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Ist der EC Bad Nauheim stark genug für die Playoffs?

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Einer der Wenigen, der in der Regel von jeder Kritik ausgenommen ist: Drew Paris (r./hier gegen Bremerhavens Ryan Martinelli) bildet mit Daniel Ketter das erste Verteidigerpärchen und überzeugt mit Zweikampfstärke sowie Torgefahr. 	(Foto: Chuc)
Einer der Wenigen, der in der Regel von jeder Kritik ausgenommen ist: Drew Paris (r./hier gegen Bremerhavens Ryan Martinelli) bildet mit Daniel Ketter das erste Verteidigerpärchen und überzeugt mit Zweikampfstärke sowie Torgefahr. (Foto: Chuc) © Andreas Chuc

(mw) Heimsieg und Auswärtsniederlage. Der EC Bad Nauheim ist in der Deutschen Eishockey-Liga 2 am Wochenende nach guten Leistungen in der Fremde zuletzt wieder in das alte Muster zurückgefallen.

Auf den ersten Blick war dies eine zufriedenstellende Ausbeute gegen den Vorjahres-Meister und das Team der Stunde. Dazu Rang sieben in der Tabelle, der einen Platz in den Preplayoffs bedeutet. Doch das Fass bei den Fans droht überzulaufen.

»Feuer und Leidenschaft« hatte EC-Geschäftsführer Andreas Ortwein zuletzt vermisst, am vergangenen Wochenende gegen Bremerhaven (4:3 n.P.) und in Kassel (2:6) stand die überwiegend schwache spielerische Leistung im Brennpunkt. Die wichtigsten Fragen und Antworten vor den drei Spielen binnen fünf Tagen vor Weihnachten:

• Brennt an Weihnachten der Teufels-Baum? Möglich. In Kaufbeuren am Freitag, gegen Landshut am Sonntag und in Frankfurt am Dienstag lautet das vorfestliche Programm der Roten Teufel. Die Allgäuer sind Vorletzter, die Niederbayern haben zuletzt geschwächelt, und die Resultate bei den Löwen zählen für die EC-Fans gefühlt doppelt.

Sollte nur unzureichend gepunktet werden, droht der Absturz aus den Preplayoff-Plätzen trotz teilweise mehr ausgetragenen Spielen gegenüber der Konkurrenz.

• Ist die Mannschaft stark genug für die Playoffs? Eine Frage, die unter den Fans heiß diskutiert wird. Fakt ist: Zur Halbzeit der Hauptrunde bewegen sich zehn Teams auf den Rängen zwei bis elf nahezu auf Augenhöhe. Bad Nauheim hat zweifelsohne die Qualität, zu den besten zehn Vereinen der Liga zu gehören. Nur dieses Potenzial wird aktuell zu selten abgerufen – insbesondere von einigen (Kreativ-)Leistungsträgern der ersten und zweiten Sturmreihe. Dusan Frosch hat seit der Länderspielpause in elf Spielen erst einen Treffer erzielt, bei Vitalij Aab schlichen sich zuletzt ungewohnte Fehler ein, Kyle Helms knipst aktuell nicht wie zu Saisonbeginn. Um das eigene Selbstvertrauen zu stärken und Zeichen zu setzen, müssen »Dreier« auch mal gegen die direkte Konkurrenz eingefahren werden. Der letzte glatte Sieg gegen ein Team aus den ersten elf Plätzen datiert vom 26. Oktober (5:2 gegen Rosenheim).

Seither gab es demgegenüber sechs Null-Punkte-Niederlagen gegen eben diese Klubs – eine Übermannschaft war darunter nur Tabellenführer Bietigheim bei deren 6:2-Erfolg im Colonel-Knight-Stadion.

• Welche positiven Erkenntnisse brachte das vergangene Wochenende? In Sachen Feuer, Leidenschaft und Wille ging es ein wenig bergauf. Zwei Punkte für diese zwei Auftritte waren, gemessen an den Leistungen, eine sehr gute Ausbeute; denn das Heimspiel gegen Bremerhaven hätten die Roten Teufel mit etwas Pech verlieren können. Positiv waren die ersten zehn Minuten in Kassel, als die Roten Teufel den Startschwung der Huskies (ohne die Leistungsträger Bergmann und Zeiler) ausbremsten – aber zu wenig Ertrag aus besten Chancen herausholten.

• Was meinen die Fans? Die Tendenz auf dem Stimmungsbarometer ist fallend. Zuletzt gab es drei teilweise sehr durchwachsene Heimauftritte gegen Weißwasser, Dresden (je 2:5) und Bremerhaven. Mit diesen Leistungen würde das Colonel-Knight-Stadion (CKS) leergespielt werden, meint ein Anhänger; gegen die Pinguins waren erstmals seit dem Kaufbeuren-Spiel am 26.

September und zum erst dritten Mal in dieser Saison weniger als 2000 Zuschauer im CKS. Das körperbetonte »Bad Nauheim Hockey« wird hier und da vermisst. Sogar Dauerkarten-Inhabern vergeht die Lust; eine Gruppe treuer Fans hat die Planung für eine Auswärtsfahrt ins Bayerische zunächst aufs Eis gelegt. Es gibt aber auch Anhänger, die es allgemeiner sehen und zur Demut aufrufen: Man solle froh sein, in der Zweiten Liga zu spielen und die Mannschaft mehr unterstützen. Alles, was zähle, sei der Klassenerhalt. Überzogene Erwartungshaltung sei nicht zielführend; die Mannschaft stehe tabellarisch dort, wo sie einzuschätzen sei.

• Was sagen die Verantwortlichen? Trainer Petri Kujala sprach am Sonntag von einem Bad Nauheimer Team, das 60 Minuten gut gearbeitet habe. Er kritisierte vielmehr das Schiedsrichter-Trio (»wir haben mit fünf gegen acht Mann gespielt«), obwohl die krasseste Fehlentscheidung für Bad Nauheim ausfiel: das nach der Sirene erzielte Tor zum 2:4 aus EC-Sicht hielt die Gäste im Spiel. Am Freitag hatte Kujala die dürftige spielerische Leistung angemerkt.

Geschäftsführer Andreas Ortwein findet die Zuschauerzahlen insgesamt »etwas ernüchternd« und bemerkt, dass der Rückhalt der Fans benötigt werde. »Unser Fan ist unser wichtigster und größter Hauptsponsor.«

• Trügt Platz sieben aufgrund der mehr ausgetragenen Spiele? Jein. Wie die Punkte in den Nachholspielen verteilt werden, ist kaum vorauszusehen. Fakt ist: Ohne den Auswärtserfolg in Dresden aus dem vorgezogenen Spiel stünde Bad Nauheim auf Rang elf. Auf der anderen Seite haben die Roten Teufel einen ruhigeren Januar im Vergleich zur Konkurrenz, weil sie neben Dresden als einziges Team am 6. Januar – direkt nach den englischen Wochen – pausieren.

• Was kann/wird sich mit Dan Ringwald ändern? Der langzeitverletzte Verteidiger kommt in Schwung, soll ab heute wieder mit der Mannschaft trainieren und könnte am Freitag mitwirken. Insbesondere das Aufbauspiel, der erste Pass, soll sich mit dem Kanadier wieder verbessern. Ringwalds Rückkehr erhöht den Druck auf die weiteren Kontingentspieler Paris, Beca, Hajek und Campbell, denn nur vier dürfen pro Spiel eingesetzt werden.

Unantastbar scheint nur Top-Verteidiger Drew Paris. Sollte Kujala auf alle möglichen Verteidiger setzen und kein Defensivausfall zu beklagen haben, könnte der Trainer eventuell anders rotieren als zuletzt.

Bad Nauheims Trainer Kujala: »Keinen Kampf gesehen« Ortwein zur Heimschwäche: »Feuer und Leidenschaft fehlen«

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