Mikesz, Berendt, Böhm, Stefan Heinrich, Dennis Klinge.

EC Bad Nauheim: Keller – Mangold, Baum, Kohl, Ketter, Pöpel, Franz – Schwab, Gare, Weibler, Maaßen, Lavallee, Kujala, Cardona, Baldys, Wex, Striepeke.

Tore: 0:1 (1.) Lavallee (Schwab), 1:1 (4.) Christ (Sikora, Manuel Klinge – 5-4), 1:2 (8.) Maaßen (Lavallee, Mangold), 1:3 (14.) Maaßen, 2:3 (14.) Sikora (Manuel Klinge, Christ), 3:3 (28.) Berendt (Glusanok), 3:4 (28.) Gare (Schwab), 4:4 (52.) Sikora (Alexander Heinrich -5-3), 4:5 (56.) Maaßen (Weibler, Kohl), 5:5 (58.) Sikora (Valenti – 5-4), 5:6 Penalty Gare.

Strafminuten: Kassel 20 plus zehn Minuten (Valenti, Christ), Bad Nauheim 22 plus zehn Minuten (Franz) plus fünf Minuten plus Spieldauer-Disziplinarstrafe (Lavallee). – Zuschauer :5287. Michael Nickolaus

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Weiter spielten

Königsborn – Herford 6:2, Ratingen – Frankfurt 4:7, Dortmund – Duisburg 5:2, Krefeld – Essen 3:5, Netphen – Hamm 3:9.

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