Der Pokal für den Sieger des "German Bowl" war bislang die wichtigste Trophäe im deutschen Football. Mit der Rückkehr einer europaweiten Liga könnte sich das ändern. FOTO: DPA
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Der Pokal für den Sieger des "German Bowl" war bislang die wichtigste Trophäe im deutschen Football. Mit der Rückkehr einer europaweiten Liga könnte sich das ändern. FOTO: DPA

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Nach dem großen Europaliga-Knall: Wie geht es mit Football in Frankfurt weiter? 

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Der Football-Standort Frankfurt steht vor ungemütlichen Wochen. Ein Team mit Universe-Charakter soll in der neuen europäischen Liga an den Start gehen. Der Stammverein strebt aber weiterhin die Teilnahme an der deutschen Liga an. Eine Schlammschlacht droht.

Die Ankündigung von Alexander Korosek, sich aus der Geschäftsführung der Frankfurt Universe Betriebs GmbH zurückzuziehen und sich mit einer eigenen Mannschaft der European League of Football (ELF) anzuschließen, deren Kick-off im Juni 2021 geplant ist, hat bei den Fans im Rhein-Main-Gebiet für Wirbel gesorgt. Alexander Landsiedel, der Vorsitzende des hinter dem Erstligisten stehenden Stammvereins AFC Universe Frankfurt, erklärt, dass sein Vorstand nicht in den Plan eingebunden war und erst davon erfuhr, als die Entscheidung bereits gefallen war.

Mit Korosek und Trainer Thomas Kösling, der seine Zukunft ebenfalls in der neuen B. G. A. Football Betriebs GmbH sieht, habe es dazu ausführliche Gespräche gegeben. "Ich kann die persönlichen Beweggründe nachvollziehen", sagt Landsiedel. "Ich hätte diesen Weg aber nicht gewählt und bin enttäuscht."

Während des Sommers hatte sich der schon länger schwelende Konflikt zwischen den Vertretern der in der German Football League (GFL) spielenden Teams und dem für die Liga verantwortlichen American Football Verband Deutschland (AFVD) zugespitzt, als es darum ging, inwiefern trotz der Coronavirus-Pandemie eine Saison gespielt werden könnte. Daraus resultierte ein Bestreben, die Liga, ähnlich wie in anderen Sportarten, auf eigene Beine zu stellen und vom Verband zu lösen.

Frankfurter Football wieder groß machen

Für Luftfahrtunternehmer Korosek, der sich seit der Insolvenz von Universe 2018 auch als wichtiger Sponsor einbrachte und dem nicht nur Landsiedel den "Löwenanteil" beim vorsichtigen Neuaufbau zuspricht, stand jedoch schon fest, nicht mehr in die GFL investieren zu wollen, in der er nur sehr begrenzte Vermarktungsmöglichkeiten sieht. "Wir können den Football dort nicht mehr auf ein anderes Level heben", erklärt Korosek. Das Potenzial dafür sei jedoch vorhanden, in Deutschland gebe es sehr viele Anhänger und Interessenten des US-amerikanischen Teamsports. "Wir wollen Football in Frankfurt wieder groß machen." Die Internationalität der ELF sei ein wichtiger Baustein dafür.

Einen Rückzug von Universe aus der höchsten deutschen Spielklasse will Landsiedel nicht bestätigen. "Wir werden unser Möglichstes tun, in der klassischen Liga zu verbleiben", sagt er. Auch wenn damit zu rechnen sei, dass "erhebliche Teile der Spieler und des Trainerteams" abwandern. Sponsoren zu finden, sei nicht zuletzt wegen der Covid-19-Krise schwierig. Unter dem verbliebenen Geschäftsführer Daniel Zeidler sollen die Möglichkeiten ausgeschöpft werden. "Ich bin fest überzeugt davon, dass wir genügend Potenzial für ein Wiederauflaufen haben", so der AFC-Chef.

Während er betont, die "Men in Purple" gehörten weiter zu Universe, sieht sein früherer Headcoach Kösling diese nun bei B. G. A. angesiedelt. Selbst durch und durch einer von diesen, glaubt der Polizist wie Korosek daran, dass die neue kontinentale Liga "die einzige Chance ist, dass sich der lila Football weiterentwickelt". Durch die Verbindungen von Investor Zeljko Karajica, einst Geschäftsführer von ProSiebenSat.1 und Sport 1, sowie Commissioner und TV-Moderator Patrick Esume, im Übrigen auch mal Galaxy-Spieler, seien höhere Medienpräsenz und damit bessere Vermarktungsmöglichkeiten als in der GFL gegeben. Höherklassigen Football in Frankfurt auf die Beine zu stellen, sei eine teure und schwierige Angelegenheit.

Die lila Tradition weiterführen

Kösling sieht die Galaxy-/Universe-Tradition in der neuen Rechtsform weitergeführt. Das Franchise der ELF bei der bisherigen Spielbetriebs GmbH und damit dem AFC anzusiedeln, sei aufgrund der Verbandsstatuten nicht möglich gewesen. "Wir suchen nach einem Weg, damit man in Verbindung bleibt und auf diesem die Mitglieder von Universe mitnimmt."

Dass sich zwei Teams Fans, Sponsoren und das Stadion am Bornheimer Hang, über das Korosek eigenen Angaben nach gute Gespräche mit dem Betreiber FSV Frankfurt führt, so teilen können, dass beide in ihren Klassen bestehen, ist unwahrscheinlich. Bei Kösling klingt an, dass er sich eine Zukunft von Universe in der Regionalliga vorstellen kann. Und dass man sich aus diesem Pool mit Nachwuchs bedient. Universe wäre dann so etwas wie in der nordamerikanischen Profiliga NFL ein Farmteam.

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