Rainer Philipp erlebt mit der Nationalmannschaft die Sternstunde von Innsbruck. Beim olympischen Turnier 1976 (hier eine Szene aus dem Spiel gegen die Schweiz) gewinnt Deutschland die Bronzemedaille.
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Rainer Philipp erlebt mit der Nationalmannschaft die Sternstunde von Innsbruck. Beim olympischen Turnier 1976 (hier eine Szene aus dem Spiel gegen die Schweiz) gewinnt Deutschland die Bronzemedaille.

70. Geburtstag

Was die Bad Nauheimer Eishockey-Legende Rainer Philipp zum "70." macht

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Happy Birthday, Rainer Philipp! Die Bad Nauheimer Eishockey-Legende wird heute 70 Jahre alt - und feiert fernab der alten und der neuen Heimat. Ein Portrait zum "runden" Geburtstag.

Der "Flipper" wird 70. Rainer Philipp feiert am Sonntag Geburtstag. 13 Jahre lang hatte er für den damaligen Bundesligisten VfL Bad Nauheim gespielt, lief 199 Mal für die Nationalmannschaft (90 Tore) auf und gewann 1976 bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck die Bronzemedaille - bis 2018 (Silber in Pyeongchang) der größte Erfolg des Deutschen Eishockey-Bundes. Heute lebt Philipp mit seiner Frau Elke in Bergisch-Gladbach unweit von Köln, wo der Nieder-Mörler als deutscher Meister seine Profi-Karriere Mitte der 80er-Jahre beendet hatte.

Rainer Philipp: Gleich zwei Vereine vergeben seine "Nummer acht" nicht mehr

Seine Trikotnummer, die "8", wird in Bad Nauheim - wie auch in Köln - nicht mehr vergeben. Symbolisch hängt sie aus Respekt vor seiner Leistung unter dem Dach des Colonel-Knight-Stadions. Das Eishockey-Museum hatte Philipp mit der Aufnahme in die deutsche "Hall of Fame" gewürdigt.

Die Faszination Eishockey lässt Philipp bis heute nicht los. Die Nationalmannschaft, die DEL und gerade die Entwicklung bei den Kölner Haien und dem EC Bad Nauheim verfolgt er mit großem Interesse. Noch immer erreiche ihn ab und an Fan-Post, zum anderen erinnern Medaillen und Ehrennadeln im Wohnzimmer an seine aktive Zeit. Im Stadion sieht man ihn aber nur noch selten. "Wenn der Udo (Kießling, Anmk. d. Red.) anruft, dann gehe ich auch gerne noch mal hin. Aber das ist heute einfach eine andere Generation, die man dort trifft", sagt der gelernte Karosseriebauer, der sich nach dem Ende seiner Laufbahn im Rheinland selbstständig gemacht hatte.

Rainer Philipps Erinnerungen: Der erfolgreichen Saison 1972/73 folgt der langsame Abstieg

Zum Geburtstag "flüchtet" Philipp an die Mosel. "Entspannung ohne Trubel. Und ohne Handy - sonst wäre ich den ganzen Tag nur am telefonieren." Im kleinen Kreis werde am kommenden Wochenende gefeiert. Sohn Thorsten und Tochter Nina wohnen schließlich "um’s Eck".

In Bad Nauheim ist Philipp groß geworden, hier hat er die 1970er-Jahre, die erfolgreichste Zeit des VfL, geprägt. Ladislav Olejnik als Trainer ("Disziplin und tschechische Schule") und Platz drei in der Saison 1972/73 trage er als schönste Erinnerung mit sich. Sein Bruder Horst spielte an seine Seite, Miro Slezak, Werner Bachmann, Hartmut Kessler, Werner Kadow, "Pilo" Knihs, Jürgen Michel, Klaus Retzer oder auch Dieter Jehner waren Mitspieler in jener Zeit. "Das war alles familiär, wir waren ein verschworener Haufen. Wenn etwas nicht gepasst hat, dann wurde das gleich angesprochen", sagt Philipp. Unter Per Lundström als Coach habe man dann "zusehen können, wie es bergab geht".

Rainer Philipp: An der Seite von Kühnhackl und Co. zum lange größten Erfolg des deutschen Eishockeys

Eigentlich, sagt er rückblickend auf sein Leben, habe er nie aus Bad Nauheim weggehen wollen. "Irgendwann haben sie zu mir gesagt, Rainer, schau dich besser mal um", erinnert er sich an das Jahr 1979, als finanzielle Probleme mehr und mehr durchgesickert waren und es ihn schließlich zum KEC in die Domstadt zog. Mehr als 250 000 D-Mark als Ablösesumme habe der VfL erhalten ("Von der Summer habe ich erst hinterher aus Köln erfahren") und sich damit noch über Wasser halten können. In Bad Nauheim war ihm der Wechsel übel genommen worden. "Ich wurde bespuckt und als Verräter beschimpft. Vielen hat der Hass in den Augen gestanden", berichtet der "Flipper" von seinen Empfindungen, als er mit Köln im Kurpark zu Gast war. Die eigentliche Idee, wieder nach Bad Nauheim zurückzukehren und sich ein berufliches Standbein aufzubauen, hat er verworfen.

Von 1969 bis 1982 wurde Philipp für die Nationalmannschaft nominiert, nahm an mehreren Weltmeisterschaften und zweimal an Olympischen Spielen teil; meist an der Seite von Erich Kühnhackl und Alois Schloder. Unvergessen: der Gewinn der Bronzemedaille im Februar 1976 in Innsbruck sowie wenige Wochen später sein WM-Treffer zum 2:1-Erfolg gegen Polen, der den Abstieg aus der A-Gruppe verhinderte.

Rainer Philipp: Von einem Empfang in Bonn und einem Sieg vor den Fußballern des FC Bayern München

Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt lud zum Empfang, in Bonn wurde das silberne Lorbeerblatt verliehen und bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres landete die Eishockey-Nationalmannschaft vor den Fußballern des FC Bayern München. Heute kommen die alten Recken nur ganz selten in größerer Runde zusammen. "Die meisten wohnen in Bayern und stehen den ganzen Tag auf dem Golfplatz", lacht Philipp, der diesem Sport aus gesundheitlichen Gründen nicht nachgehen kann.

Rund zehn Jahre ist es her, da lag Philipp sechs Wochen im Koma. Heute fühle er sich "so weit, so gut". Auf Langlauf müsse er verzichten, aber "Radfahren geht noch immer". In Bad Nauheim, das plant er, wolle er auch wieder seine Heimat besuchen. "Wir waren letztes Jahr nicht dort. Jetzt wird’s mal wieder Zeit."

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