Die Laufbahn des Dorheimers Aljoscha Nickel als Jugendtrainer liegt derzeit auf Eis. Als Physiotherapeut arbeitet er mitunter 60 Stunden pro Woche. ARCHIVBILD: GST
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Die Laufbahn des Dorheimers Aljoscha Nickel als Jugendtrainer liegt derzeit auf Eis. Als Physiotherapeut arbeitet er mitunter 60 Stunden pro Woche. ARCHIVBILD: GST

Profi-Betreuer

Der mentale "Physio"

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Aljoscha Nickel kümmert sich als Physiotherapeut um Profis. Er hat eine Praxis in Münzenberg und lebt in Dorheim. Seine Laufbahn als Jugendfußball-Trainer liegt derzeit auf Eis.

(gst). Aljoscha Nickel gehört zu jenen Menschen, die - zumindest in beruflicher Hinsicht - in diesen durch den Lockdown geprägten Tagen keine Einschränkungen erfahren. Kein Wunder, er ist examinierter Physiotherapeut. "Ich bin bis März komplett ausgebucht", verweist der 30-Jährige auf einen komplett gefüllten Terminkalender. Den Kolleginnen und Kollegen, mit denen er sich im Kontakt und Austausch befindet, gehe es ähnlich. Ergo: Die Corona-Pandemie hinterlässt in den Körpern der Menschen ihre Spuren. Dazu muss man sich nicht unbedingt mit dem Virus infiziert haben.

Bei den Sportlern, die er in seiner Praxis in Münzenberg betreut, ist Nickel derzeit auch als Psychologe gefragt. Die Zwangspause nagt am Nervenkostüm seiner Patienten. "Der mentale Bereich spielt gerade im Hochleistungsbereich eine enorme Rolle", weiß er aus seiner Erfahrung als Physiotherapeut im Profisport bei den Eishockeyspielern des EC Bad Nauheim (2014 bis 2016) und den Handballern der HSG Wetzlar (2016 bis 2018), bei denen er mit Andreas Wolf, Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher unter anderem auch drei Europameister aus der deutschen Nationalmannschaft betreut hat.

Zugute kommen Nickel die Erfahrungen, die er als Fußballer und Trainer gesammelt hat. Unter Stefan Lerch kickte er schon als Sechsjähriger in der G-Jugend der SG Anspach und wechselte nur wegen des Wohnortwechsels seiner Mutter in der A-Jugend zur SG Waldsolms.

Schon sehr früh arbeitete Nickel parallel an einer Trainerkarriere. Der Inhaber der B-Lizenz schnupperte als Co-Trainer bei den U16-Fußballern des FSV Frankfurt erstmals Luft auf überregionaler Ebene. Einer seiner Schützlinge war damals Marcel Kaffenberger, der später als Drittliga-Profi unter anderem beim Chemnitzer FC und bei Rot-Weiß Erfurt unter Vertrag stand. 2015 holte ihn Gerd Müller zurück in den Taunus. Gemeinsam betreuten sie die C-Jugend des FC Neu-Anspach, die in der Gruppenliga Frankfurt mit 25 Punkten aus 26 Spielen Platz neun belegte.

Von da an ging es mit Aljoscha Nickel als Nachwuchs-Coach steil bergauf: 2016/17 hatte die B-Jugend des FCNA in der Verbandsliga Süd unter seinen Fittichen und coachte ein Jahr die A-Jugend ebenfalls in der zweithöchsten Spielklasse des Hessischen Fußballverbands. Damals an seiner Seite: Jerome Lehmann, der inzwischen als Nachfolger von Michael Caspari der Sportliche Leiter beim Taunus-Klub ist. Zu ihm hält Nickel engen Kontakt.

Mit dem guten sechsten Platz in der Verbandsliga-Saison 2017/18 endete bei der U19 jedoch (vorläufig) die Übungsleiter-Laufbahn von Nickel. "Das war mit dem Beruf nicht mehr zu vereinbaren. Nachdem ich meine eigene Praxis eröffnet habe, komme ich bei einer Sechs-Tage-Woche locker auf 60 Stunden Arbeitszeit.

Das ist mit der zeitlich aufwendigen Tätigkeit eines Trainers nicht mehr zu vereinbaren." Zumal vor knapp sechs Monaten Töchterchen Emily zur Welt gekommen ist, um die sich das Leben von Papa Aljoscha und Mama Isabelle dreht. Die junge Familie lebt im Friedberger Stadtteil Dorheim.

Rund 800 Patienten, kein Corona-Fall

"Ich habe rund 800 Patienten in meiner Kartei, aber zum Glück ist mir bis dato noch kein einziger positiver Corona-Fall bekannt geworden", erzählt Nickel, ein bekennender Fan des FC Bayern München. Er hofft wie viele andere, dass die Pandemie in nicht allzu ferner Zukunft überwunden sein wird.

Eine Erkenntnis hat der junge Mann mit den heilenden Händen unabhängig von Corona gewonnen: "Spitzensportler sind ganz sicher einfacher zu behandeln als die sogenannten Normalbürger." Solchen "beruflichen Herausforderungen" stellt sich Nickel aber gerne.

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