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Tim Heß (l.) ist Sieger des ersten eDEL-Cups und wird von Tino Boos von der Deutschen Eishockey-Liga geehrt.. FOTO: PV

Auf der Play-Station

Dieser Bad Nauheimer ist deutscher Eishockey-Meister

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Ein Bad Nauheimer ist DEL-Meister - zumindest auf der Play-Station. Tim Heß hat den ersten eDEL-Cup gewonnen.

Während der Gang in die Pre-Playoffs für Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim am Sonntag nicht mehr zu verhindern war, hat sich ein anderer Kurstädter zum ersten Sieger des eDEL-Cups der Deutschen Eishockey Liga gespielt. Tim Heß aus Bad Nauheim ließ seiner Konkurrenz im Duell Eins gegen Eins beim Finale auf dem virtuellen Eis in der LanxessArena in Köln keine Chance. Der 20-Jährige darf sich nun bester "NHL20"-Spieler Deutschlands nennen.

Die Videospielsimulation ist einer der populärsten Ableger in der Sportwelt, vergleichbar mit der Fußballsimulation "Fifa". Allerdings ist der Grad der Professionalisierung in der Eishockey-Welt im Gegensatz zu den Konsolen-Kickern - vor allem in Deutschland - auf einem sehr niedrigen Niveau. "Es gibt eine Webseite, über die privat eine deutsche und eine europäische Liga organisiert werden", erzählt Tim Heß. Viel mehr gibt es neben den offiziellen Online-Ligen von Spielentwickler "EA Sports" nicht. Zum Vergleich: Im Fußball ging in der vergangenen Woche zum zweiten Mal die "Virtuelle Bundesliga" zu Ende, die ganze Saison wurde vom TV-Sender ProSieben Maxx übertragen.

Allerdings wird in dieser Liga im Modus Sechs gegen Sechs gespielt. Das heißt, jeder Spieler steuert seine eigenen virtuelle Figur. "Das gefällt mir deutlich besser als das direkte Duell", sagt der erste deutsche Champion in eben jenem direkten Duell.

Heß ist Teil der Brayce Phantoms, dem einzigen deutschen Team in der Elite-Liga - der höchsten Spielklasse - der European Championship League spielen und dem Seriensieger in der German Championship League. Der Bad Nauheimer, der derzeit bei den "Eishockey News" in Straubing ein Volontariat absolviert, spielt meistens auf dem Flügel, hin und wieder auch mal Center. 16 Mannschaften spielen in dieser Liga eine Hin- und Rückrunde, zum Spieltermin müssen sich die zwölf Spieler anhand eines Rahmenspielplans selbst verabreden. "Aus Termingründen spielt man dann immer zwei Spiele hintereinander gegen das selbe Team", sagt Heß.

Die Hochburgen der europäischen Eishockey-eSportler liegen in Schweden und Finnland, in Deutschland ist die Community überschaubar. Überhaupt steckt in diesem Feld vieles noch in den Kinderschuhen. Das wurde auch beim eDEL-Cup deutlich.

Kurzfrisitg ins Leben gerufen

Kurzfristig im November 2019 ins Leben gerufen, wurde nur ein kleiner Teil auf das Turnier der DEL aufmerksam. Zu den 16 Qualifikationsturnieren meldeten sich nur ein Mal über 200 Spieler an, meistens lag die Zahl sogar nur im zweistelligen Bereich. "Man durfte logischerweise nur mit DEL-Teams spielen", erklärt Heß: "Wenn man sonst nur mit NHL-Teams spielt, ist das schon ein riesiger Unterschied." Realistische Bedingungen also.

Heß spielte, wie der Großteil, mit den Adlern Mannheim und gewann bereits bei seiner ersten Teilnahme an den Qualifikationsturnieren. Allerdings: "Das Playoff-Turnier für das Finale in Köln war erst am Mittwoch vergangenen Woche. Erst ein paar Tage davor hat die DEL bekanntgegeben, wann und wo das Finale stattfindet. Für die zwei qualifizierten Schweizer war das zu kurzfristig", erzählt Heß. Also rückten Verlierer aus den Viertelfinals nach.

Auch bei der Finalserie, die Heß in zwei Spielen gegen Felix Kiss gewann, gab es Probleme. Die technische Ausstattung ließ zu Wünschen übrig. Es gab nur eine Konsole, üblich ist eigentlich ein Gerät und ein Bildschirm pro Spieler. Dazu fehlte in der Loge eine Internetverbindung, ein Stromausfall mitten im zweiten Finalspiel kam obendrauf. Trotzdem sagt Heß: "Es ist gut, dass die DEL es einfach mal gemacht hat. Sie wissen nun für das kommende Jahr, was sie besser machen müssen." Immerhin: Bei der Siegerehrung in der zweiten Drittelpause des DEL-Spiels der Kölner Haie gegen Straubing bekam Heß als Preis zwei VIP-Tickets für ein Spiel der diesjährigen Finalserie überreicht.

eSport-Einstieg unwahrscheinlich

In Deutschland unterhalten nur die Düsseldorfer EG und der EV Regensburg ein eSports-Team, allerdings auch nur auf Initiative einzelner Fans. Beim Team der ZSC Lions aus dem schweizerischen Zürich läuft das schon etwas professioneller, doch auch hier gibt es noch lange kein Geld zu verdienen. Selbst in der nordamerikanischen Profiliga NHL haben bislang nur die Washington Capitals einen eSportler mit einem Profivertrag ausgestattet.

Dass deutsche Eishockey-Klubs aus Eigeninitiative in naher Zukunft in den eSport einsteigen, scheint unwahrscheinlich. Immerhin ist der eDEL-Cup von der Liga ein Schritt in die richtige Richtung, findet Heß: "Viele Leute stehen eSports grundsätzlich ablehnend gegenüber. Wenn man die dazu bringt, dass sie es sich zumindest mal anschauen, wäre das schon ein großer Schritt", sagt Heß. Sein Wunsch, angelehnt an das schwedische Vorbild: 14 Teams, die eine DEL-Mannschaft übernehmen und die Meisterschaft auf der Konsole nachspielen.

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