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Von der HSG Mörlen bis in die Bundesliga: Konstantin Poltrum erfüllt sich Jugendtraum

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Am Aufstieg des HSC Coburg in die Handball-Bundesliga haben vier Mittelhessen entscheidend mitgewirkt. Einer von ihnen ist Torwart Konstantin Poltrum. Der Wetterauer Bub hat bei der HSG Mörlen mit dem Handball begonnen, nun spielt er künftig in der stärksten Liga der Welt. Im Interview spricht er über die digitale Meisterfeier und die kommenden Highlights.

Der Traum von Konstantin Poltrum wird wahr. Nachdem sich die Mehrheit der 36 Vereine der 1. und 2. Handball-Bundesliga für einen Abbruch der Saison ausgesprochen hatte, entschied das Präsidium des Deutschen Handball-Bunds die Spielzeit nach der sogenannten Quotienten-Regelung, zu werten. Somit steht fest, dass der HSC Coburg zum zweiten Mal nach 2016 in die Beletage des Deutschen Handballs aufsteigt. Poltrum, ein waschechter Wetterauer Bub, der das Handball-Abc bei der HSG Mörlen erlernte, leistete mit drei weiteren Mittelhessen einen wesentlichen Beitrag am verdienten Aufstieg.

In erster Linie ist hier Trainer Jan Gorr zu nennen. Der gebürtige Gießener war, bevor er 2013 nach Oberfranken wechselte, sowohl bei der HSG Wetzlar als auch dem TV Hüttenberg erfolgreich tätig. Seine Visitenkarte umfasst mittlerweile einen deutschen Meistertitel (2002 mit der B-Jugend der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen), drei Bundesligaaufstiege (2011 mit dem TV Hüttenberg, sowie 2016 und 2020 mit dem HSC Coburg), sowie unter Martin Heuberger die Tätigkeit als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft.

Mörlen, Hüttenberg, Konstanz, Coburg

Im Tor baute Gorr auf Konstantin Poltrum. Der 26-jährige Torwart spielte nach seinem Weggang von der HSG Mörlen von 2009 bis 2015 für den TV Hüttenberg, danach drei Jahre für die HSG Konstanz, ehe er 2018 nach Coburg wechselte. Mit dem TVH war er deutscher B-Jugend-Vizemeister und südwestdeutscher A-Jugend-Meister. 2012 folgten die ersten Berufungen in DHB-Auswahlmannschaften. 27 Spiele in der Jugendnationalmannschaft und zehn Spiele in der Juniorennationalmannschaft hat er insgesamt bestritten. Dabei gewann er bei der U19-Weltmeisterschaft 2013 die Bronzemedaille. Viele seiner damaligen Mannschaftskollegen, wie Christopher Rudeck (Bergischer HC), Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar-Löwen), Paul Drux (Füchse Berlin), Yves Kunkel (MT Melsungen) und Tim Suton (TBV Lemgo), trifft er nun als Gegner wieder.

Neben Poltrum stiegen außerdem der gebürtige Heuchelheimer Florian Billek, der mit 177 Toren nach 24 Spielen Torschützenkönig der 2. Bundesliga wurde, und Sebastian "Sebbel" Weber, der als 33-Jähriger seine Laufbahn nun beendet hat, mit Coburg auf. Weber wurde mit der B-Jugend der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen deutscher Meister. Nach einem kurzen Intermezzo beim TV Petterweil schaffte er 2005 den Sprung in den Erstligakader der HSG Wetzlar. 2010 wechselte er nach Hüttenberg und stieg mit dem TVH in die 1. Bundesliga auf. Von 2013 bis 2016 wechselte der ehemalige Jugendnationalspieler zurück nach Wetzlar, bevor es ihn nach Coburg spülte.

Poltrum zog erst als C-Jugendlicher den Handball dem Fußball vor. Wer ihn kennt, beschreibt ihn als offenen, humorvollen und stets authentischen Menschen, der genau einzuschätzen weiß, dass es im Leben mehr als nur Handball gibt. Sein in Konstanz begonnenens Bachelor-Studium hat er abgeschlossen und hofft nun, dass es der zeitliche Aufwand in der 1. Bundesliga zulässt, um das nächste Ziel, den Master, zu erreichen. Im Interview spricht der Wetterauer über die digitale Aufstiegsfeier und die Spiele, auf die er sich nun besonders freut.

Wie und wann habt ihr von eurem Aufstieg erfahren?

Wir hatten bisher während der gesamten Corona-Zeit eine sehr gute Kommunikation mit unserem Trainer, der uns immer unmittelbar nach wichtigen Sitzungen der HBL direkt zu einer Telefonkonferenz eingeladen hat. Dadurch waren wir direkt auf dem neuesten Stand. So war es dann auch am Dienstag. Um 11 Uhr war die Telefonkonferenz mit der HBL und um 12 Uhr hatten wir unsere mannschaftsinterne Konferenz mit unserem Trainer, der uns mitgeteilt hat, dass wir aufsteigen werden!

Da ist sicher ein Traum in Erfüllung gegangen.

Irgendwie träumt man ja doch als Jugendspieler davon irgendwann mal in der Bundesliga zu spielen. Ich freue mich sehr auf die kommende Saison. Nachdem wir vor einem Jahr den Aufstieg knapp verpasst hatten, bin ich sehr dankbar für diese Chance, mich mit den besten Spielern in Deutschland zu messen.

Meisterschaften gebührend zu feiern, unterliegt in der Regel einem besonderen Procedere. Wie lief denn die virtuelle Feier in Coburg ab?

Während unserer Telefonkonferenz haben wir schon das ein oder andere Kaltgetränk zu uns genommen. Die mittägliche Telefonkonferenz wurde aber nach einer Stunde wieder beendet und wir haben die virtuelle gemeinsame Feier dann auf abends verschoben. Währenddessen hatte jeder die Chance seinem individuellen Feier- und Freudenerlebnis nachzukommen und die Zeit mit seiner Familie zu genießen. Man muss aber auch sagen, dass sich ein Aufstieg am grünen Tisch und zu Hause vor dem Laptop anders anfühlt als seine Euphorie gemeinsam herauslassen zu können. Ich hoffe, wir können das bald nachholen.

Wie geht es für Sie in den nächsten Wochen weiter?

Wie überall herrscht natürlich auch bei uns Ungewissheit, wie und wann wir unser Mannschaftstraining und unseren Alltag wieder aufnehmen können. Da wir uns aktuell in Kurzarbeit befinden, halten wir uns weiterhin fit und warten auf weitere Anweisungen.

Die großen Arenen in Kiel, Magdeburg, Berlin und Flensburg oder das Spiel vor der Haustür in Wetzlar - worauf freuen Sie sich mehr?

Natürlich freue ich mich riesig in Kiel vor 10 000 Menschen einzulaufen oder in Flensburg oder Magdeburg zu spielen. Genauso verbinde ich natürlich auch sehr viel mit Mittelhessen. Für mich ist es etwas Besonderes in der Rittal-Arena in Wetzlar spielen zu dürfen. Ich versuche den Moment so zu nehmen und zu genießen wie er kommt, dementsprechend hat jedes Erlebnis seinen Reiz. FOTO: IMAGO

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