Joachim Weis (l.) sammelte viel Erfahrung und gibt sie gerne weiter, auch in Fußballcamps chinesischer Hochschulen. Beim SV Ranstadt ist nach 15 Jahren als Trainer Schluss. FOTO: BF
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Joachim Weis (l.) sammelte viel Erfahrung und gibt sie gerne weiter, auch in Fußballcamps chinesischer Hochschulen. Beim SV Ranstadt ist nach 15 Jahren als Trainer Schluss. FOTO: BF

Nach 15 Jahren: In Ranstadt endet Ära

  • vonFrank Schneider
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(fra). Vor zehn Jahren stieg der SV Ranstadt in die Fußball-Kreisoberliga Büdingen auf und hat diese trotz einiger enger Abstiegskämpfe seither immer gehalten. Maßgeblich am Erfolg beteiligt war Trainer Joachim Weis, dessen Ära nun an der langjährigen Wirkungsstätte endet. Nach 15 Jahren gibt der Übungsleiter den Staffelstab an Maciej Wolodczenko weiter.

Der 51-Jährige bedauert zwar ein wenig, dass die Saison aufgrund der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochen wurde und sein Abschied sich daher eher geräuschlos vollzieht, allerdings hält sein Verein - und das ist für ihn viel wichtiger - durch diese Entscheidung einmal mehr die Klasse und freut sich nun auf die elfte Saison in Folge im Büdinger Oberhaus.

Als Corona-Profiteur sieht Weis seine Mannschaft nicht. Dass es aufgrund des bevorstehenden Saisonabbruchs keine Absteiger gibt, hält er für gerechtfertigt. "Wir haben häufig eine gute Rückrunde gespielt, es wären ja auch noch elf Spiele auszutragen gewesen." Womöglich hätte der SVR einmal mehr das Wunder Klassenerhalt geschafft. "Wir haben in der Hinrunde viele Spiele nur knapp verloren und mit Neuzugang Maciej Wolodczenko und Oliver Haas hätten dem Team in der Rückserie zwei starke Spieler wieder zur Verfügung gestanden." Eine Herkulesaufgabe wäre die neuerliche Rettung freilich dennoch geworden: Mindestens sieben Punkte hätte der SV Ranstadt aufholen müssen. Am Ende wären wohl drei Teams direkt abgestiegen.

Dennoch: Viele sportliche Momente werden Weis in guter Erinnerung bleiben. Die beiden Aufstiege aus den Kreisligen B und A, die nach gewonnenen heißen Relegationsduellen gegen den FSV Dauernheim und die SG Hettersroth/Burgbracht gefeierten Klassenerhalte und auch seinerzeit der Aufstieg mit den A-Junioren in die Gruppenliga. Weis hat stets die Jugendarbeit forciert, aktiv bei der Talentförderung mit angepackt und durfte so als Seniorentrainer auch die Früchte der eigenen Arbeit ernten. "Mit Ausnahme eines einzigen Spielers habe ich alle anderen des Kaders der ersten Mannschaft irgendwann schon als Jugendspieler betreut", erzählt der Berufsschullehrer stolz. Dass es der SV Ranstadt in all den Jahren immer geschafft hat, die Kreisoberliga zu halten, sei deswegen "umso höher einzuschätzen", betont der Trainer.

Als aktiver Spieler war Weis einst ligahöchst für den SV Reichsheim als Stürmer am Ball, als (Spieler-)Trainer fungierte er zudem später zuerst beim SV Ranstadt, danach beim TSV Stockheim, Germania Ortenberg, der SG Steinberg/Glashütten und dem FC Rommelhausen. Mit der Rückkehr zum SVR etablierte sich der Pädagoge bei seinem Heimatverein zum Langzeittrainer, gestaltete gemeinsam mit führenden Köpfen wie dem langjährigen Vorsitzenden Gerhard Herche oder dem Nachwuchsexperten Peter Teichler die Strukturen im 1911 gegründeten Klub maßgeblich mit. Mit Weis als Triebfeder scheute sich der SVR nicht vor gesellschaftspolitischen Projekten und war unter anderem bei der Integration von Flüchtlingen einer der führenden Kreisvereine.

"Bei uns gibt es keine Anreizsysteme, wir können Spieler nicht monetär entlohnen", sagt Weis über das schwierige, aber eben auch lohnenswerte Konzept, auf die Ausbildung eigener Spieler zu setzen. Mit seinem Rückzug will Weis nun den Weg für frischen Wind frei machen und hofft, dass seine Jungs bereit sind, ohne ihn jetzt mehr Verantwortung zu übernehmen. In den vergangenen Wochen hat er bereits seinen Nachfolger ein wenig einarbeiten können, Maciej Wolodczenko Stück für Stück Trainingsinhalte gestalten lassen. Sofern der scheidende Coach kein Engagement bei einem anderen Verein eingeht, wird er die Jugendarbeit des SVR weiterhin begleitend unterstützen, sich aus den Belangen des Seniorenkaders aber völlig heraushalten. "Solch ein Spannungsfeld will ich erst gar nicht aufbauen". Klar bleibt Joachim Weis dem SVR verbunden und drückt seinen Jungs auch weiter die Daumen. In all den Jahren sind schließlich viele Freundschaften entstanden.

Lernen von Jürgen Klopp

"Ich habe immer versucht, mich als Trainer weiterzuentwickeln, sonst hätte ich nie so lange in einem Verein arbeiten können, man kann ja nicht immer gleiche Ansprachen und Inhalte anbieten", erzählt Weis. Er hospitierte bei vielen Profivereinen, schaute unter anderem den Meistertrainern Jürgen Klopp und Thomas Schaaf über die Schulter. Zuletzt war Weis in den Herbstferien für eine Universität in Peking tätig. Wäre Corona nicht gekommen, so wäre er in diesem Sommer erneut für vier Wochen in die chinesische Metropole gereist, wo seine Expertise beim Aufbau eines Nachwuchsfußballzentrums gefragt ist.

Reizen könnte ihn für die Zukunft ein Job als Co-Trainer an der Seite eines noch recht jungen Spielertrainers. Es bleibt spannend.

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