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Trainer Matti Tiilikainen und Eishockey-Zweitligist Löwen Frankfurt haben in Finnland die Saisonvorbereitung aufgenommen.

Eishockey

Löwen Frankfurt: Trainingsauftakt im Land des Weltmeisters

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Die Löwen Frankfurt haben in Finnland die Saison-Vorbereitung aufgenommen. Höhepunkt ist die Teilnahme an einem Turnier mit europäischen Topklubs.

(mka). Von allzu großen Heimatgefühlen lässt sich Matti Tiilikainen nicht bewegen. "Eigentlich ist es mir egal, wo wir sind", sagt er da nüchtern, "hauptsache wir haben gute Bedingungen, können hart arbeiten und die Zeit zusammen haben." Was den ersten Punkt angeht, kann sich der Headcoach des Eishockey-Zweitligisten Löwen Frankfurt sicher sein, in Hämeenlinna tatsächlich günstige Umstände für die Vorbereitungen auf die neue Eiszeit vorzufinden. In der 70 000-Einwohner-Stadt im Süden Finnlands ist Tiilikainen geboren, aufgewachsen, hat sein ganzes Eishockey-Leben verbracht - bis er im vergangenen Jahr den Umzug nach Frankfurt wagte. Dass er nun mit seinen Löwen dorthin zu einem Trainingslager mitsamt prominent besetztem Turnier eingeladen ist, als Vertreter aus der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys, in das nach der Puckjagd verrückte Land des Weltmeisters, ist gewiss nicht ganz alltäglich. Und für die Coaches hat das schon eine speziellere Note, räumt Tiilikainen doch ein. "Für uns wird es etwas ganz Besonderes. Schließlich kehren wir in unsere Heimat zurück", sagt er und spricht da auch für seine Trainerkollegen Marko Raita und Valtteri Salo, beide ebenso Kinder Hämeenlinnas und nun im zweiten Jahr mit ihm in Frankfurter Diensten.

Vor diesem Reiseerlebnis indes stehen erst einmal ein paar Tage der Sammlung in Frankfurt an. Die allermeisten Löwen sind wieder an ihrer Wirkungsstätte eingetroffen, aus aller Welt eingeflogen, um am Anfang dieser Woche Medizinchecks und Fitnesstests hinter sich zu bringen. Am Mittwoch trafen Tiilikainen und Co. dann in einem Meeting erstmals seit Ende April wieder mit der ganzen Mannschaft zusammen, es folgte ein gemeinsames Abendessen. Für den finnischen Cheftrainer beginnt damit der zweite Teil eines erst einmal auf drei Jahre angelegten Entwicklungsplans: 2021, wenn sich die Tür in die erstklassige DEL wieder öffnet, wollen die Löwen bereit zum Aufstieg sein.

Die erste Etappe haben sie nun bereits bewältigt und dabei manche Zweifel zerstreut: Drei junge Trainer, die noch nie außerhalb ihrer Heimat und noch nie mit Profis gearbeitet haben, sondern immer nur im Nachwuchs? Allgemein wurde die im Zeichen des großen Umbruchs stehende Saison mit dem ersten Platz in der DEL-2-Hauptrunde und dem Erreichen der Finalserie als erfolgreich gewertet, Tiilikainen selbst sieht das etwas differenzierter.

Zufrieden? "Ja und nein", sagt er. "Das Ergebnis war gut, aber es gibt noch viele Bereiche wo wir uns verbessern können." Die Defensivarbeit und das Unterzahlspiel nennt er an erster Stelle, "da können wir es noch viel besser machen." In der Offensive aber auch. Gleichzeitig gilt es, die Balance zwischen Abwehr und Angriff noch feiner abzustimmen, und damit nicht genug: "Wir brauchen mehr Leidenschaft, mehr Speed, mehr harte Arbeit", fordert Tiilikainen und lacht: "Mehr von allem." Jetzt gehe es eben darum, den nächsten Schritt zu machen, auf allen Ebenen. Auf dem Eis und daneben, technisch und taktisch, in der Athletik und der Mentalität.

Tiilikainen, mit 32 Jahren der jüngste Headcoach im deutschen Profi-Eishockey, und seine Kollegen sollten im zweiten Jahr auf einem etwas höheren Niveau anfangen können als vor einem Sommer, als für sie alles neu war: die Löwen, die Liga, das ganze Land. Umgekehrt hat das Gros der Spieler nun bereits mit ihnen gearbeitet und kennt die Vorstellungen des Trainertrios.

Noch mehr in den Fokus sollen dabei die jungen Spieler rücken, auf die am Ratsweg seit einem Jahr verstärkt gebaut wird, mit der DEL-Vision im Hinterkopf. "Sie müssen eine größere Rolle spielen und von jungen Spielern zu Schlüsselspielern werden, lernen, mehr Verantwortung zu übernehmen", sagt Tiilikainen. So wie Supertalent Leon Hüttl in der vergangenen Saison. Mit Daniel Wirt und Luis Schinko haben die Löwen zwei weitere U-20-Nationalspieler angelockt, mit Thomas Gauch einen weiteren entwicklungsfähigen Verteidiger.

Der Finnland-Trip könnte erste Hinweise geben, wie weit sie schon sind. Am Sonntag darauf geht es dann zurück - und fast direkt weiter ins nächste Sommercamp nach Krefeld. Nach einer Trainingswoche und einem Turnier mit den finnischen Gastgebern, den ebenfalls in der Champions League antretenden Lahti Pelicans und Sibir Nowosibirsk aus der russischen Spitzenliga KHL.

Den Löwen hilft die Turnier-Teilnahme wiederum aus einer gewissen Notlage. Eine Eisfläche gibt es im Frankfurter Sommer nicht, erst ab Mitte, Ende August kann am Ratsweg trainiert werden. "Wenn du ein guter Spieler werden willst, musst du deinen Job zwölf Monate im Jahr machen können und nicht nur neun. Was würde denn ein Fußballer sagen, wenn er drei Monate nicht trainieren kann?", gibt Tiilikainen zu bedenken. Eis im Sommer - für ihn wäre das "ganz wichtig" für die Löwen-Weiterentwicklung. Da hat man es in Finnland doch leichter.

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