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Löwen Frankfurt zeigen Roten Teufeln Baustellen auf

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(mn) Hatte er sein Ziel nun erreicht, oder war Frank Carnevale diesmal sogar ein wenig darüber hinaus geschossen?

»Ich habe nur die Wahrheit gesagt. Wenn ihr in Frankfurt nicht damit umgehen könnt, dann ist das nicht mein Problem«, konterte der Trainer der Roten Teufel nach der2:4-Niederlagebei den Löwen die Frage, ob man nicht vielleicht in Bad Nauheim den Mund etwas zu voll genommen habe. Ganz bewusst hatte der Italo-Kanadier vorm Zwischenrunden-Derby der Eishockey-Oberliga West mit seinen Aussagen provoziert, Unruhe gestiftet und die Aufmerksamkeit zum dritten Saison-Duell beider Mannschaften auf seine Person fokussiert.

»Ich wollte die beste Leistung der Löwen sehen, um zu erkennen, woran wir arbeiten müssen. Wenn wir gegen einen solch talentierten Kader gewinnen wollen, müssen wir all unsere Möglichkeiten ausschöpfen«, erklärt Carnevale seine Intension, die in Frankfurt vor der Partie die von ihm erhoffte Wirkung gezeigt hatte und auch nach der Partie noch lange diskutiert wurde. »Wie kann man die Fans nur so aufpuschen? Seine Aussagen waren der Schlüssel zum Sieg.

Das war die leichteste Woche meiner Trainer-Karriere. Ich habe meinen Spielern nur die Zeitungsausschnitte zeigen müssen«, berichtete Frank Gengtes, der Coach der Löwen, der zugleich ankündigte, den Streit mit Carnevale außerhalb der Saison regeln zu wollen - »unter Männern«.

Mehr als 6000 Zuschauer - darunter auch Eishockey-Obmann Markus Schweer vom Landesverband Nordrhein-Westfalen - hatte das Derby der beiden Eishockey-Nachbarn an einem Donnerstagabend in die Eissporthalle am Ratsweg gelockt - und diese kannten vor der Partie nur ein Thema: Frank Carnevale und die Fragen, was er mit seinen Statements bezwecken wolle, wie weit man solchen Trash-Talk treiben dürfe.

Rüdiger Storch, der Hallensprecher, hatte die verbale Steilvorlage aus der Wetterau (»Wir wollen Frankfurt zum Weinen bringen«) aufgegriffen und unmittelbar vor Spielbeginn allzu wörtlich mit einer Show-Einlage auf dem Eis ins Lächerliche gezogen. Die Quittung wurde nach Spielende präsentiert. Die Roten Teufel hatten einen Zusatzbericht verfassen lassen. »Vor dem Spiel heizte Herr Storch die Fans mit einem verspottenden, unsportlichen Verhalten ein, in dem er den Nauheimer Trainer heulend auf dem Eis wälzend nachahmte.

Er spielte auf den Spieler Lanny Gare an, weswegen der Trainer heulen würde. Dieses unsportliche Verhalten bitten wir zu ahnden, da es in der Vergangenheit bereits mit Herrn Storch zu solchen Vergehen kam«, heißt es in dem Schreiben an den Verband. Storch selbst zeigte sich amüsiert: »Ich habe lediglich die passende Antwort gegeben«.

Zuvor hatte die Mär, Carnevale habe aus Frust über die Entscheidung von Lanny Gare nach Frankfurt zu wechseln dessen Telefonnummer herausgegeben, die Runde gemacht. »In Frankfurt dreht man sich die Wahrheit, wie man sie gerne hätte«, sagt Carnevale. »Lanny weiß ganz genau, warum er zu uns gekommen ist; eben wegen Carnevale«, ist hingegen Gentges sicher.

Während der offiziellen Pressekonferenz hatten beide Trainer Bemerkungen über ihren Kollegen vermieden. »Wegen solcher Spiele bin ich Trainer«, sagte der RT-Coach. Die 40 Spieler auf dem Eis hätten eine großartige Show geboten, diszipliniert und hart gearbeitet. »Letztlich haben wir wegen eines schlechten Spielzugs vier Minuten vor Schluss verloren.

« Gentges bezeichnete den Standort Frankfurt als einzigartig unterhalb der Deutschen Eishockey-Liga, sprach von »einem hervorragenden Spiel auf höchstem Niveau«. Die Intensität der ersten beiden Partien konnte die Begegnung allerdings nicht erreichten. Beide Teams taktierten diszipliniert, waren in erster Linie darauf bedacht, Fehler und Strafen zu vermeiden.

Durch leichtfertige Puckverluste hatten die Roten Teufel schließlich die Entscheidung eingeleitet und sich selbst die aktuellen Baustellen aufgezeigt; zum einen das Powerplay, das in den sogenannten »big games« erneut nicht überzeugen konnte, zum anderen die Quantität in der Verteidigung, die die 14-Minuten-Strafen gegen Martin Lee und dessen defensive Alternative Sven Schlicht nur auf Kosten fehlender Konzentration in der Schlussphase auffangen konnte. »Das Spiel einiger Leistungsträger hat mir nicht gefallen«, sagt Carnevale, dessen Kritik an die Adressen von Alexander Baum, Chris Stanley und Daniel Oppolzer gehen dürfte. Positiv waren neben dem Duo Harry Lange/Patrick Strauch erneut Tim May und Schlicht aufgefallen.

Für Entsetzen hatte die Verletzung von Steven Bär gesorgt. Im Zweikampf mit Jannik Striepeke hatte sich der Löwen-Verteidiger einen Cut am Auge zugezogen und wurde umgehend in eine Klinik gebracht. Das Augenlicht konnte gerettet werden, hieß es gestern Morgen, eine Operation und eine sechswöchige Pause seien aber unumgänglich.

Die Roten Teufel treffen nun am Sonntag (18.30 Uhr) im Colonel-Knight-Stadion auf den Krefelder EV, der sich durch einen Auftaktsieg nach Penaltyschießen gegen den EV Duisburg in den Positionskampf um eines der vier Endrunden-Tickets eingemischt hat. Pierre Wex, der beim Comeback nach viermonatiger Verletzungspause in Frankfurt lediglich eine Eiszeit hatte, dürfte gegen die Rheinländer wieder Spielpraxis sammeln. Konstantin Firsanov spielt in den Planungen für Sonntag keine Rolle. Der Deutsch-Russe steht - unabhängig seiner Krankmeldung - beim RT-Coach auf dem Abstellgleis.

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