Der Münzenberger Carsten Schäfer hat die Männermannschaft der HSG Hungen/Lich in seinen zwei Amtszeiten von der B-Klasse bis in die Landesliga geführt.
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Der Münzenberger Carsten Schäfer hat die Männermannschaft der HSG Hungen/Lich in seinen zwei Amtszeiten von der B-Klasse bis in die Landesliga geführt.

Aus der B-Klasse in die Landesliga

Wie ein Münzenberger Handballtrainer einen Verein nach oben führt

  • vonPeter Hett
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In einem Ort voller Handballkultur groß geworden, durch eine Verletzung als Spieler ausgebremst, startet der Münzenberger Carsten Schäfer als Trainer so richtig durch - mit der HSG Hungen/Lich.

Am 17. Oktober fällt der Startschuss in der Handball-Landesliga Mitte der Männer, wenn die HSG Hungen/LIch bei der HSG Goldstein/Schwanheim gastiert. Eigentlich ein normales Handballspiel - und doch hat es einen eigenen Aspekt mit dem Menschen, der auf der Bank des Überraschungsaufsteigers aus Mittelhessen das Sagen hat: Carsten Schäfer.

Carsten Schäfer und die HSG Hungen/Lich: Vom "Tretboot" zum "Flagschiff"

Der 45-jährige Münzenberger hat in insgesamt acht Jahren seiner Trainertätigkeit bei der HSG die im Kreis Gießen beheimatete Spielgemeinschaft von der B-Klasse bis in die Landesliga geführt und so ganz nebenbei mit aufsehenerregenden Events dem Handballsport an der Basis gezeigt, was machbar ist: Im Januar 2017 wurde unter dem Motto "Heimspiele in Abendrot" eine Halle in rot getaucht und 650 Zuschauer angelockt. Im Oktober hieß es dann "Handball im 7. Himmel" und in einer blau illuminierten Halle befanden sich 900 Zuschauer bei einem Bezirksoberliga-Spiel.

Wie kam es dazu? Wie es in seinem Heimatort Münzenberg kaum anders sein kann, kam Schäfer als Kind wie selbstverständlich zum Handball und hat dort bereits als Jugendlicher mit seinem Trainer Bernd Walter sportliche Erfolge gefeiert. Mit dem Eintritt in den Aktivenbereich verließ er seinen Heimatverein. "Wir hatten seinerzeit eine superstarke erste Mannschaft in der Landesliga. Dort wollte ich mich nicht dem Kampf um einen Stammplatz stellen, sondern es war mir wichtig zu spielen. Aufgrund meiner Spielstärke gab es viele externe Angebote", erklärt Schäfer in der Retrospektive diesen Schritt.

Über die Stationen HSG Kirch-/Pohl-Göns und TSV Butzbach landete er zur Jahrtausendwende beim TSV Södel, der bis zum Ende seiner Laufbahn als aktiver Handballer zur neuen sportlichen Heimat wurde. Aufgrund einer bereits in jungen Jahren erlittenen Knieverletzung musste er beim TSV bereits im Alter von 30 Jahren seine aktive Laufbahn beenden, blieb dem Handballsport aber als Trainer weiterhin treu. Er begann zunächst im Jugendbereich der HSG Mörlen, um dort ein Jahr später die Damenmannschaft zu übernehmen - eine in vielerlei Hinsicht wichtige und weitreichende Entscheidung, nicht zuletzt auch, weil er dort seine Frau Mandy, mit der er mittlerweile einen Sohn hat, kennengelernt hat.

"Die Entscheidung auf diesem Weg ins Trainermetier einzusteigen wurde durch Bernd Walter beeinflusst, der mir zu diesem Schritt geraten hat", erklärt Schäfer. Neben Walter profitierte er stark von Detlef Ernst, den er als seinen Mentor bezeichnet und von dem er nach eigenen Angaben besonders viel gelernt hat: "Detlef kommt meiner Idealvorstellung als Trainer sehr nahe. Fachlich top, erfolgreich, bei den Spielern extrem beliebt und menschlich beispielhaft", lobt Schäfer. Er habe aber auch schnell erkannt, dass das Kopieren nicht funktioniert. "Ich versuche authentisch zu sein. Meine Spieler müssen hart arbeiten. Der Spaß kommt durch Erfolg und der ist nur so zu erreichen", lautet seine Philosophie.

Von Mörlen wechselte er 2010 nach Hungen/Lich, wo er in einer ersten dreijährigen Amtszeit mit den Herren den Aufstieg von der B-, in die A-Klasse erreichte. Es folgte ein zweijähriger Abstecher zur SG Rechtenbach, ehe er 2015 zur HSG Hungen/Lich zurückkehrte. Dort gelang es im sofort als A-Klassen-Meister in die Bezirksoberliga aufzusteigen. Mit der Rückendeckung des Klubs versehen, fungiert Schäfer seitdem quasi als Trainer und auch Sportchef und konnte so nach seiner eigenen Philosophie eine spielstarke Mannschaft zusammenstellen. Mit seiner Strahlkraft und einem exzellenten Netzwerk, war es ihm möglich Spieler zur HSG zu lotsen, die normalerweise nicht gekommen wären. Als Ergebnis eines langjährigen, Projekts wurde im Frühjahr, in der nach 20. Spieltagen abgebrochenen Saison, der Aufstieg in die Landesliga erreicht. Schäfer hat also eine Mannschaft, die Jahre zuvor als "Tretboot" in der B-Klasse gestartet war, zu einem "Flaggschiff" einer HSG gemacht, hinter der zwei Stammvereine mit insgesamt über 3000 Mitgliedern stehen.

Dieser Erfolg war für Schäfer in den vergangenen Jahren allerdings auch mit einem wöchentlichen Zeitaufwand von jeweils 20 Stunden verbunden. Dazu kommt, dass Spiele bei ihm immer bis zum Abpfiff des nächsten nachwirken. "Definitiv möchte ich, wenn ich 50 bin zumindest für ein Jahr eine Pause machen. Ich möchte wissen, wie ein Leben ohne den üblichen Rhythmus Dienstag-Donnerstag-Samstag oder Sonntag aussieht und es bewerten", sagt er. Doch bis dahin sind ja noch fünf Jahre Zeit - und wer weiß, was in dieser Spanne noch alles passiert.

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