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Bad Nauheims Harry Lange (l.) versucht hier, Michael Kreitl vom ESV Kaufbeuren zu stoppen. (Foto: Storch)

Bad Nauheim schlägt Kaufbeuren mit viel Mühe

(mw) Ängstlich, ohne Siegeswille und die Niederlage nur mit Glück abgewendet. Der EC Bad Nauheim hat gestern Abend nach einer schwachen Leistung mit 6:5 (0:2, 5:1, 0:2, 1:0) gegen den ESV Kaufbeuren gewonnen, der sich den einen Punkt redlich verdient hatte. Torschütze des Siegtores in der Verlängerung war Dan Ringwald, der somit einem ernüchternden Abend für jeden EC-Fan ein zumindest punktemäßig halbwegs versöhnliches Ende setzte.

Ein Pfeifkonzert hatte die Schlusssirene nach 60 Minuten begleitet. Insgesamt verhinderte nur ein Fünferpack im Mitteldrittel – begünstigt durch zeitweise doppelte Überzahl – eine noch größere Blamage. Dennoch zog Bad Nauheim mit Landshut auf Rang zehn gleich.

Als Daniel Oppolzer 3:10 Minuten vor dem Ende zum 5:5 ausglich, hatte der Abend seinen negativen Höhepunkt aus Sicht der Gastgeber erreichte. Der Ex-Teufel, vor dem Spiel offiziell verabschiedet, traf im Fallen, mit letzter Kraft. Damit belohnte er die tapfer kämpfenden Allgäuer, die in der Folge sogar dem Siegtreffer näher waren als die Roten Teufel. Als die reguläre Spielzeit zu Ende war, hatten die Gäste ihren ersten Zähler nach zwölf glatten Niederlagen sicher. Am 19. Dezember hatte Kaufbeuren zuletzt gepunktet – gegen wen? Bad Nauheim (3:4 nach Verlängerung). Für das Team von Petri Kujala war es der achte Erfolg bei einer Spieldauer jenseits von 60 Minuten – der aber nicht über eine äußerst dürftige Leistung (Schulnote 5) hinwegtäuschte.

Kreative Ideen im Spiel nach vorne, Kampfgeist, Siegeswille, Mut, Einsatz – dies alles kochte bei Bad Nauheim (ohne den kranken Baum) auf Sparflamme. Trotz fünf Minuten Überzahl im ersten Drittel geriet Gästetorhüter Pasi Häkkinen in seinem ersten Spiel für Kaufbeuren kaum unter Druck, konnte seinen Kasten sauber halten. Das Tempo war zeitweise so langsam, dass RT-Topscorer Vitalij Aab – kein Mann mit Usain Bolt-Turbo – Durchschnittsgeschwindigkeit hatte. Im zweiten Drittel gab es phasenweise Lichtblicke, doch Fehler im Aufbauspiel und die Nervosität ließen Kaufbeuren zu Beginn der zweiten Pause weiter am Punktgewinn schnuppern. Als Rob Kwiet bei 4-4 zum Anschlusstreffer von der blauen aus einnetzte (45.), war die Partie endgültig Kopfsache. EC-Geschäftsführer Andreas Ortwein meinte hinterher: "Wir haben uns von dem ganzen Gerede um die Höhe des Sieges anstecken lassen". Kujala ergänzte: "Wir waren verkrampft und nervös. In Dresden am Sonntag müssen wir uns anders präsentieren". Glanzpunkte gab es selten, wie etwa beim 5:3 durch Matt Beca, als Dusan Frosch eine gefühlte Ewigkeit wartete und einen Traumpass auf den Kandier spielte.

Die Gäste verkauften sich im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten bestmöglich. Zehn Ausfälle, nur 14 Feldspieler an Bord, Selbstbewusstsein bei null – das alles störte das Team von Kari Rauhanen nicht. Kaltschnäuzig nutzten sie die wenigen Schüsse zu Toren und hätten sich bei weniger Strafzeiten sogar noch besser verkaufen können. Rauhanen meinte: "Das war das beste Spiel seit der letzten Partie gegen Bad Nauheim". Und, im Original-Ton: "We are back in business". In Sachen Kampfgeist und Einsatz waren sie Bad Nauheim jedenfalls voraus.

EC Bad Nauheim: Guryca – Ringwald, Pantic, Paris, Blankart, Schütz, Ketter – Aab, Campbell, Lange, Beca, May, Frosch, Baier, Helms, Strauch, Müller, Daxlberger, Spöttel.

ESV Kaufbeuren: Häkkinen – Kwiet, Stein, Müller, Heider, Messing – Menge, Schmidle, Oppolzer, Lautenbacher, Knackstedt, Kreitl, Schöppl, Thomas, Hadrascheck.

Steno: Tore: 0:1 (8.) Knackstedt (Oppolzer, Kwiet), 0:2 (17.) Menge (Schmidle – 6-5), 1:2 (21.) Campbell (Lange, Ringwald – 5-3), 2:2 (27.) Frosch (Paris, Lange – 5-4), 3:2 (28.) Ringwald (Frosch, Beca), 4:2 (37.) May (Frosch, Ringwald), 4:3 (38.) Lautenbacher (Kreitl, Knackstedt), 5:3 (40.) Beca (Frosch, Ringwald – 6-5), 5:4 (45.) Kwiet (Heider, Knackstedt), 5:5 (57.) Oppolzer (Heider), 6:5 (64.) Ringwald (Campbell, Helms). – Schiedsrichter: Steffen Klau. – Strafminuten: Bad Nauheim 6, Kaufbeuren 16 plus 10 Spieldauer (Häkkinen). – Zuschauer: 2172.

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Regionalliga West: Bergisch Land – RT Bad Nauheim 2:5.

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