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Maik Vetter: Letzte Ausfahrt Offenbach

Mit 17 Jahren schaffte Maik Vetter den Sprung in die Hessenliga-Mannschaft des KSV Klein-Karben. Über den FSV und Eintracht Frankfurt kam der mittlerweile 23-Jährige nach Wehen Wiesbaden und erhielt dort den langersehnten Profivertrag. Doch seine Zeit dort verlief eher unglücklich. Im vergangenen August wechselte der Rodheimer zu den Kickers nach Offenbach. Vetter sieht dies als "letzte Chance, sich noch im Profibereich durchzusetzen".

Maik Vetter ist entspannt, als er dieser Tage in der WZ-Redaktion zu Gast ist. Kein Wunder, denn mit Kickers Offenbach steht der Fußballer aus Rosbach-Rodheim an der Tabellenspitze der Regionalliga Südwest. "In dieser Saison habe ich immer das Gefühl, dass wir das Spiel gewinnen. Es gibt keine Zweifel. Dieses Gefühl hatte ich noch nie", erklärt Vetter. Das Selbstvertrauen bei den Kickers-Kickern ist groß. Einige Zahlen zeigen die Überlegenheit. Platz eins, nur eine Niederlage, seit 19 Spielen nicht verloren, sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger. Dass die Offenbacher auf einem guten Weg Richtung Meisterschaft sind, steht außer Frage. "Sollten wir dies schaffen, wartet allerdings die Relegation. Machst du dort ein schlechtes Spiel, bist du raus." Das sei aber auch der Reiz des Fußballs, meint Vetter.

Rückblende. August 2009. Maik Vetter sitzt auf der Bank beim Hessenliga-Spiel zwischen seinem KSV Klein-Karben und dem FC Schwalmstadt. Der 17-Jährige wird in der 73. Minute eingewechselt. Es ist sein erster Einsatz für die Mannschaft von Atze Rompel, es steht 1:0 für den KSV. Mit den Toren zum 2:0 (73.) und 3:0-Endstand (82.) ist Vetter der Matchwinner auf dem Günter-Reutzel-Sportfeld. Dass der Youngster jede Menge Talent hat, dürfte jedem Zuschauer an diesem Tag klar gewesen sein.

Nicht erst seit diesem denkwürdigen Debüt im Seniorenbereich hat Vetter das Ziel, sich im Profifußball zu etablieren. Schnell wurden seinerzeit Großvereine aus der Region auf den Klein-Karbener aufmerksam. Vetter wechselte im Sommer 2010 zum FSV Frankfurt, zwei Jahre später ging er zu Eintracht Frankfurt. Dort spielte er jeweils mit den U23-Mannschaften in der Regionalliga. Erfahrene Trainer wie Ramon Berndroth, Bernhard Trares und Nicholas Michaty bildeten ihn beim FSV aus, bei der Eintracht spielte Vetter unter Alexander Schur. "Insbesondere unter Alex konnte ich auf mich aufmerksam machen. Er hat mich flexibel eingesetzt, auch mal als Innen- oder rechter Verteidiger", blickt er gerne auf die Zeit am Riederwald zurück.

Viele Wochen verpasste er keine Minute, die Grundlagen für den nächsten Karriereschritt waren geschaffen.

Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen des SV Wehen Wiesbaden im Sommer 2013 Interesse zeigten. Vetter nahm das Angebot der Landeshauptstädter an; beim Drittligisten erhielt er einen Profivertrag. Der große Schritt schien mit 21 Jahren geschafft. Doch es kam anders. Seine Sommerpause war nur kurz, da er Weisheitszähne gezogen bekam; am zweiten Trainingstag erlitt er eine Bauchmuskelzerrung. Pünktlich zum ersten Spiel war Vetter wieder fit, eine Woche später stoppte ihn eine Sehnenansatzreizung. Drei Monate Pause – ein erneuter Rückschlag. Ab der Vorbereitung auf die Rückrunde war Vetter wieder dabei, konnte aber seinen Trainer Marc Kienle nicht mehr überzeugen. Der Saisonbeginn 2014/15 sollte für Vetter ein Neuanfang werden. Am dritten Tag war dieses Vorhaben schon wieder zunichte. "Ich hatte eine gereizte Achillessehne. Da war klar, dass meine Zeit in Wiesbaden vorbei ist", sagt Vetter, der Ende August von den Kickers verpflichtet wurde. Beim Traditionsverein vom Bieberer Berg ließ es sich in der ersten Woche gut an für Vetter.

Unterschrift am Montag, Einwechslung am Mittwoch gegen Walldorf, volle Spielzeit am Samstag in Elversberg. Seither saß der 23-Jährige jedoch zu Spielbeginn immer "nur" auf der Bank. "Ich habe mir mehr erhofft als den Status eines Einwechselspielers. Aber der Trainer hat mich immer gebracht, das war gut. Wenn ich jetzt die Vorbereitung komplett durchziehen kann, wird alles anders", zeigt sich Vetter selbstbewusst und optimistisch, bald zum Stammpersonal zu gehören.

Persönlich wie im Sinne der Mannschaft kann das Saisonziel von Maik Vetter natürlich nur lauten, mit den Kickers in die Dritte Liga aufzusteigen. "Ich bin genau an der Grenze zwischen Profi und Amateur. Aber ich habe mich vor einigen Jahren entschieden, voll auf den Fußball zu setzen. Das bereue ich nicht und will dies weiterhin durchziehen". Beim FSV Frankfurt absolvierte er seinerzeit ein Praktikum, zur Eintracht-Zeit vermittelte man ihm eine Ausbildungsstelle bei der Commerzbank. "Diese habe ich gar nicht angetreten, da kam das Angebot aus Wiesbaden dazwischen.

" Aufgeben kommt Vetter also nicht in den Sinn. Aber er weiß: "Offenbach ist vielleicht die letzte Chance für mich im Profifußball."

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Nachfolgend beantwortet Maik Vetter Fragen über Borussia Mönchengladbach, die Familie und das Beten:

Maik Vetter, Kickers Offenbach steht auf dem ersten Platz in der Regionalliga Südwest und hat seit einer gefühlten Ewigkeit kein Spiel mehr verloren. Wer oder was kann die Kickers stoppen?

Vetter: Momentan sieht es sehr gut aus, das ist richtig. Wir müssen uns aber konzentriert auf die Rückrunde vorbereiten und dort in jedem Spiel unsere Leistung abrufen. Noch sind wir nicht Meister. Bis zum Aufstieg ist der Weg ja mit zwei Relegationsspielen noch länger.

Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach – Sie haben bislang ausschließlich bei Vereinen aus der Rhein-Main-Region gespielt. Gab es nicht schon mal Angebote "auswärtiger" Vereine?

Vetter: Doch. Aber ich weiß nicht, ob ich der Typ bin, woanders hinzuziehen. Als ich den Schritt in die Dritte Liga machen wollte, war Wiesbaden dann sicherlich eher eine Option als beispielsweise Holstein Kiel. Ich bin ein Familienmensch, habe auch bis auf die kurze Zeit in Wiesbaden immer in Rodheim gewohnt. Wenn ich frei habe, bin ich schnell auf dem Nachhauseweg.

Wie haben die zwei Tore damals in Ihrem ersten Spiel für die erste Mannschaft in Klein-Karben Ihre Karriere beeinflusst?

Vetter: Ohne diese zwei Tore würde ich vielleicht noch Oberliga spielen. Es waren damals Offizielle vom FSV Frankfurt vor Ort, die mich entdeckt haben. Das war mein Glück.

Im DFB-Pokal geht es nun gegen Mönchengladbach.

Vetter: Das wird ein Highlight. Der Bieberer Berg wird ausverkauft sein, die sensationelle Stimmung hier wird nochmals getoppt. Seit der Auslosung schaue ich mir öfter Spiele von Gladbach an. Es wäre natürlich eine Sensation, wenn wir weiterkommen.

Sie beten vor jedem Spiel.

Vetter: Ja, das gehört dazu. Das gibt mir Lockerheit und Sicherheit. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht alleine bin.

Maik Vetter im Porträt

Im Alter von zehn Jahren kam der "Frankfurter Bub" mit seinen Eltern und seinem sieben Jahre älteren Bruder Alexander nach Rodheim. "Alex hat mehr Talent als ich, ist aber vielleicht nicht ganz so fleißig", sagt Vetter über den Kreisliga-Kicker, der aktuell bester Torschütze der SG Rodheim II in der B-Liga 2 ist. Nachdem Maik Vetter zunächst in seiner neuen Heimat bei der Sportgemeinde spielte, wechselte er zum KSV Klein-Karben. Zu seinen Jugendtrainern dort gehörte unter anderem Sven Kunisch, in der vergangenen Saison noch Spielertrainer beim Verbandsliga-Absteiger. Von Klein-Karben wechselte Vetter 2010 zum FSV Frankfurt, nach zwei Jahren dort (43 Regionalliga-Spiele) folgte eine Saison beim Lokalrivalen Eintracht Frankfurt (33 RL-Spiele).

Nach knapp 14 Monaten bei Wehen Wiesbaden (20 Hessenliga-Spiele, kein Drittliga-Einsatz) steht Vetter seit vergangenen August im Kader von Kickers Offenbach und hat dort einen Vertrag bis 2016. Bislang hat Vetter elf Regionalliga-Einsätze für die Kickers auf der Habenseite, dazu das DFB-Pokalspiel gegen Karlsruhe (1:0). Beim Hallenturnier kürzlich in Chemnitz wurde Vetter Torschützenkönig. Am 3. Februar geht’s für den defensiven Mittelfeldspieler und seine Teamkollegen nach Belek ins Trainingslager, am 28. Februar steht das erste Rückrundenspiel an – nur vier Tage vor dem Pokalachtelfinal-Knaller gegen Mönchengladbach. Sein Abitur hat der 23-Jährige auf dem Friedberger Burggymnasium abgelegt.

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