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Andre Avemann (Mitte) war mit seinen Toren einer der Leistungträger der vergangenen Jahre bei der TG Friedberg. Nun verlässt er den Verein im Zuge von dessen Neuaufstellung unter Trainer Tomasz Jezewski.

Kaderplanungen

Nach späten Klassenerhalt: Schwieriger Sommer für Landesligist TG Friedberg

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Die TG Friedberg hatte als letzter Verein in der Wetterau Planungssicherheit in Sachen Ligazugehörigkeit. Das erschwert die Vorbereitung auf die neue Landesliga-Saison erheblich. Ein Umbruch steht an.

Obwohl die Saison in der Handball Landesliga Mitte bereits am 4. Mai zu Ende ging, musste die TG Friedberg bekanntlich bis zum ersten Juniwochenende warten, ehe der Klassenerhalt gesichert war. Mit 22:30 Punkten hatte die TG in der Endtabelle den zehnten Platz belegt - nur bei einem Aufstieg des Hessenmeisters TV Kirchzell in die 3. Liga eine klassenerhaltende Platzierung. Die Handballer aus dem Odenwald sicherten sich diesen Aufstieg nach vier quälend langen Qualifikationsspielen in der zweiten Runde mit einem 24:20-Sieg bei der MTV Rheinwacht Dinslaken und sorgten damit auch für verspäteten Jubel in der Kreisstadt.

Große Teile der Friedberger Mannschaft verfolgten dieses entscheidende Spiel live im Internet auf der Terrasse von Thomas Keck, dem sportlichen Leiter Männerhandball bei der TG. "Danach stieg eine spontane Feier, die bis in die frühen Morgenstunden andauerte", lässt Keck nun wissen. In Friedberg bleibt also alles beim Alten und die Landesliga Geschichte wird weitergeschrieben, könnte man meinen. Dem ist aber nicht so.

TG Friedberg: Leistungsträger Andre Avemann und Co-Trainer Aljoscha Schmidt verlassen den Verein

"Nach den bereits feststehenden Abgängen von Christopher Gustavsson, Niklas Musch und Jöran Mahr haben sich auch Aljoscha Schmidt sowie Andre Avemann und der Verein getrennt", informiert Keck. Eine Nachricht, die überrascht. Gemeinsam hatten beide mit 212/91 Toren großen Anteil am Klassenerhalt gehabt. Darüber hinaus galt Avemann in den vergangenen fünf Jahren, in denen er bei der TG spielte, als eines der Gesichter des Vereins. "Diese Entscheidung war für beide Seiten nicht einfach. Andre war maßgeblich für unsere positive Entwicklung verantwortlich, und wir sind ihm alle unendlich dankbar für diese Zeit", sagt Keck. Er gibt nun Einblick in den Entscheidungsprozess, der sich in den letzten Wochen vollzog: In der Rückrunde hatte Friedberg lediglich acht Punkte eingespielt und unter anderem zu Hause gegen die Absteiger aus Wettenberg und Goldstein/Schwanheim verloren. "Mit einer derartigen Bilanz steigst du in der Regel ab. Sie zeigt deutlich, dass einiges falsch lief", erläuter Keck. Gemeinsam mit Vorstandskollegen und dem neuen Trainer Tomasz "Tomek" Jezewski, wurde das Friedberger Spielsystem in der Zwischenzeit kritisch unter die Lupe genommen. Zu leicht ausrechenbar, zu viele Eins-gegen-eins-Aktionen und vor allem zu wenig Tempo in allen Bereichen, war das Ergebnis.

Ein neues Konzept, das vorsieht, mehr ins Tempo zu gehen, und eine höhere Variabilität der Spieler, sowie variantenreicheres, laufintensiveres Abwehrverhalten verlangt, soll der Mannschaft deshalb verpasst werden. Keine leichte Aufgabe, die da auf den neuen Trainer wartet. Dies erscheint zudem nur umsetzbar mit den dazu passenden Spielern, die sich ohne Wenn und Aber zu einer großen Trainingsintensität mit entsprechendem Volumen und Frequenz der Einheiten bekennen. "Hier haben wir mit einigen Spielern keinen gemeinsamen Nenner gefunden und werden daher die Mannschaft entsprechend diesen Vorgaben neu ausrichten", sagt Keck.

TG Friedberg: Auf dem Wunschzettel für die neue Saison stehen noch mindestens zwei Spieler

Mit dem jungen Max Beyster, der vom TV 05/07 Hüttenberg zurück in die Kreisstadt kommt, ist ein erster Schritt vollzogen. "Er nimmt in unseren Planungen eine wichtige Rolle ein und soll gemeinsam mit Benedikt Ploner in Zukunft das Spiel auf der Rückraum-Mitte Position gestalten", sagt Keck. Als zweiten Neuzugang präsentiert er den 29-jährigen Henning Kiel. Den Immobilienanalyst hat es aus beruflichen Gründen in die Wetterau verschlagen. Der wurfstarke Linkshänder kommt von den TuS Opladen, die aktuell in der Regionalliga Nordrhein spielen. Zuvor war er bei Tus Lahde Quetzen, Lit Handball, TuS Eintracht Oberlübbe, VfL Mennighüffen und Tus 97 Bielefeld Jöllenbeck aktiv. Aufgrund eines Knorpelschadens wurde er im Mai 2018 am Knie operiert. Seit Dezember nimmt er wieder am Spielbetrieb teil und wurde zuletzt in der zweiten Mannschaft der Opladener eingesetzt, die in der Verbandsliga Mittelrhein spielt. Nicht zuletzt durch seine Tore, wurde sein Team mit 40:12 Punkten Vizemeister und steigt jetzt in die Oberliga auf.

Auf dem Friedberger Wunschzettel stehen nun noch ein wurfstarker Halblinker und ein Kreisläufer, die beide idealerweise auch in der Deckung einsetzbar sind. "In dieser Richtung führen wir derzeit Gespräche", verrät Keck. Am 18. Juni wird Trainer Jezewski seine Mannschaft zum ersten Trainingstermin bitten.

Fazit: Ein schwieriger Sommer wartet auf die TG Friedberg, die sich eine neues Gesicht verpassen will.

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