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Gute Stimmung herrscht beim Besuch von U23-Weltmeister Marc Weber im Gießener Rathaus am Montagabend. Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz und Stadtverordnetenvorsteher Frank Schmidt (3. v. l.) begrüßen die Hassia-Delegation mit den Vorsitzenden Kai Frenzel (2. v. l.), Norbert Bach und dem Ehrenvorsitzenden Günter Hoppe (l.).

Rudern

Marc Weber: Über Ratzeburg nach Tokio?

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Marc Weber (RC Hassia) ist U23-Weltmeister. Bald trainiert er am DRV-Stützpunkt in Ratzeburg und hat Olympia-Chancen. Reich wird er nicht mit dem Sport. Rudern ist für ihn Leidenschaft.

Wenn Marc Weber vom Rudern spricht, kommt man ins Staunen und möchte ihm am liebsten einmal zuschauen. Dafür braucht es aber einen Live-Stream oder eben die Gießener Pfingstregatta. Denn der Hassianer ist viel unterwegs in der Welt: Bradenton in Florida, China und möglicherweise im kommenden Sommer auch Tokio. Am Montag gratulierte Gießens Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz dem neuen Weltmeister im Rathaus.

Herr Weber, wussten Sie, dass Sie nach Ruth Kaps der zweite Weltmeister in den Reihen des RC Hassia sind?

Marc Weber:Nein, das wusste ich tatsächlich nicht. Wir haben ja noch Sven Keßler, der aber lange für Frankfurt gestartet ist, aber auch aus der Hassia kommt. Der war immer ein bisschen mein Vorbild. Ruth Kaps kenne ich kaum. Sie wird aber mit Sven zusammen als bislang erfolgreichste Sportlerin der Hassia gefeiert. Insofern freut es mich, wenn vielleicht irgendwann im Verein auch über mich so geredet wird.

Ruth Kaps fuhr damals Einer und Doppel-Zweier. Sie sind Einer-Spezialist. Was macht diese Bootsklasse aus?

Weber:Deutschland legt ja viel Wert auf kleine und große Bootsklassen. Andere Länder legen vor allem Wert auf Kleinboote. Beim Einer geht es darum, wer ist der schnellste Ruderer, und nicht darum, wer das schnellste Team ist. Außerdem dauert das Rennen länger als zum Beispiel im Doppel-Vierer. Man muss länger wach bleiben im Kopf und beißen. Der Bootsdurchlauf im Einer ist das Besondere - dass man den selber mit jeder noch so kleinen Bewegung positiv oder negativ beeinflussen kann. Es ist total individuell und perfektionistisch. Seit Jahren fahre ich Einer, und ich treffe ganz selten mal einen Schlag, bei dem ich sagen würde, der war perfekt.

Übernimmt der DRV die Kosten für den Aufenthalt in Florida? Haben Sie eine Prämie für den WM-Titel bekommen?

Weber:Der Einer gehört ja zu den 13 olympischen Bootsklassen. Bei einer WM werden insgesamt 22 Klassen ausgefahren. Für die Sportler der olympischen Klassen werden die Kosten vom Verband komplett übernommen. Bei einer WM in den USA kann das schon teuer werden. Dazu kommen noch die vier Wochen unmittelbare Wettkampfvorbereitung in Ratzeburg. Pro Person kommt man da schnell auf 8000 bis 10 000 Euro. Prämien gibt es nicht, eher im Gegenteil. Wenn man nicht gut abschneidet, fällt man eventuell aus der deutschen Sporthilfe. Das sind etwa 400 Euro im Monat. Meistens wird eine A-Final-Teilnahme gewünscht. Die wenigsten Ruderer machen den Sport aus finanziellen Gründen. Es gibt die Sportfördergruppen von Polizei und Bundeswehr. Da gibt’s ein bisschen was. Aber viele sind Studenten, die vielleicht ein paar Sponsoren haben, die leben aber nicht auf großem Fuß. Die meisten Ruderer machen den Sport aus Leidenschaft, weil es ihnen viel Spaß macht.

Bei der Pfingstregatta haben wir erlebt, wie vor allem ungesteuerte Boote immer wieder von der Bahn abkamen. Passiert Ihnen das auch noch?

Weber:Das Steuern ist bei manchen Booten ein bisschen schwieriger, bei anderen ein bisschen leichter. Bei einer WM hat man im Kleinboot eigentlich keine Probleme. Es gibt extra Bojen-Systeme, das heißt alle zehn Meter kommt eine Markierung. Außerdem gibt es einen Startschuh, der den Start erleichtert. Natürlich kann es auch hier bei Seitenwind zu Problemen kommen. In Gießen, auf der schmalen Lahn mit drei Booten, wird das Steuern schon öfter zur Herausforderung. Das wird auch in den nächsten 20 Jahren noch so sein. Natürlich merkt man mit ein wenig Erfahrung schneller, wenn man sich versteuert hat. Aber gerade das macht ja den Reiz der Pfingstregatta aus.

Wie geht es jetzt sportlich bei Ihnen weiter?

Weber:Jetzt habe ich erstmal zwei Wochen Pause, dann geht es mit dem Uni-Team nach China zu einer Studentenregatta, worauf ich mich schon ziemlich freue. Dann geht es weiter mit dem Training. Ab Oktober werde ich zwischen Hessen und Hamburg pendeln, immer im Wechsel zwei Wochen in Ratzeburg und eine Woche in Gießen sein. Bundestrainer Marcus Schwarzrock möchte mir die Chance geben, eventuell bei Olympia dabei zu sein. Dazu werde ich am Stützpunkt viel Doppel-Zweier und -Vierer trainieren. Das Feld der Athleten, die für Tokio in Frage kommen, ist schon ziemlich ausgedünnt. Vielleicht reicht es ja für mich. Aber natürlich geht auch das Studium weiter und in Gießen werde ich natürlich im Einer dranbleiben.

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