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Mit Vorträgen bereitet DFB-Lehrwart Lutz Wagner Fußball-Schiedsrichter auf den Neustart vor.

»Müssen vorbereitet sein«

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(pl). »So eine freundliche Begrüßung bin ich nicht gewohnt, als Schiedsrichter bin ich nie so freundlich begrüßt worden«, startet Lutz Wagner (58) seinen Vortrag »Restart 2021 - wir sind bereit«, den er dieser Tage im Fußballkreis Offenbach hielt, mit Tipps und Anregungen für alle Schiedsrichter - auch für die heimischen.

Authentisch, empathisch und sympathisch - so wie man ihn kennt - hält der DFB-Lehrwart aus Hofheim (leitete in knapp 18 Jahren über 500 Profispiele) seinen Vortrag - vor der Kamera ebenso wie normalerweise vor Livepublikum.

Offenbachs Kreisfußballwart Jörg Wagner meint bei seiner Begrüßung: »Wir wollen ein Signal setzen, dass der Fußball weiterhin da ist und lebt. Der Amateurfußball ruht, aber er schläft nicht. Und was auch die Pandemie nicht ändern wird: Die Wahrheit liegt immer noch auf dem Platz.« Und eben auf die Rückkehr auf diesen will Lutz Wagner die Schiedsrichter und alle Zuschauer an diesem Abend vorbereiten.

Sollte es wirklich am 18. April wieder mit dem Fußball losgehen - die aktuellen Beschlüsse der Bundesregierung aufgrund der steigenden Inzidenzzahlen lassen das wohl aber nicht zu - »wären wir fast 170 Tage im Lockdown gewesen«, sagt Lutz Wagner, »wir brauchen die Praxis, das nötige Feeling, den Rhythmus, Automatismen und Sicherheit«. Und - da stimmt er mit Jörg Wagner überein - die gibt es nur auf dem Platz. »Wir müssen vorbereitet sein«, erklärt der Hofheimer. Doch nach der langen Pause funktionieren viele Selbstverständlichkeiten nicht mehr automatisch.

Das gilt für Schiedsrichter und Spieler gleichermaßen. »Lauft einfach mal wieder in Fußballschuhen, die meisten von euch werden nur in Turnschuhen gejoggt sein«, empfiehlt Lutz Wagner den Schiedsrichterkollegen vor dem ersten Einsatz, »und geht raus auf den Platz und lauft schiedsrichterspezifisch, etwa rückwärts von Strafraum zu Strafraum«.

Anhand vieler kleiner Videos unterstreicht Wagner - nie um einen flotten Spruch verlegen - seine Aussagen. »Jemand der vorbereitet ist, reagiert anders und besser, als jemand, der das nicht ist. Vorbereitung ist die Grundlage, um erfolgreich zu sein«, verdeutlicht er immer wieder. Wagner spricht von Komplexität und Veränderungen (Regeln, Taktik, Verhalten der Spieler). »In Deutschland gibt es pro Wochenende 70 000 Fußballspiele, aber nur 18 sind mit Videoassisstent. Wir haben es in Hessen versucht, aber den VAR wird es bis hinunter in die Kreisliga B nicht geben.«

Daher legt Wagner den Schiedsrichtern nahe, ein paar - nämlich genau zehn - Werkzeuge wieder in die Hand zu nehmen und zu ölen, damit sie, wenn wieder gespielt wird, auch gut vorbereitet sind: Der Schiedsrichter muss mit Blick auf den Fußball (»Was passierte gestern in der Bundesliga?«) auf dem aktuellen Stand sein, Kompetenz (»fachliche Sicherheit, 100-prozentige Regelsicherheit«), emotionale Stärke (»Wie gehe ich mit Kritik um?«), ungeteilte Aufmerksamkeit zeigen, präventiv agieren, Automatisieren (»Freiräume für Unerwartetes schaffen«) und Mut (»Konsequenz ohne zu überziehen«) zeigen, authentisch, empathisch und sympathisch sein, motiviert sein und Freude an der Tätigkeit zeigen. »Denn nur was du gerne machst, machst du gut«, sagt Wagner, »die Liebe zum Fußball muss herauskommen, gerade nach der langen Pause«.

Auch Wagner findet, dass »früher vieles besser war«. Doch früher, das ist für ihn die Zeit vor Corona, als man mit dem Gegenspieler noch Nasenspitze an Nasenspitze diskutieren konnte oder das Schiedsrichtergespann an einem Spieltag gemeinsam über zwölf Stunden unterwegs war. »Und da wollen wir wieder hinkommen. Und dafür müssen wir vorbereitet sein.«

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