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EC Bad Nauheim vor dem Hessen-Wochenende

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Manchmal kochen die Emotionen im Derby über. Hier eine Szene aus dem Spiel in Frankfurt vom Oktober mit (u.a.) den Bad Nauheimern Jonas Gerstung (14) und Nick Dineen (r.).	(Foto: Chuc)
Manchmal kochen die Emotionen im Derby über. Hier eine Szene aus dem Spiel in Frankfurt vom Oktober mit (u.a.) den Bad Nauheimern Jonas Gerstung (14) und Nick Dineen (r.). (Foto: Chuc) © Andreas Chuc

(hs) Der EC Bad Nauheim gegen die Löwen Frankfurt. Das Eishockey-Derby am Freitagabend im Colonel-Knight-Stadion elektrisiert, rund 4000 Fans werden erwartet. Die WZ-Sportredaktion hat sich vor dem Hessen-Wochenende (am Sonntag geht’s nach Kassel) in Bad Nauheim und der Region auf die Suche nach dem Derby-Spirit begeben.

Bad Nauheim gegen Frankfurt. Wo fängt man an? Der erste Griff geht zum Smartphone. »Nein, ich bin noch nicht im Derby-Fieber«, antwortet am anderen Ende der Verbindung Thomas König, Co-Autor der Chronik »Höllenspaß und Höllenqual – ein Streifzug durch die Geschichte des Bad Nauheimer Eishockeys«, der noch mit den »überflüssigen Niederlagen gegen Bietigheim und in Rosenheim« hadert. Seit den 60er Jahren hat »tECk« die Lokalduelle VfL gegen Eintracht, später EC gegen Lions und Löwen meist hautnah miterlebt, »das Kribbeln wird schon noch kommen, je näher es auf den Spieltag zu geht«. Zum ersten Mal sind die sportlichen Nachbarn – die nur knapp 40 Kilometer trennen – in der Saison 1961/62 aufeinandergeprallt: auf der Eisfläche in der Radrennbahn am Waldstadion siegten die Roten Teufel damals mit 10:6. Das Rückspiel im ebenfalls offenen »Hunderttage-Stadion« am Kurpark endete 6:1 für den VfL. Seitdem wurden etliche Anekdoten geschrieben, Derby-Helden geboren, euphorisch Siege gefeiert und bittere Niederlagen verkraftet.

Helmut Keller, ehemaliger Nationalspieler VfL Bad Nauheim: Das ist ein Highlight für Spieler und Zuschauer. Mein Herz schlägt für Bad Nauheim. Beim VfL habe ich meine schönste Eishockey-Zeit verbracht. Frankfurt war auch eine erfolgreiche Station, aber ich bin Nauheim-Fan und hoffe, dass der EC gewinnt. Hier in Weilmünster werde ich seit einigen Tagen angesprochen: »Fährst du am Freitag hin?« Diesmal kann ich leider nicht live dabei sein, weil ich traditionell in der Vorweihnachtszeit als Eismeister für die Eisfläche hier auf dem Marktplatz verantwortlich bin. Ich drücke den Roten Teufeln die Daumen.

Michael Richly, Beiratssprecher der EC-Spielbetriebs GmbH: Die Derbys gegen Frankfurt sind reizvoll und lukrativ. Auch wenn wir von der Papierform her nicht der Favorit sind, wünsche ich mir, dass die Mannschaft über sich hinauswächst und erfolgreich ist. Aufgrund der räumlichen Nähe ist es ein echtes Derby mit besonderem Flair. Für Gesprächsstoff ist vorher und nachher gesorgt. Wenn die Sitzplatzkarten längst ausverkauft sind, werde ich oft angesprochen, ob ich Tickets besorgen kann.

Willy van Basshuisen, Gastronom »Willy’s Pub« Bad Nauheim: Ich hoffe natürlich, dass Nauheim gewinnt und hinterher gefeiert wird. Vor zwei, drei Jahren kamen nach den Derbys noch mehr Leute – vor allem freitags war dann hier die Hölle los. Seit über 40 Jahren stehe ich hinter der Theke und habe die Höhen und Tiefen miterlebt. 1972/73 habe ich freitags im Postwagen um 18.30 Uhr abgeschlossen, bin ins Eisstadion, zehn Minuten vor Abpfiff wieder zurück und anschließend ging’s noch lange rund. Hier in meinem Pub hängen noch die ersten Original-Schlittschuhe von Heinz Rosenbecker und ein Schläger von Marian Hurtik.

Elke Fatum, Shell-Tankstelle Bad Nauheim: Als meine Eltern noch die Tankstelle geführt haben, war oft alles zugeparkt, besonders bei den Derbys. Vor den Spielen wurden viele Getränke gekauft. Die Fans sind früher in den Drittelpausen um den Großen Teich zu uns rübergelaufen, haben ihre Dosenbiervorräte aufgefüllt und sind schnell wieder zurück ins Stadion. Heute geht das bei den Einlasskontrollen natürlich nicht mehr.

Heinz Lohwasser, langjähriger Dauerkarteninhaber: Meine Frau Elke hat seit 35 Jahren eine Dauerkarte und ich seit etwa 50 Jahren. Erst den Stehplatz in der Kurve, jetzt sitzen wir in Block D. Den Derbys wird im Freundes- und Bekanntenkreis schon Wochen vorher entgegengefiebert, da zählt ein Sieg doppelt. Es ist ein Glücksfall, dass Bad Nauheim, Frankfurt und Kassel in einer Liga spielen. Das bringt gegenseitig Zuschauer. Es fahren ja auch immer viele Nauheimer mit nach Frankfurt. Solche Duelle sind lange Gesprächsthema, da brennt die Hütte.«

(Fotos: uc, pv, hs/2)

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