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Auf Aktionen wie diese von Elvin Petrosanec muss die TG Friedberg in Zukunft verzichten. Der Außen kehrt in seine kroatische Heimat zurück. (Archivfoto: Nici Merz)

Rückkehr in die Heimat

Nach dem Landesliga-Derby zwischen Friedberg und Petterweil: Nicht der erhoffte Abschied für Elvin Petrosanec

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Das 20:33 der TG Friedberg gegen den TV Petterweil im Wetterau-Derby der Handball-Landesliga Mitte war vor allem für einen Mann besonders: Elvin Petrosanec. Der Kroate kehrt in seine Heimat zurück.

Im Spiel der Handball-Landesliga der Männer zwischen der TG Friedberg und dem TV Petterweil am Freitagabend in der Halle am Seebach sind exakt 42:01 Minuten gespielt: Von der Rechtsaußenposition überlistet TG-Spieler Elvin Petrosanec den an diesem Abend überragenden Torhüter Iteb Bouali (21 Paraden in 50 Minuten!) mit einem Heber und erzielt das 13. TG-Tor. An sich ein normaler Vorgang und doch etwas Besonderes: Es ist sein letztes Tor für die Kreisstädter, deren Trikot er vier Jahre lang getragen hat. Am Ende sollte es nicht der erhoffte Abschied werden, denn seine Mannschaft geht gegen den weiter verlustpunktfreien Spitzenreiter beim 20:33 leer aus.

Respektbekundungen für Elvin Petrosanec von Petterweils Trainer Martin Peschke

Aus beruflichen Gründen kehrt der 28-jährige Petrosanec nun in seine kroatische Heimat zurück. Bei der Firma Horvat Productions wird der gelernte Grafik-Designer im Bereich Entwicklungsmanagement eine neue, attraktive Herausforderung annehmen. Es geht also dorthin zurück, von wo er einst gekommen war - nach Ludbreg einer Stadt im Nordwesten Kroatiens, heimwärts zu alten Freunden und der Familie. Nicht nur für die TG sondern auch für die Handball-Fans der Region ist das ein herber Verlust. Für Petrosanec war der Ball nie ein Fremdkörper, sondern er behandelte ihn eher wie einen Freund. Es war stets ein Genuss ihm zuzusehen. Petrosanec genoss auch bei gegnerischen Mannschaften ein hohes Ansehen.

Aussagen wie die von Petterweils Trainer Martin Peschke zeugen davon. Er sagte am Freitagabend nach dem Derby: "Elvin hat die Liga enorm bereichert. Ich habe es nie gemocht, gegen ihn zu spielen, denn mit seiner Klasse war er nie völlig auszuschalten - er war einfach zu gut. Die TG Friedberg verliert mit ihm nicht nur einen ausgezeichneten Spieler, sondern vor allem auch eine tolle Persönlichkeit."

Weinendes und lachendes Auge auf beiden Seiten

Ulrich "Uli" Kaffenberger, der Handball-Abteilungsleiter der TG Friedberg, sagte: "Ich habe Elvin als einen lockereren, temperamentvollen, freundlichen und fröhlichen Menschen kennengelernt, der hier schnell Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen hat. Sein Abgang ist ein Riesenverlust für die TG, vor allem auch auf der menschlichen Basis." Und auch Thomas Keck, Mannschaftsverantwortlicher der TG, ist die Traurigkeit über den Verlust anzumerken: "Elvin ist ein überaus ehrlicher Mensch und stets hilfsbereit. Es ist eine Freundschaft entstanden, die für immer bleiben wird. So schade es auch ist, bei uns allen überwiegt die Freude über die berufliche Chance, die sich ihm jetzt eröffnet."

Doch wie sieht es in der Gefühlswelt von Elvin Petrosanec selbst aus und wie geht es mit dem Handball bei ihm und der TG Friedberg weiter? Danach haben wir ihn befragt. Die Antwort: "Ich befinde mich derzeit in einer schwierigen Gefühlslage. Freude und Traurigkeit kämpfen miteinander. Ich verabschiede mich von neuen Freunden und gehe zurück zu alten - in die Heimat und zu meiner Familie. Es waren vier schöne Jahre in Friedberg, in denen ich eine gute Entwicklung genommen habe. Vom ersten Tag an wurde ich gut aufgenommen, die Mannschaft hat mir viel geholfen, vor allem auch die Sprache schnell zu lernen. Ich bin dankbar für die Jahre die ich hier war", sagte er nach dem Spiel und fügte hinzu: "Sicherlich werde ich auch in meiner Heimat weiter Handball spielen. Doch zunächst haben andere, berufliche Dinge, Priorität. Den Weg der TG Friedberg werde ich natürlich weiter verfolgen. Für die anstehenden wichtigen Spiele muss die Mannschaft nun zusammenstehen, der komplette Kader. Jeder muss für den anderen da sein und alles geben. Ich werde aus der Distanz die Damen drücken."

Angesichts des vorletzten Tabellenplatzes haben die weiter sieglosen Friedberger diese Unterstützung wohl auch nötig.

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