Machtkämpfe im deutschen Football

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(ksm). Beim AFC Universe Frankfurt ist Alexander Sperber noch Mitglied. Doch seit mehr als einem Vierteljahrhundert hat sich der 68-Jährige nicht mehr in einer offiziellen Vereins- oder Verbandsfunktion engagiert. Verfolgt hat der frühere Footballspieler und -trainer immer, was hierzulande in seiner Sportart passiert. Nun führt er eine Initiative an, die die Ablösung der derzeitigen Führung des American Football Verband Deutschland (AFVD) um Präsident Robert Huber anstrebt.

Schon länger gärt es in der Szene, flammt Kritik am Vorstand auf. Zuletzt spalteten Diskussionen um den Spiel- betrieb während Corona die Klubs in der German Football League (GFL), die unter dem Dach des AFVD residiert. Die im Oktober vorgestellte European League of Football gilt als Gegenbewegung.

"Restart 21", wie Sperbers Projekt heißt, ist schon länger in Arbeit. Das Problem bei dem Versuch, einen alternativen Bewerber für das oberste Amt im AFVD auf den Weg zu bringen, bestand, wie er sagt, bisher darin, dass geeignete Kandidaten im Falle eines Scheiterns Nachteile für ihre Vereine oder Landesvertretungen befürchteten. Bei ihm fehle durch seine Ungebundenheit dieses Risiko. Zudem hat der Architekt, der bei Aschaffenburg wohnt, oft genug die Fähigkeit bewiesen, etwas aufbauen zu können.

Der Sohn eines amerikanischen Soldaten gilt als Begründer des deutschen Footballs. 1977 hob er mit anderen die Frankfurter Löwen als ersten deutschen Verein für diesen Sport aus der Taufe. Er unterstützte Nachfolger an zahlreichen Standorten, stand ab 1979 als erster Präsident dem Football Bund Deutschland vor, aus dem der AFVD hervorging, und ist Ehrenmitglied des Europäischen Verbandes.

Um ein erneutes Engagement würde Sperber sich nicht reißen, sollte sich eine andere Lösung ergeben. Doch angesichts des Handlungsbedarfs, den er sieht, hat er sich mit weiteren Fachleuten zusammengeschlossen, mit denen er gemeinsam als neuer Vorstand kandidieren will. Der frühere Universe-Jugendspieler Maximilian Schwarz, der 2015 den zukünftigen Zweitligisten Bad Homburg Sentinels mitgründete, soll zudem die GFL neu ausrichten.

Zu den Zielen von "Restart 21" zählt, Transparenz in die finanziellen Angelegenheiten des AFVD zu bringen und die Vergangenheit aufzuarbeiten. Auch was die Kooperation mit internationalen Verbänden und Partnern angeht, wünscht Sperber sich Veränderungen. "Der Dachverband muss den Football anders repräsentieren und verkaufen", sagt er. "Wir müssen unseren Randsport sympathischer machen."

Bis die "Restart 21"-Vertreter zum Zuge kommen könnten, müssen sie sich noch gedulden. Huber, der das Amt des Präsidenten seit 1997 innehat, wurde erst im Frühjahr 2020 bestätigt. Um ihn abzulösen, müssten laut Sperber mindestens drei Landesverbände einen außerordentlichen Bundestag beantragen. Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz wollen bei der nächsten Wahl offenbar nicht mehr für die bisherige Führung stimmen.

Parallel zu der Initiative wurde auch im Bereich des hessischen Landesverbandes, den Huber ebenfalls führt, eine Bewegung ("Hessen Football zusammen") in Gang gesetzt, die den Juristen ersetzen will.

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