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Von 2008 bis 2012 war Lanny Gare Publikumsliebling in Bad Nauheim. Jetzt hat der 42-Jährige mit den Selber Wölfen den Aufstieg in die Deutsche Eishockey-Liga 2 feiern können.

Eishockey

Nach Aufstieg: Ex-Teufel Lanny Gare über sein Alter, seine Rolle und den Titelgewinn mit Selb

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
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Lanny Gare hat vier Jahre lang für den EC Bad Nauheim gespielt. Jetzt hat der 42-Jährige mit den Selber Wölfen den Aufstieg gefeiert. Im Herbst soll es ein Wiedersehen im Colonel-Knight-Stadion geben.

Lanny Gare hat den EC Bad Nauheim vier Jahre lang sportlich geprägt. Von 2008 bis 2012. Er war Top-Scorer der Roten Teufel, er war Kapitän, Oberliga-Spieler des Jahres und rasch Publikumsliebling im Colonel-Knight-Stadion. Dass er sich nach einem kurzen Zweitliga-Abstecher in die Lausitz im Januar 2013 gegen eine Rückkehr entschieden und ausgerechnet ein Angebot von unmittelbaren Mitaufstiegsaspiranten Frankfurt angenommen hatte, wurde ihm in der Wetterau übel genommen. Mit den Löwen stieg er schließlich 2014 auf, folgte den Roten Teufel in die DEL 2.

Jetzt feierte der gebürtige Kanadier und zweifache Familienvater erneut einen Titel in der Oberliga; mit dem VER Selb - im Alter von inzwischen 42 Jahren. Im Interview spricht Gare, der in der deutsch-tschechischen Grenzregion heimisch geworden und in die Nachwuchsarbeit eingebunden ist, über die Meisterschaft, seine Rolle und seine Zukunft.

Lanny Gare, konnten Sie den Titelgewinn angesichts der Corona-Beschränkungen überhaupt feiern?

Wir haben nach dem Spiel in Hannover in der Kabine ein bisschen gefeiert, im Bus, und am nächsten Tag noch mal in unserer Kabine. Aber für die Fans und auch die Familien ist das schon sehr schade, dass sie nicht dabei sein konnten. Wir haben sechs Jahre lang auf dieses Ziel hingearbeitet.

Die Medaille wurde vom Kapitän überreicht, in einem leeren Stadion wurde mit dem Pokal für die TV-Kameras gejubelt. Wie haben Sie diese Umstände empfunden?

Ja, das war schon sehr komisch. Spätestens mit Playoff-Beginn haben die Spiele eine ganz besondere Intensität, übertragen auch die Fans Energie auf die Mannschaft. Oft geht im zweiten Drittel ein bisschen das Tempo verloren, da wird man von den Zuschauern gepusht. All das hat natürlich auch gefehlt.

In dieser Saison waren viele Spiele in einem kurzen Zeitraum zu bestreiten. Gab es in diesem Winter eigentlich einen Tag ohne Muskelkater?

Muskelkater war überhaupt kein Problem. Ich war durch das Sommertraining sehr gut vorbereitet, und wir hatten in diesem Jahr einen tiefen Kader. Wer die DEL 2 anstrebt, der muss im Grunde mit einem tief besetzten Kader in die Oberliga-Saison gehen. Das hat man gerade im Finale gesehen. Hannover spielte mit drei Blöcken, und je länger die Serie ging, desto mehr hat sich der Kräfteverschleiß beim Gegner bemerkbar gemacht.

Was ist das Geheimnis Ihrer Fitness?

Vielleicht habe ich gute Gene geerbt. Ich wiege heute noch 84 Kilogramm, genau wie vor 20 Jahren. Das spielt sicher eine Rolle. Außerdem hatte ich nie eine größere Verletzung an den Beinen, die Knie sind in Ordnung.

Sie sind 2014 mit Frankfurt aufgestiegen. Das war aufgrund des Kaders abzusehen. Jetzt, mit Selb, kam der Aufstieg überraschend.

Ja, mit Frankfurt war’s ein bisschen komisch; allein schon, da keine Playoffs, sondern eine Aufstiegsrunde gespielt wurde. Wir waren aufgestiegen und hatten - so erinnere ich mich - noch zwei Spiele zu bestreiten. Das war auch ein gutes Gefühl, jetzt ist das aber noch einmal etwas anders. In der Vergangenheit gab es Aufsteiger, die das Finale gegen Tilburg (nicht aufstiegsberechtigt; Anm. d. Red.) verloren hatten. Wir sind nun als Meister durch die Vordertür in die DEL 2 gegangen

Sie zählen statistisch noch immer zu den auffälligsten Spielern. Sind Sie noch immer so stark, oder ist die Liga so schlecht?

Die Oberliga entwickelt sich zunehmend. Die jungen Spieler, die Trainer, das Spiel selbst, die Taktik - alles ist besser und schneller geworden. Ich habe in zwei der letzten drei Spielzeiten den Top-Scorer auf meiner Außenseite. Das spielt sicher eine Rolle. Die Technik ist noch da, die Beine sind vielleicht nicht mehr so schnell.

Ist mit dem Titel der Punkt gekommen, aufzuhören, oder wird man sie in der kommenden Saison noch einmal als Gast in Bad Nauheim sehen?

Ich will noch ein Jahr dranhängen; aber in einer anderen Rolle. Ich muss nicht der Scorer sein, ich will junge Spieler führen, Bullys gewinnen, meine Defensivaufgaben erfüllen. Voraussichtlich wird dies dann mein letztes Jahr. Da will ich jeden Tag genießen.

Einige Ihrer Mitspieler könnten Ihre Söhne sein.

Ja, das stimmt. Aber ich denke, wenn man die Jungs fragt, wird das niemand so sehen. Ich bin jung geblieben, mache meine Witze in der Kabine und will einfach nur Spaß haben.

Wann haben Sie gespürt, dass in dieser Saison der Titelgewinn möglich ist? Favoriten waren schließlich andere.

Der Kader ist mit vielen erfahrenen Spielern verstärkt worden. Und wir wussten: Wenn die Playoffs beginnen, dann haben wir eine Chance. Über die Defensive holt man Titel. Und wir hatten die beste Defensive, das beste Unterzahlspiel und einen starken Torwart.

Ist der Standort Selb reif für die DEL 2

Ja, ich denke schon. Hier wurde lange auf dieses Ziel hingearbeitet. Wir haben hier die vielleicht besten Fans der Oberliga Süd, rund um das Stadion hat sich einiges getan. Und sportlich haben wir in der Region ein Alleinstellungsmerkmal.

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