Überglücklich und nach fast zehn Stunden in seinem Segelflugzeug gönnt sich Tobias Meiler vom Aero-Club Bad Nauheim nach seinem Rekordflug ein Weizenbier. FOTO: PV
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Überglücklich und nach fast zehn Stunden in seinem Segelflugzeug gönnt sich Tobias Meiler vom Aero-Club Bad Nauheim nach seinem Rekordflug ein Weizenbier. FOTO: PV

Die magische Marke geknackt

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(pm). Tobias Meiler vom Aero-Club Bad Nauheim hat es geschafft. Der Wettbewerbspilot und Fluglehrer hat den längsten Segelflug vom Flugplatz Ober-Mörlen absolviert - ganze 1014 Kilometer und 9:36 Stunden war er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 114 Kilometern pro Stunde ohne Motorkraft in seinem Ventus III, einem Segelflugzeug mit einer Spannweite von 18 Metern, unterwegs, ehe er unter dem Jubel etlicher Vereinskollegen den Weg zurück in die Wetterau fand.

Es ist schon 11.36 Uhr an diesem Sonntag, eigentlich recht spät, um einen größeren Segelflug zu beginnen, als Meiler am gelben Griff in seinem Cockpit zieht, der ihn von dem Seil trennen wird, das ihn bis dahin mit dem Schlepp-flugzeug verbunden hat. Ab diesem Moment gleitet er vollkommen lautlos durch die Luft und wird nur noch angetrieben durch die langsame Umwandlung von potenzieller Energie, der Höhe des Flugzeugs, in Vortrieb und Geschwindigkeit.

Zu diesem Zeitpunkt hat Meiler noch keine Ahnung, dass dieser Flug der bislang größte in seiner Streckenflugkarriere werden wird. Zunächst richtet sich die Nase des Flugzeugs nach Südwesten, folgt dem Hauptkamm des Taunus unter noch relativ niedrigen Wolken und gleitet bis zum Rhein auf nur noch etwa 450 Meter über dem Boden hinab - eine Höhe, die Meiler bis zur Landung nicht mehr unterschreiten wird. Dort steht der erste richtig starke Aufwind des Tages, das Flugzeug schraubt sich auf eine Höhe von 1500 Metern. Nun geht es schneller voran und die Wolkenuntergrenze steigt. Weiter geht es über den Rhein, dem Höhenrücken des Hunsrücks folgend, bis weit ins deutsch-französische Grenzgebiet.

Hier beginnt Meiler das Potenzial des Tages zu ahnen, dreht um und nutzt die für die Aufwindsentwicklung günstige Topografie für einen schnellen Ritt zurück nach Nordosten. In der Gegend von Wetzlar wendet er erneut auf Südwestkurs und erreicht wieder die französische Grenze. Die ansteigende Wolkenuntergrenze, zwischendurch kann der Segler bis auf 2400 Metern über den Meeresspiegel steigen, und die starken Aufwinde erlauben ein schnelles Vorfliegen und damit sehr hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten. Noch mehrfach hin und her geht der Flug durch den Westen Deutschlands im sogenannten Jojo, bei dem gute Wetterräume mehrfach durchkreuzt werden, um große Strecken mit hohen Schnittgeschwindigkeiten zu erfliegen.

Landung nach 9:36 Stunden

Es ist schon 19.45 Uhr, als Meiler am Rhein nach über 900 Kilometern zurückgelegter Strecke Heimatkurs aufnimmt und aus gut 2000 Metern Höhe seinen Anflug auf Ober-Mörlen beginnt. 45 Minuten und 50 Kilometer später, die tief stehende Sonne taucht die Wetterau bereits in goldenes Licht, wird die schmale Si-lhouette des Flugzeugs am Horizont über dem Römerturm erkennbar. Kurze Zeit später schießt der Ventus zu einem tiefen Überflug über die Landebahn und landet unter dem Applaus der Fliegerfreunde sicher wieder in Ober-Mörlen: Der längste je von dort aus durchgeführte Segelflug ist zu Ende.

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