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Sie ist bereits mit Titeln dekoriert. Am Freitag könnten für Sarah Bormann aus Nidderau weitere hinzukommen.

Mit Schwitzanzug nach Belgrad

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1300 Gramm machen den Unterschied zwischen den beiden Gewichtsklassen von Sarah Bormann. Im Minimumgewicht will die Nidderauerin auch gleich zwei WM-Gürtel holen. Damit am Freitag die Zahl auf der Waage stimmt, nimmt die 31-Jährige ein besonderes Hilfsmittel mit nach Serbien.

Es sind aufregende Tage für Sarah Bormann. Am Mittwoch flog sie mit ihrem Trainer Ben Romero von Frankfurt über Wien nach Belgrad. Dort steigt die Box-Weltmeisterin aus Nidderau-Ostheim am Freitag (circa 20 Uhr, live bei Bild plus) erstmals seit eineinhalb Jahren wieder in den Ring. Bis dahin heißt es: trainieren, testen und vor allem schwitzen!

Die Halbfliegengewichts-Weltmeisterin (bis 48,9 Kilogramm) der Boxverbände GBU (Global Boxing Union), WIBF (Women’s International Boxing Federation) und WBF (World Boxing Federation) boxt erstmals im Minimumgewicht (bis 47,6 Kilogramm). Gegen die Spanierin Catalina Diaz geht es um die WBC-Interims-Weltmeisterschaft sowie die vakanten WIBF- und GBU-Titel.

Die 1,63 Meter große Bormann hat in den vergangenen Tagen schon auf ihr Gewicht geachtet, muss bis Freitag aber auch noch einige Gramm verlieren. Viel gehe dabei über die Ernährung, erzählt sie. Mit im Gepäck für den Belgrad-Trip hat Bormann einen Schwitzanzug. »Das ist eine Art Saunaanzug, die Haut kriegt keine Luft und man schwitzt schneller«, erklärt die 31-Jährige. Den wird sie an den beiden Tagen vor dem Kampf des Öfteren anziehen, darin laufen und sich viel bewegen.

Zuletzt verteidigte Bormann ihre WM-Gürtel im Dezember 2019 gegen die Finnin Lotta Loikkanen. Für die amtierende Weltmeisterin im Halbfliegengewicht war es der zwölfte Sieg im zwölften Profikampf. Vor genau einem Jahr sollte sie eigentlich auf IBF-Championesse Evelyn Nazarena aus Argentinien treffen. Corona-bedingt fiel der Vereinigungskampf ins Wasser und Bormann musste ihr Trainingspensum erheblich zurückschrauben.

200 Zuschauer beim Kampf erlaubt

Längst hat sie es aber wieder hochgefahren. Schon im April wurde sie von ihrem Arbeitgeber freigestellt, um sich komplett auf den WM-Fight vorbereiten zu können. Morgens dreht Bormann eine gute Dreiviertelstunde ihre Runde in Nidderau, tagsüber und abends stehen zwei weitere rund zweistündige Einheiten mit Trainer Romero in der Main-Kinzig-Halle auf dem Programm.

Im Februar wechselte die langjährige Boxerin der Turngemeinde Hanau zu Petko’s Boxing. Der Münchener Boxstall veranstaltet am Freitag die Petko’s Boxing Night. »Eigentlich war mein Kampf in München geplant, das ging wegen Corona nicht. Dann war Spanien im Gespräch, jetzt ist es Serbien«, erzählt Bormann, die sich sehr auf ihre Rückkehr in den Ring freut. Bis zu 200 Zuschauer seien im Hotel Hyatt Regency erlaubt. Ihr neuer Boxstall gebe ihr eine ganz andere Plattform, kümmere sich komplett um die Organisation. »Da habe ich jemanden, der mir die Kämpfe holt, die Gegner bezahlt, sich um Hotels kümmert.«

Ganz genau wird sich die Augsburgerin Tina Rupprecht den Kampf am Freitag an- sehen. Die amtierende Weltmeisterin des Verbandes WBC (World Boxing Council) besiegte in ihrem bis dato letzten Kampf im Dezember 2019 Diaz knapp nach Punkten. »Dieses Mal wird es anders laufen, Sarah soll sich warm anziehen«, hatte die Spanierin vor wenigen Tagen schon mal eine Ansage in Richtung Nidderau geschickt. Davon will sich Bormann aber nicht beeindrucken lassen. Ihr Ziel ist klar: Diaz schlagen und dann Rupprecht herausfordern, um ihr den WBC-Gürtel streitig zu machen (siehe Info-Box).

Doch erst einmal liegt der Fokus auf Belgrad. Die 41-jährige Andalusierin ist 1,50 groß. Bormann hat in den vergangenen Wochen ausgiebig Videostudium betrieben und stellt sich auf eine »sehr harte Boxerin« ein. »Ich habe ihre Stärken und Schwächen gesehen. Im Sparring habe ich viel geübt, und das will ich durchziehen. Ich habe meinen Plan, den ich jetzt aber natürlich noch nicht verraten will«, gibt sich Bormann geheimnisvoll.

Mittwochmittag landete die Ostheimerin in der serbischen Hauptstadt. »Dort war ich noch nie. Da aber das Wiegen, die Ärzte und der Kampf im Hotel sein werden, sehe ich wegen Corona von der Stadt leider nichts.« Auch für den Corona-Test am Kampftag muss sie das Hyatt nicht verlassen.

Sollte Bormann am Samstag mit zwei weiteren WM-Gürteln im Gepäck und der Aussicht auf den Kampf um den WBC-Titel gegen Rupprecht die Heimreise antreten, dürfte die 31-Jährige das fehlende Sightseeing verschmerzen können.

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