Meistertitel statt Relegation für SV Nieder-Wöllstadt II

(sto) "Das letzte Spiel der Punkterunde hatten wir eigentlich schon als Vorbereitung für die Relegation eingeordnet", sagt Marcus Lindt-Scoggins, seit zwei Jahren Trainer des SV Nieder-Wöllstadt II. Der Tabellenzweite der Kreisliga B-Liga 3 feierte einen 11:2-Erfolg bei Türk Gücü Friedberg II. Wenige Minuten nach dem Schlusspfiff standen die "Roten" als Meister fest.

In die Relegationsrunde musste der SV Ossenheim, der zum Abschluss der regulären Runde erstmals auswärts nicht gewinnen konnte (3:8 beim SV Gronau II) und den Titel damit verspielt hatte. In Nieder-Wöllstadt erfüllte sich hingegen ein Wunsch, der von vielen nur im Stillen gehegt wurde. "Natürlich: Ein A-Liga-Team als Unterbau zur Gruppenliga-Mannschaft steht uns gut zu Gesicht. Aber vom Titelgewinn hat man hier eigentlich nicht gesprochen."

Die "Roten" hatten während der ersten Saisonhälfte dem SV Ossenheim und der KSG Bönstadt die Favoritenrolle überlassen. Bönstadt verlor in der Rückrunde den Anschluss zur Spitze, der SV Ossenheim zeigte hingegen stabile Leistungen – bis zum Saisonausklang. In Nieder-Wöllstadt freut man sich über diese Überraschung, sieht sich als "ein nicht unverdienter Meister."

Zehn der zwölf Gegner in der Liga hatten in den Hin- wie auch in den Rückspielen das Nachsehen. Aus diesem Rahmen fielen der Abschlussfünfte SV Rosbach und der Vizemeister SV Ossenheim. Gegen beide Mannschaften holte die Lindt-Scoggins-Truppe jeweils nur einen Punkt in der zweiten Saisonhälfte. Im September 2012 kassierten die Wöllstädter ihre einzigen Niederlagen; in Nieder-Rosbach mit 1:3 und zu Hause gegen den SV Ossenheim mit 2:4. Die Ossenheimer hatten sich dagegen in den 24 Punktspielen neben zwei Niederlagen noch drei Unentschieden erlaubt. Der SV Ossenheim erzielte zwar mit 111 Toren sechs Treffer mehr als der SV Nieder-Wöllstadt II, der Meister ließ dagegen acht Gegentore weniger zu (24).

Im Herbst hatte der SV Nieder-Wöllstadt mit einigen verletzungsbedingten Ausfällen zu kämpfen, am Ende der Saison liefen gar ursprüngliche Stammspieler der Gruppenliga-Mannschaft auf, die nicht unter die Sechs-Spiele-Regelung aus der Vorrunde gefallen waren. "Der breite Kader beginnt schon bei Martin Langlitz und dem A-Jugendlichen Tim Zink auf der Torwart-Position", sagt Marcus Lindt-Scoggins. Eine Schlüsselfigur war Dominic Schreitz. Dem Libero bescheinigt der Trainer ein Auge für den Spielaufbau, der Gegenangriffen einleiten kann.

Mit Sven Becker und Thomas Valentin verfügt die Mannschaft über zwei eingespielte Manndecker, die sich zudem auch in den Angriff eingeschaltet haben. Auf der Sechser-Position waren die Wöllstädter hingegen zum Experimentieren gezwungen. Bastian Schwalm, dort eigentlich gesetzt, bestritt nur neun Spiele. Eine weitere Problemposition war auch das linke Mittelfeld, während rechts und zentral der dribbelstarke Dennis Becker und Sascha Grünsfelder positiv herausstachen. David Busch, der vielleicht schnellste Spieler der Mannschaft, erzielte bei 14 Einsätzen zehn Tore, bestritt in der zweiten Serie gesundheitsbedingt nur ein Spiel und wurde schmerzlich vermisst. Seine Rolle als Torjäger übernahem Sebastian Kaas, der im letzten Sommer vom TSV Dorn-Assenheim gekommen war. Er traf 26-mal und war maßgebend am A-Liga-Aufstieg beteiligt. Ein weiterer Faktor sei die Flexibilität von Pierre Sachs, der bei seinen 19 Einsätzen auf nahezu allen Positionen aushalf. Zum Kader zählen zudem Patrick Eickhoff, Lukas Schlereth, Philipp Wagner, Felix Feuerbach, Michael Moritz, Christian Schweinfurth und Salman Virk sowie die A-Jugendlichen des ältesten Jahrgangs.

20 Spieler trugen sich in die Torschützenliste des SV Nieder-Wöllstadt II ein: Sebastian Kaas (26), Dennis Becker (18), David Busch (10), Lukas Schlereth (8) und Michael Moritz (7).

Dominic Schreitz und Christian Schweinfurth haben angekündigt, ihre Laufbahn zu beenden. Wer aus der A-Jugend oder aus dem Kader der ersten Mannschaft für die kommende Runde dazustößt, ist noch offen. Gecoacht wird das Team weiter von Marcus Lindt-Scoggins.

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