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Bad Nauheim im Halbfinale

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Die knapp 2000 Zuschauer sangen »Rot und Weiß ein Leben lang«, und Verteidiger Alexander Baum durfte sich als Matchwinner feiern lassen. 91 Sekunden waren in der Verlängerung gespielt, als der Routinier zum 6:5 (2:2, 3:2, 0:1, 1:0) für den EC Bad Nauheim im Viertelfinale der Eishockey-Oberliga gegen den EHC Klostersee traf.

Die Mannen von Frank Carnevale gewannen somit im heimischen Stadion auch die dritte Partie gegen den Süd-Vertreter und setzten sich damit in der Best-of-Five-Serie glatt – aber nach jeweils hart umkämpften Partien – mit 3:0 (3:1, 4:3 n.P., 6:5 n.V.) durch. Die beiden weiteren hessischen Top-Klubs aus Frankfurt und Kassel gestalteten ihre Spiele deutlicher und stehen somit ebenfalls im Halbfinale. Gewinnt auch der vierte West-Verein EV Duisburg seine Serie, trifft der EC ab Gründonnerstag mit Heimstart auf die Löwen Frankfurt; kommt Selb weiter, beginnt Bad Nauheim in Bayern.

Die 1889 Zuschauer im Colonel-Knight-Stadion sahen eine temporeiche Partie mit vielen Fehlern auf beiden Seiten. Bad Nauheim führte nach dem frühen 0:2 gleich zweimal mit zwei Toren (4:2/5:3), kassierte aber 184 Sekunden vor Schluss das Overtime-bringende 5:5. Die Extrazeit dauerte lediglich 91 Sekunden. Nach einem Vorstoß über die linke Seite schlenzte Alexander Baum den Puck zum 6:5 in die Maschen.

Wer stoppt Michael Dorr? Die Partie war keine vier Minuten alt, als der Süd-Spieler des Jahres die Roten Teufel gleich zweimal ganz alt hatte aussehen lassen. Gleich beim ersten Wechsel düpierte der US-Boy RT-Verteidiger Jan-Niklas Pietsch und versetzte auch gleich noch Keeper Thomas Ower zum frühen Führungstreffer. Nur zwei Minuten später war der 24-Jährige auch für die zweite markante Szene der Partie verantwortlich. Diesmal kam Daniel Ketter an der gegnerischen blauen Linie einen Schritt zu spät, musste Dorr ziehen lassen und dessen Querpass schob Patrick Cullen zum 2:0 für die Gäste über die Linie. Wann immer die beiden Kontingentspieler zusammen mit DEL-Förderlizenzspieler Andreas Farny auf dem Eis standen, war höchste Aufmerksamkeit bei den Gastgebern gefordert. Diese verdauten den Rückstand erfreulich schnell. In der fünften Minute erzielte Michel Maaßen den Anschluss, nachdem der Puck hinter dem EHC-Gehäuse erkämpft worden war, weitere fünf Minuten später drückte Harald Lange den Puck zum Ausgleich über die Linie. Die Partie hatte unheimlich schnell Fahrt aufgenommen, wobei die Roten Teufel im ersten Abschnitt leichte Vorteile hatten, da die Gäste aus Grafing doch zu sehr von ihrer Top-Formation lebten.

Ein Tor-Feuerwerk (drei Treffer binnen 37 Sekunden) eröffnete den zweiten Abschnitt. Zweimal war Daniel Oppolzer mit millimetergenauen Querpässen in den Lauf von Chris Stanley beziehungsweise Patrick Strauch der Vorbereiter (21./22.). Bad Nauheim hatte einen 0:2-Rückstand in eine 4:2-Führung gedreht. Die Gäste reagierten mit einer Auszeit – und kamen prompt zum Anschluss. Michael Dorr bestrafte das nachlässige Verhalten der RT-Defensive und verlud Ower im zweiten Duell Eins-gegen-Eins (22.).

Fortan sollte zumeist die Reihe um Lange versuchen, den Grafinger Paradeblock zu neutralieren. In der 28. Minute nutzte Bad Nauheim sein erstes Powerplay. Brad Miller sah Daniel Huhn, und der Januar-Neuzugang drückte den Puck zum 5:3 ins Netz. Doch: Der Wille der Gäste war auch damit noch nicht gebrochen. Im Nachschuss einer zunehmend von Leidenschaft geprägten Partie brachte Thomas Hummer nur vier Minuten später den Puck zum erneuten Anschluss ins Tor. In Unterzahl konnte Bad Nauheim den knappen Vorsprung in die Drittelpause retten.

Lautstarke Unterstützung begleitete die Roten Teufel durch den Schlussabschnitt, als es einzig darum ging, die Führung über die Zeit zu bringen. Bad Nauheim stellte seine Offensiv-Bemühungen weitgehend ein, versuchte, die neutrale Zone und das eigene Verteidigungsdrittel zu vernageln. Dies gelang bis vier Minuten vor dem Ende. Als Tim May auf der Strafbank saß, ließ Nicolai Quinlan einen Schlagschuss im RT-Netz zappeln. Nun hatte Grafing einen Zwei-Tore-Rückstand wettgemacht. Erneut sollten die regulären 60 Minuten nicht zur Entscheidungsfindung reichen.

EC Bad Nauheim: Ower – Pöpel, Pietsch, Miller, Ketter, Schreiber, Baum – Oppolzer, Stanley, Rinke, Anderson, May, Schlicht, Huhn, Lange, Strauch, Maaßen, Striepeke, Kujala.

EHC Klostersee: Morczinietz – Bergmann, Paderhuber, Unverzagt, Dominik Quinlan, Nicolai Quinlan, Christian Hummer – Farny, Dorr, Cullen, Acker, Scharpf, Kaltenhauser, Tomaschewski, Thomas Hummer, Eberhardt.

Tore: 0:1 (2.) Dorr, 0:2 (4.) Cullen (Dorr), 1:2 (5.) Maaßen (Stripeke), 2:2 (10.) Lange (Strauch), 3:2 (21.) Stanley (Oppolzer), 4:2 (22.) Strauch (Oppolzer), 4:3 (22.) Dorr, 5:3 (28.) Huhn (Miller, Lange – 5-4), 5:4 (33.) Christian Hummer (Dorr), 5:5 (57.) Nicolai Quinlan (Tomaschewski – 5-4), 6:5 (62.) Baum. – Strafminuten: Bad Nauheim 16, Klostersee 14. – Zuschauer: 1889.

Michael Nickolaus

Das Playoff-Viertelfinale

in Klammern der Serienstand (best of five), viertes Spiel in Duisburg am Freitag:

Bad Nauheim – Klostersee n.V. 6:5 (3:0)

Kassel – Weiden 9:4 (3:0)

Selb – Duisburg 1:2 (1:2)

Bad Tölz – Frankfurt 3:7 (0:3)

Bad Nauheim, Kassel und Frankfurt im Halbfinale; Start Gründonnerstag, 28. März.

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