Millionen-Deal mit Hoffnungen und Bedenken

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(joko). Die Offenbacher Kickers stehen wieder einmal vor einem Neuanfang, der mit großen Hoffungen und einigen Bedenken verbunden ist. Für 2,2 Millionen Euro haben zwei Investorengruppen 28 Prozent der Anteile an der Profi GmbH übernommen. Bei den 360 anwesenden Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung gab es kaum Kritik an den Plänen des Präsidiums.

Der Vertrauensvorschuss, den sich Präsident Joachim Wagner in den sieben Monaten der offiziellen Amtszeit erworben hatte, ist trotz fehlender sportlicher Erfolge riesengroß. Den Mitgliedern war auch klar: Wollen die Kickers in Zukunft um den Aufstieg in die 3. Liga mitspielen, gibt es zum Einstieg von Investoren keine Alternative. Alle Topteams der Regionalliga Südwest sind von Mäzenen abhängig und haben ihre Spitzenplatzierungen nur dank der Gaben in Millionenhöhe von Privatpersonen geschafft.

An der Intention der "Kickers-Freunde", allesamt OFC-Anhänger, die den Verein seit vielen Jahren unterstützen, gab es von vornherein keine Zweifel. Bei der Vorstellung des zweiten Investors, der "Bündnis Kickers GmbH" (insgesamt fünf Gesellschafter), versuchte Präsident Wagner die Bedenken auszuräumen. "Das sind dem OFC wohlgesonnene Leute. Das ist kein russischer Oligarch und keine Heuschrecke." Offiziell ist Lennart Stobbe als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen. Aber hinter der "Stobbe Beteiligungs GmbH", steht sein Vater Jan Stobbe (54), Unternehmer und Aufsichtsratschef beim Bundesligisten 1. FC Köln. "Wir wollen keinen haben, der mit dem OFC schnelles Geld machen will, aber keine Geduld hat", berichtete Wagner über die Verhandlungen mit Stobbe, der schon vor mehr als einem Jahr erstmals in Kontakt zum OFC stand. Geld verdienen können die beiden Investorengruppen erst, wenn die Kickers in der 2. Liga spielen. Denn dann stehen ihnen je fünf Prozent der "audio-visuellen Rechte" zu.

Von den 2,2 Millionen fließen zunächst 630 000 Euro an Dr. Frank Ruhl für dessen GmbH-Anteile und Darlehen. Für den Ex-Präsidenten gab es am Montagabend in der Offenbacher Stadthalle nach den lobenden Worten von Wagner ("Ich kann nur positiv über die gemeinsame Zeit mit ihm im Aufsichtsrat reden. Er hat sich dort eingebracht und uns konstruktiv unterstützt") Applaus von den Mitgliedern. Der Verwaltungsratsvorsitzende und Ex-Oberbürgermeister Horst Schneider sprach Dr. Ruhl nochmals frei von jeglicher Schuld an der Insolvenz in dessen Amtszeit im Jahr 2013. Er habe anschließend Forderungen an den OFC zum halben Preis gekauft und dann nochmals zum halben Preis an den OFC verkauft. Da könne man nicht von Bereicherung reden. Er deutete zudem an, dass Dr. Ruhl die Darlehenszinsen (30 000 Euro) dem OFC-Nachwuchs spenden werde. Allerdings scheint das Verhältnis zwischen den Kickers-Freunden und Ruhl alles andere als gut zu sein, denn Ruhl wurde nicht gefragt, ob er sich finanziell weiter beim OFC engagieren wolle.

Der am Rand der Abstiegszone platzierte Regionalligist wird sicher weitere Finanzhilfen benötigen, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. Den strategischen Partnern ist bewusst, dass mit den bisherigen Einlagen die 3. Liga, geschweige denn die 2. Liga, nicht zu erreichen sind. Mit der Neubewertung der Sparda-Bank-Anteile (bisher 10,7 Prozent, in Zukunft etwa 5,5) stehen noch etwa 16 Prozent der Profi GmbH zur Verfügung (50,01 Prozent bleiben immer im Besitz des e.V. Kickers), die an die jetzigen Anteilseigner oder einen dritten Investor verkauft werden können.

Trotz der großen Ambitionen im Profibereich soll der Nachwuchs auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Die Jugendspieler hätten derzeit einen Wert von 400 000 bis 500 000 Euro, sagte Alfred Kaminski, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Sollte Offenbach seinen Status als NLZ verlieren, könnten "andere Vereine unseren Jugendbereich regelrecht plündern". Und das ohne Ablösesumme. Als Bindeglied zwischen Jugend und Profis ist die Wiedereinführung einer zweiten Mannschaft geplant. Derzeit wird geprüft, in welcher Liga diese U21 eingegliedert werden könnte.

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