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Mikayil Kabaca - Vom Rasen an den Schreibtisch gewechselt

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Mikayil Kabaca hat das Handy immer im Blick. Kurznachrichten, Anrufe, Emails – der 35-Jährige ist in diesen Tagen immer erreichbar. Die Wochen der Saison-Vorbereitung sind arbeitsintensiv; mehr als alle anderen.

Wohnungen, Autos, Kindergartenplätze, Arzt-Termine, Sprach-Unterricht, Trainingslager, Freundschaftsspiele, DFL-Unterlagen, Gastspielgenehmigungen – der Deutsch-Türke kümmert sich beim FSV Frankfurt quasi um alles, was mit der Mannschaft zu tun hat. Kabaca, in Bad Nauheim geboren, ist der sogenannte Team-Manager beim Fußball-Zweitligisten, der am Samstag (17 Uhr), nur drei Tage nach dem Trainingsauftakt, ein erstes Testspiel absolviert; in Bad Nauheim gegen den gastgebenden A-Ligisten, gegen Kabacas Heimatverein.

»Mit dem Waldstadion haben wir vor zwei Jahren beim Spiel gegen Widzew Lodz gute Erfahrungen gemacht. Und es freut mich, dass dieses erneute Gastspiel zustande gekommen ist«, sagt Kabaca, der diese Partie eingefädelt hatte. Er verweist zugleich auf den lokalen Bezug zum Fanklub Bad Nauheim, einen von nur acht Fanklubs der Bornheimer, die am Samstag mit 500 Zuschauern rechnen. Die letzte Saison haben die Blau-Schwarzen auf Rang 13 abgeschlossen und dabei renommierte Mannschaften wie den Karlsruher SC, Alemannia Aachen und Hansa Rostock hinter sich gelassen.

Ziel sei auch in diesem Jahr der Klassenerhalt. Das Stammpersonal habe man halten können, gehe im Vergleich zu den Vorjahren, als die Fluktuation die einzige Konstante war, deshalb gefestigt in die Saison. Nur zwei Positionen seien noch zu besetzen.

Für Kabaca, der seit rund 20 Jahren in Butzbach lebt, ist dies die mittlerweile fünfte Spielzeit als Team-Manager. Von 1992 bis 2005 hatte er selbst am Bornheimer Hang gespielt, zunächst als Stürmer, oft als Libero, zuletzt auf der Sechser-Position. Nach 458 Spielen wurde der zweifache Vater (zur Familie zählen Ehefrau Melek, der fünfjährige Sohn Josef und die erst 18 Monate alte Tochter Celine) im November 2010 zum FSV-Ehrenspielführer ernannt. Fernwald, Aschaffenburg und Fulda waren die weiteren Stationen zum Abschluss seiner aktiven Laufbahn, bevor er das Angebot erhielt, nach dem Zweitliga-Aufstieg die Nachfolge von Thomas Ernst (einst Eintracht Frankfurt, später VfL Bochum) anzutreten.

Führungsqualitäten hatte er als Mannschaftskapitän bereits bewiesen, während einer parallelen Ausbildung in der Künstleragentur von Ex-FSV-Boss Bernd Reisig zudem seine Fähigkeiten im Bereich Management, Kommunikation und Organisation unter Beweis gestellt. »Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Einst als aktiver Fußballer und jetzt als Team-Manager - und das obendrein in dem Klub, für den ich im Grunde mein Leben lang gespielt habe«, sagt Kabaca, dessen Vertrag an die Zweitliga-Qualifikation gekoppelt ist. Bereits in jungen Jahren half er bei Top-Spielen der teils drei Jahre älteren Vereinskameraden aus, im Alter von 17 führte sein Weg an den Bornheimer Hang, dort stand er im Zweitliga-Kader mit Spielern wie Sead Kapetanovic, Thomas Ernst oder Michael Klein. Mit gerade einmal 18 Jahren schaffte Kabaca in der dritten Liga den Sprung in die Stammelf.

Den Kontakt in die Wetterau hat er nie abgebrochen. »Ich habe immer die Nähe zu meiner Familie in Butzbach gesucht. Und von dort aus bin ich letztlich ebenso schnell am Stadion wie nach einer Fahrt durch die Innenstadt von Frankfurt.« In der nördlichen Wetterau fungiert Kabaca zudem als Stützpunktleiter der FFH-Fußballschule, sein Sohn spielt beim SV Nieder-Weisel, wo er ab und an mal vorbeischaut. Zu den Nullsechsern (inzwischen Nullachter) aus Bad Nauheim hält er den Kontakt, ebenso werden die Verbindungen zum Türkischen SV gepflegt.

Die Meinung Kabacas ist beim FSV Frankfurt über dessen eigentlichen Tätigkeitsbereich hinaus - nämlich auch im Scouting - sehr geschätzt. Uwe Stöver, den Sportlichen Leiter, bezeichnet er längst als Freund, die enge Bindung mit dem Trainer-Team um Benno Möhlmann mache die Zusammenarbeit »umso schöner«.

Das Interesse am Deutschen Amateurmeister von 1972 steigt zwar kontinuierlich, in Sachen Zuschauerzahlen und öffentliches Interesse stehen die Bornheimer angesichts der übermächtigen Eintracht vom Riederwald aber hinten; rangeln mit den Eishockey-Löwen und die Skyliners-Basketballern um Position zwei im stadtinternen Ranking. Neue Möglichkeiten auf dem Sponsoren- und Zuschauermarkt soll die Fertigstellung der vierten und damit letzten Tribünenseite im Stadion an der A 661 schaffen. Diese sei auch dringend nötig, um konkurrenzfähig zu sein. »Man muss immer die Relationen sehen, die bescheidenden Mittel, mit denen wir arbeiten. Wir haben der Konkurrenz nun dennoch mehrfach gezeigt, dass wir nicht unterzukriegen sind. Dennoch dürfen wir nur von Jahr zu Jahr denken. Wenn wir uns mittelfristig aber mal um einen einstelligen Tabellenplatz herum einpendeln, dann ist das ein Riesenerfolg. Und ich denke, wir sind auf einem guten Weg.«

Tufan Tosunoglu, der zweite Bad Nauheimer in Blau-Schwarz, wird am Samstag noch fehlen. Der 23-Jährige, im Sommer 2010 von Offenbach über Mainz nach Bornheim gewechselt, befindet sich nach zwei Kreuzbandrissen und einen Riss des Quadrizepsmuskels im Aufbautraining. In den vergangenen beiden Jahren hatte der Offensivspieler gerade zwei Zweitliga-Einsätze (68 Minuten) verzeichnen können. »Er durchlebt eine harte Zeit. In der Reha zeigen sich derzeit aber positive Ansätze, die hoffen lassen, dass er im Laufe der Saison wieder zum Kader stößt«, erzählt Kabaca. Michael Nickolaus

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