+
Marc vom Hagen beschäftigt sich als Geschäftsführer des Hessischen Golfverbandes vor allem mit den Nachwuchssorgen der Clubs. In seiner Bad Nauheimer Heimat will er am Samstag dem Negativtrend entgegenwirken.

Nachwuchs dringend gesucht

  • schließen

Am Samstag veranstaltet der Golfclub Bad Nauheim in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Golfverband einen Schnupperkurs für Grundschüler. Grund genug, den Geschäftsführer des Verbandes, Marc vom Hagen, zum Interview zu bitten - und fragen: Wie sieht es überhaupt aus in Sachen Nachwuchs im deutschen Golfsport?

Golf-Schnuppertag für Grundschüler: Am Samstag ab 10 Uhr lädt der Golfclub Bad Nauheim gemeinsam mit dem Hessischen Golfverband auf den Platz am Rande des Kurparks ein (Anmeldung unter info@hessischer-golfverband.de). Das Ziel: Jungen und Mädchen für den Golfsport begeistern. Deshalb gibt es auch die Chance, bis zu einem Jahr kostenlos zu trainieren. Der Grund: Der Golfsport hat ein Nachwuchsproblem, wie Marc vom Hagen als Geschäftsführer des Hessischen Golfverbandes im Interview verrät.

Herr vom Hagen, wie sieht es in Sachen Nachwuchs im Golf in der Wetterau aus?

Marc vom Hagen:Wir haben in Altenstadt vielversprechende Talente. Leider fehlt es uns daran im Bereich Bad Nauheim, Friedberg und Bad Vilbel. Es ist hessenweit sehr schwierig, Jugendliche für den Golfsport zu begeistern Golf zieht als Sportart erst einmal nicht so, wie das Fußball oder Handball tun. Deswegen machen wir solche Aktionen wie am Samstag oder gehen in Schulen, um uns vorzustellen oder eine Nachmittags-AG anzubieten. Das Problem ist, dass wir immer noch ein Image haben, das nicht so toll ist, auch wenn sich längst viel gewandelt hat. Außerdem steckt in den Köpfen der Menschen, dass Golf sehr teuer ist, was ebenfalls aber meistens nicht mehr der Fall ist.

Was spricht denn dennoch für Golf als Sportart für Kinder und Jugendliche?

Vom Hagen:Golf präsentiert sich in den vergangenen Jahren immer sportlicher. Man hat viel Bewegung an der frischen Luft. Natürlich verstehe ich, dass viele die etwas höhere Altersstruktur auf den Plätzen anfangs zunächst etwas abschreckt, aber Golf bietet deshalb auch gerade ein behütetes Umfeld. Und Spaß gibt es durch Jugendgruppen. Man lernt zudem einerseits, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren, andererseits aber auch seine Emotionen zu kontrollieren - gerade im Falle eines Misserfolgs.

Welche Rolle spielt die mediale Öffentlichkeit von Golf, etwa rund um einen Ausnahmespieler wie Martin Kaymer?

Vom Hagen:Martin Kaymers Hype ist leider etwas abgeebbt. Golf spielt im frei empfangbaren Fernsehen heutzutage keine Rolle mehr. Das liegt aber auch daran, dass wir niemanden haben, der jede Woche in den USA ein großes Turnier gewinnt. Da ist der deutsche Golfverband sehr bemüht, es gibt einige hoffnungsvolle Talente, aber der Weg in die Spitze, und in die muss man kommen, um sein Geld damit zu verdienen, ist hart. In Deutschland gibt es mehr Fußballer, die vom Sport leben können als Golfer weltweit.

Wie sieht die Mitgliederentwicklung aus?

Vom Hagen:Insgesamt gesehen ist der deutsche Golfverband einer der ganz wenigen Dachverbände im Sport in Deutschland, die noch eine positive Mitgliederbilanz haben, auch wenn die mittlerweile sehr gering ist. Wir haben aber gerade im Jugendbereich ein deutliches Minus, wobei hier Hessen noch etwas besser als der Bundesdurchschnitt da steht. Wir hoffen, dass wir das jetzt mit den geburtenstärkeren Jahrgängen aber wieder etwas auffangen können, gleichwohl muss weiter in den Nachwuchs investiert werden. Dort konkurrieren wir mit anderen Sportarten, mit Ganztagesschulen und leider auch mit allen elektronischen Geräten.

Was tun die Verbände?

Vom Hagen:Wir als hessischer Golfverband suchen uns pro Jahr einen Club aus, um diesen bei der Findung von Nachwuchs zu unterstützen. Aber: Am Ende müssen es die Clubs vor Ort selbst leisten, dafür brauchen sie aber ein engagiertes Team von Trainern und Betreuern. Das fördern wir mit finanziellen Mitteln, aber wie am Samstag in Bad Nauheim auch mit Manpower und Material.

Die Aktion am Samstag soll den Nachwuchs anlocken. Was genau wird in den drei Stunden geboten?

Vom Hagen:Wir bieten sechs Stationen an. Bei zwei davon geht es um das Putten, einmal geht es einfach darum, den Schläger möglichst gerade zu halten, beim anderen Mal sollen Hindernisse umspielt werden. Außerdem werden wir eine Station zum Abschlagen sowie drei Stationen mit athletischen Aufgaben haben. Da wird es um Werfen und Baseball gehen, weil diese Bewegungen eng mit Golf verwandt sind, außerdem gibt es eine Laufschule. Die Kinder werden in Gruppen die Stationen durchlaufen.

Geht es darum, den Nachwuchs für die Leistungsspitze zu finden oder um Mitglieder für den Breitensport zu akquirieren?

Vom Hagen:Ausdrücklich um beides. Wir wollen mit der Aktion einerseits die Hemmschwellen rund um den Golfsport abbauen. Denn auch wenn jetzt vielleicht einer nicht direkt da bleibt, erinnert er sich womöglich in ein paar Jahren wieder, dass Golf ja doch eigentlich ganz cool war und kommt zurück. Andererseits suchen wir natürlich auch Nachwuchs für unseren hessischen Kader. Hier wollen wir Bewegungstalente über ein Jahr etwas intensiver fördern, um zu sehen, wie sie sich entwickeln. Jedes Kind, das nach dem Kurs am Samstag Lust hat, darf und soll Golf weiter betreiben können.

Was bleibt Ihrer Erfahrung nach von solchen Aktionen oder auch bei Kooperationen mit Schulen hängen?

Vom Hagen:Es geht vor allem darum, die Chance zu haben, dass die Kinder vom Golf angefixt werden, sodass sie vielleicht irgendwann zu uns kommen. Es geht auch darum, das Image des Golfsports zu verbessern. Da bleibt bislang nicht die Masse hängen, aber das sind die Clubs auch gefordert, stetig dran zu bleiben, etwa durch Zusatzangebote.

Beim Blick auf die Mitgliederzahlen fällt auf, dass deutlich mehr Jungen als Mädchen Golf spielen. Warum ist das so?

Vom Hagen:Die Jungs sind etwas wettkampforientierter eingestellt, deshalb funktioniert das bei ihnen meist etwas besser. Ich weiß aber gar nicht warum, weil Golf auch eine schöne Sportart auch für Mädchen ist, da jeder sein eigenes Ding machen kann, man aber dennoch soziale Kontakte hat. Zudem hat man als Mädchen die Chance, sehr schnell sehr weit zu kommen. In der deutschen Spitze sind die Spielerinnen schon sehr gut, aber es fehlt die Breite.

Was braucht ein Kind, um irgendwann einmal ein passabler Golfer zu werden?

Vom Hagen:Letztlich nur Freude an der Bewegung und ein gewisses Talent dafür. Die Zeit ist aber auch ein Thema, denn nur eine Stunde Jugendtraining pro Woche ist etwas wenig, um sich schnell zu verbessern. Das ist aber wie in jeder anderen Sportart auch.

Wie sieht es in Sachen Ausrüstung aus?

Vom Hagen:Gerade am Anfang braucht man außer Sportschuhen und sportlicher Kleidung nichts. Viele Golfclubs bieten Leihschläger an. Gerade als Anfänger braucht man nicht viel, da reichen auch schon vier Schläger und ein paar Bälle und los geht’s.

Viele Jugendliche sind aktuell sehr von der Fridays-for-future-Kampagne inspiriert. Passt Golf in Sachen Klima- und Umweltschutz noch zu diesem neuen Zeitgeist?

Vom Hagen:Absolut. Es gibt strenge Auflagen für Golfclubs, was Themen wie Dünger und Schädlingsbekämpfung angeht. Da muss schon längst alles auf natürlicher Basis sein. Der deutsche Golfverband vergibt außerdem ein Zertifikat "Golf und Natur". Die Golfclubs haben oft Blühstreifen, ernten den Honig ihrer eigenen Bienenstöcke und verkaufen diesen zugunsten der Jugendarbeit, es gibt zudem extra ausgewiesene Flächen als Rückzugsorte für Flora und Fauna, die kein Spieler betreten darf. Die Wasserproblematik ist natürlich gegeben, der Verbrauch ist hoch, aber die Clubs arbeiten inzwischen viel mit eigenen Speicherteichen, die selbst wiederum Biotope für Pflanzen und Tiere darstellen. Die Thematik wird also immer größer und es wird auch schon sehr viel gemacht. Golf wird also insgesamt nicht nur sportlicher, offener und moderner, sondern auch hipper.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare