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"Es müsste schon etwas passieren, was mich zum Aufhören zwingt"

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Hans-Günter Trott ist das Gesicht des heimischen Tennis. Der 69-Jährige erzählt über seine Arbeit und spricht über das Wettbieten in höheren Ligen sowie über Veränderungen auf und neben dem Platz, die ihm Sorgen bereiten.

Er steht wie kein Zweiter für den Tennissport in der Region. Hans-Günter Trott ist seit über 40 Jahren Spielleiter in sämtlichen Klassen bis zur Hessenliga und fördert als Tennislehrer den Nachwuchs. Zudem ist er Vorsitzender des Tennisbezirks Hochtaunus/Wetterau und Referent Team-Tennis und Landesspielleiter Erwachsene beim Hessischen Tennis-Verband. Der 69-Jährige spricht über seine Arbeit, das Wettbieten in höheren Ligen und über das Abschenken von Doppelspielen.

Hans-Günther Trott, seit über 30 Jahren sind Sie als Spielleiter aktiv. Haben Sie das Dachgeschoss schon zum privaten Archiv ausgebaut?

Hans-Günther Trott:Ich habe nur ein paar volle Ordner, aber falls ich noch mal umziehen sollte, habe ich die schnell entsorgt. Ich versuche mich schnell von Sachen zu trennen, die keinen Einfluss mehr haben.

Macht Ihnen die Verbandsarbeit noch Spaß?

Trott:Ich mache sie, weil sie Spaß macht.

Wie viel Zeit wenden Sie am Tag für das Ehrenamt auf?

Trott:Eine Stunde würde ich sagen, also 365 Stunden im Jahr. Als die elektronische Datenverarbeitung kam, sollte es Ehrenamtlern Zeit sparen. Aber das tut sie nicht. Es hat zwar Sachen vereinfacht, aber insgesamt ist es dadurch nur komplexer geworden.

Sie sind verantwortlich für unzählige Ligen auf Landes- und Bezirksebene. Was ist dabei besonders aufwendig?

Trott:Die Staffeleinteilungen sind am aufwendigsten. Da geht es um die Weihnachtszeit darum, die Wünsche der Mannschaften umzusetzen, soweit sie umsetzbar sind. Auf- und Absteiger, Klassen- oder Gruppenwechsel, dazu Änderungen von 6er- auf 4er-Mannschaften und umgekehrt. Das ist eine riesige Herausforderung, die ich mit einem Sachbearbeiter der Geschäftsstelle zusammen jedes Jahr angehe.

Schwer vorstellbar, dass alle Weihnachtswünsche realisierbar sind.

Trott:Wir haben eine Rücklaufzeit, in der noch Korrekturen möglich sind. Bis Mitte Februar steht dann meistens alles und alle sind mehr oder weniger zufrieden.

In allen Sportarten wird über den Rückgang an Mannschaften geklagt. Wie erleben Sie das?

Trott:Der Schwund an Mannschaften kommt hauptsächlich aus dem Aktivenbereich. Dass von der Kreisliga B an in mehreren Gruppen alles besetzt war, so wie ich es aus dem Anfang meiner Tätigkeit kenne, gibt es schon lange nicht mehr. Auf Kreisebene haben wir, außer bei den Herren, keine 6er-Mannschaften mehr. In manchen Altersklasse können einzelne Kreise gar keine Ligen mehr bestücken.

Für Spieler interessant wird es ohnehin erst auf der Landesbene.

Trott:Auf Landesebene wird viel härter gearbeitet, natürlich auch, weil dort Geld gezahlt wird. Obwohl in der Wettspielordnung steht, dass alle hessischen Ligen Amateurligen sind.

Dabei wird ja auch schon im Jugendbereich gut investiert. In der Hessenliga werden Spieler aus dem Ausland eingeflogen.

Trott.Klar, die Vereine wollen mit ihrer Jugend natürlich Hessenmeister werden, weil das auch eine Sogwirkung hat. Wenn ich mir einzelne Meldelisten im Frankfurter Jugendbereich ansehe, kommen mir viele Namen aus unseren Bezirken bekannt vor. Nicht, weil es ihnen hier nicht gut ging, aber im Frankfurter Raum bekommen sie dann noch etwas mehr geboten.

Es ist ein schmaler Grat. Einerseits bleiben heimische Talente auf der Strecke, wenn eingeflogene Spieler für Titel sorgen sollen, andererseits steigert es die Qualität auf dem Platz. Auf welcher Seite stehen Sie?

Trott:Es ist durchaus schwierig. Gerade im Aktivenbereich ist es den Zuschauern und Mitgliedern aber manchmal auch schwer zu erklären, wer jetzt heimisch ist und wer zugekauft wurde. Da fehlt die Identifikation.

Umso bemerkenswerter, dass Sportwelt Rosbach mit fast ausschließlich heimischen Spielern die Hessenliga - wenn auch über Umwege - gehalten hat.

Trott:Das stimmt, das kommt aber auch dadurch, dass in der Mannschaft mit den Stetzer-Brüdern Kai und Jan sowie Ben Griedelbach Turnierspieler ihren Bekanntenkreis aus der Jugend nutzen. Da werden sicher nicht so viele Mittel aufgewendet, dafür spielt man natürlich nur im unteren Drittel der Hessenliga mit.

Der Klassenerhalt von Rosbach hat hohe Wellen geschlagen, da er an eine vermeintliche Spielmanipulation vom TC Bad Homburg in der Regionalliga geknüpft war. Es ging um angeblich absichtlich abgesagte Doppel, die Bad Homburger einen Sieg und den Klassenerhalt ermöglicht haben.

Trott:Das hat mich dazu gebracht, demnächst einen Antrag einzubringen, die Zählweise zu ändern. Wir kriegen es nicht hin, die Doppel zu erzwingen. Aber wir wollen es dahin lenken, dass mit Erreichen des fünften Teampunktes das Match beendet ist. Was in den höheren Herren-Ligen an Doppeln, nicht selten auch beim Stand von 4:2 nach den Einzeln, nicht gespielt wird, ist enorm. Das kann schon mal für einen Auf- oder Abstieg entscheidend sein. Bei den Damen werden die Doppel kurioserweise immer gespielt. Egal, wie es steht.

Wie erklären Sie sich das?

Trott:Das ist eine Frage der Mentalität. Bei den Männern ist der Wettkampf vorbei, sobald er entschieden ist. Die Frauen haben den Spaß daran und sehen es als gutes Training.

Ist das Abschenken von Matches der Trend der letzten Jahre, der Ihnen am meisten missfällt?

Trott:Das ist eher die Situation auf dem Platz. Im Bezirk Wiesbaden gab es vor wenigen Wochen bei einem Herren 50-Spiel Handgreiflichkeiten. Die Fairness und das Akzeptieren von Entscheidungen hat abgenommen, genauso wie die Aggressivität bei Jugendspielen zugenommen hat, wenn Eltern dabei sind und von Außen einwirken. Auch bei Turnieren, gerade in den Endphasen, ist das Benehmen teilweise sehr fragwürdig. Das hört man flächendeckend immer häufiger.

Warum ist es nicht mehr möglich, dass spielfreie Spieler sich auf den Schiristuhl setzen?

Trott:So kenne ich es auch noch. Als Jugendlicher habe ich 15 Mark Schiedsrichterkaution bei Turnieren bezahlt. War ich ausgeschieden, bin ich Schiedsrichter geworden. Laut der Wettspielordnung bei einem Medenspiel muss aber ein Schiedsrichter ausgebildet sein. Alle anderen dürften maximal zählen. Deswegen gibt es auch keine Schiedsrichterstühle mehr.

Die größte Erfolgsgeschichte in diesem Tennis-Jahr haben die Damen des TC Bad Vilbel mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft geschrieben. Welchen Einfluss hat das Ihrer Meinung nach auf das heimische Tennis?

Trott:Auf meine Nachwuchsspieler hat das insgesamt keinen großen Effekt. Wenn ich frage, wer deutscher Meister bei den Frauen ist, wüsste ich nicht, ob mir der Großteil das sagen könnte. Andererseits wären sie sicher total begeistert, wenn wir einen Ausflug zu einem Heimspiel machen würden.

In den Ferien veranstalten Sie Tennis-Camps. Auch, um die Kinder vom Tennis zu begeistern?

Trott:Eigentlich mache ich die Camps nicht mehr so gerne, da sie immer mehr den Charakter annehmen, Kinder für eine Woche aus dem Haus zu bekommen. Da steht dann der Spaß im Vordergrund. Da mache ich es lieber auf zwölf Teilnehmer limitiert, dafür eher leistungsorientiert. Mancherorts hat so ein Camp aber auch einen simplen wirtschaftlichen Faktor.

Wie meinen Sie das?

Trott:In der Ferienzeit findet kein Vereinstraining statt, also muss sich ein selbstständiger Tennislehrer überlegen, was er macht, damit er ein Einkommen generiert. Dass die meistens Camps in der ersten und letzten Ferienwoche stattfinden, ist kein Zufall.

Ist es allgemein ein Problem, dass Eltern ihre Kinder zum Tennis schicken, ohne dass diese es unbedingt wollen?

Trott:Ich denke, es gibt heute nur noch wenige Kinder, die Tennis spielen müssen, weil es die Eltern wünschen. Bei mir im Training gibt es hauptsächlich Kinder, die Tennis spielen wollen.

Zu Beginn haben Sie über die Wünsche der Vereine gesprochen. Welchen Wunsch haben Sie in Bezug auf die Verbandsarbeit?

Trott:Ich wünsche mir, Veränderungen schneller Rechnung zu tragen und auch mal über den Tellerrand hinaus in andere Landesverbände zu schauen. Das fällt Verbandsgremien oft sehr schwer und wirkt sehr träge. Zum Beispiel die Leistungsklassen-Ordnung. Manche spielen sich über das Jahr gesehen vor, aber erst im Oktober wird die Leistungsklasse aktualisiert. Würde es fortlaufend aktualisiert, wäre das auch den Spielern gegenüber fairer. Da ist noch Luft nach oben.

Sie werden nächstes Jahr 70. Wie lange wollen Sie dieses Pensum noch weiterfahren?

Trott:Ich stehe gerne jeden Tag im Trainingsbetrieb auf dem Platz, weil ich jeden Nachmittag mit Kindern und Jugendlichen zu tun habe. Solange die nicht sagen: ›Opa, bleib zu Hause‹, mache ich das gerne.

Und die ehrenamtliche Arbeit als Spielleiter?

Trott:Es müsste schon etwas passieren, was mich zum Aufhören zwingt. Ich bin noch motiviert und engagiert. (Foto: Nici Merz)

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