Viele Sporthallen blieben am Wochenende leer - eine Spielabsagewelle überflutete die Handball-Clubs aus der Region. FOTO: DPA
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Viele Sporthallen blieben am Wochenende leer - eine Spielabsagewelle überflutete die Handball-Clubs aus der Region. FOTO: DPA

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Nach Absagewelle: "Das ist deprimierend"

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Eine Absagewelle überspülte die mittelhessischen Handball-Clubs. Keine Spiele in der Oberliga Männer, keine in der Landesliga Frauen, keine in der Bezirksoberliga Männer. Mit den Corona-Zahlen sind auch die Bedenken bei den Vertretern der Handball-Vereine gestiegen.

Ein Blick auf die Homepage der HSG Wettenberg zeigt, mit welchen Problemen die Verantwortlichen am Wochenende zu kämpfen hatten. Frauen 3 - Sa. 18.00 Uhr abgesagt, Männer 1 - Sa. 20.00 Uhr vom Gegner abgesagt, Männer 2 - So. 17.30 Uhr abgesagt, Frauen 2 - abgesagt, Frauen 1 - abgesagt. So ging es vielen Clubs in der Region. Wir haben bei den Offiziellen der Vereine nachgefragt, wie sie mit dieser ungewissen Situation und ihren zahlreichen Facetten umgehen. In einem sind sich alle einig: Sie rechnen damit, dass der Verband den Spielbetrieb bis zum Ende des Jahres einstellt.

Sven Tauber (Trainer HSG Wettertal Bezirksoberliga Männer): "Wir hätten am Wochenende schon gerne gegen Dutenhofen gespielt - nach so einer langen Wettkampfpause hatten wir Bock drauf. Die Dutenhofener haben aber abgesagt, was für uns verständlich war. Dann spielen wir halt später gegeneinander. Da der HHV jedem den Freibrief gegeben hat, zu entscheiden, ob er will oder nicht, ohne dass es Konsequenzen gibt, hat man am Wochenende darauf die Reaktion erhalten. Der Handballbezirk Wiesbaden/Frankfurt hat den Spielbetrieb bereits bis Ende des Jahres eingestellt. Ich gehe davon aus, dass sich der Bezirk Gießen anschließen wird. Es macht keinen Sinn. Die Mannschaften machen vor ein, zwei Wochen noch Freundschaftsspiele ohne Ende. Dann geht die Runde los, und die Vereine bekommen gesagt, wenn ihr wollt, spielt ihr, und wenn ihr nicht wollt, spielt ihr nicht. Und auf einmal spielt keiner mehr. Das hat sicherlich mit den steigenden Corona-Zahlen zu tun. Die Leute haben Angst. Wir würden gerne spielen, aber mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Und die ist aktuell nicht gegeben, deswegen wäre ein Aussetzen bis Ende des Jahres sinnvoll. Zurzeit ist es nichts Halbes und nichts Ganzes."

Martin Peschke (Trainer TV Petterweil Oberliga Männer): "Das ist deprimierend. Man arbeitet auf ein Ziel hin, hat die Mannschaft die ganze Woche über auf den Gegner vorbereitet, um dann eine Absage zu bekommen. Da mache ich dem Gegner keinen Vorwurf, sondern generell dem HHV, dass es da keine klare Regelung gibt. Deswegen sehe ich den HHV im Zugzwang, eine Entscheidung zu treffen. Das alles in die Hände der Vereine zu legen, ist mir zu einfach. Es haben schon viele Vereine signalisiert, dass sie in diesem Jahr gar nicht mehr spielen wollen. Von daher gehe ich davon aus, dass der Verband den Spielbetrieb bis zum Ende des Jahres aussetzen wird. Wie dann die Regelung sein wird, wird man sehen, ob man dann nur einmal gegen jeden spielen muss. Und auch diesbezüglich bin ich gespannt, ob das mit Corona überhaupt erreichbar ist. Die Zahlen werden eher schlechter als besser."

Birger Schnepp (1. Vorsitzender HSG Wettenberg und aktueller Hygienebeauftragter): "Wir haben eine Megavorarbeit bewältigt, wie alle anderen Vereine auch, und ein Hygienekonzept entwickelt. Wir hätten am Samstag beim Oberligaspiel 144 Zuschauer in die Halle lassen können. Was folgte, war die Absage von Bruchköbel am Donnerstag. Am Freitag erhielten wir die zweite Weisung vom Landkreis, dass nur noch 50 Zuschauer zugelassen seien. Und am Samstag kam die E-Mail vom HHV, dass jeder Verein für sich selbst verantwortlich sei, ob er spielen möchte oder nicht. Das war der Start dafür, dass uns eine Absage nach der anderen erreichte. Ich erwarte, dass nächste oder übernächste Woche der komplette Spielbetrieb abgesagt wird und dass wir vielleicht im Januar oder Februar loslegen können. Vielleicht müssen wir auch ganz andere Ideen entwickeln wie eine Kurzrunde, am Wochenende gleich mehrere Spiele. Eine normale Saison wird es meiner Meinung nach nicht geben. Wir müssen vernünftig sein, es ist einfach nicht die Zeit, um Handball zu spielen."

Sebastian Schmidt (Sportlicher Leiter HSG Großen-Buseck/Beuern): "Unsere Stimmung ist nach diesem Wochenende gedämpft. Es bleibt ungewiss, wie es weitergehen wird. Wir sind noch nicht zu einer Entscheidung gekommen. Man erhält ob vom Verband oder der Regierung keine richtigen Anhaltspunkte. Am Wochenende haben wir die Entscheidung abgenommen bekommen. In unserer ersten Männermannschaft gab es eine Person, die zwar keinen positiven Test hatte, aber an der Arbeit Kontakt mit einem positiv getesteten Kollegen hatte. Das war für uns der Startschuss, die erste Männermannschaft abzusagen. Es gibt bei uns noch keine klare Linie im Hinblick auf das Wochenende. Meine persönliche Meinung ist, die Runde bis zum Januar auszusetzen und dann schauen, ob gestartet werden kann. Und diese Meinung verbreitet sich unter den Spielern, Trainern, Betreuern und Funktionären immer mehr. Man muss sich auch Gedanken machen, was bedeutet das für einen Verein, wenn ich keine finanziellen Einnahmen habe."

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