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Die Löwen Frankfurt hatten die Hauptrunde auf Platz eins abgeschlossen. Die Playoff-Spiele um die Meisterschaften wurden in dieser Wochen aber abgesagt. FOTO: HÜBNER

Eishockey

Löwen Frankfurt: Noch nicht fertig

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Das plötzliche Ende der DEL 2 trifft den Meisterschaftsanwärter aus Frankfurt hart, sportlich wie wirtschaftlich. Nach der Absage geht der Löwen-Blick aber auch schon wieder voraus.

Für Franz Fritzmeier fühlte es sich ein wenig unwirklich an, da war er gewiss nicht der Einzige. Schon am Dienstagmittag, als der Sportdirektor der Frankfurter Löwen die Mannschaft nach dem Training über die Möglichkeit eines plötzlichen Saisonendes in der DEL 2 in Kenntnis setzte. Am Nachmittag, als man nach vollendeten Tatsachen die für den nächsten Tag geplante Übungseinheit in ein Meeting umwandelte. Und auch bei dieser Gelegenheit dann am Mittwoch, als Fritzmeier in der Eissporthalle am Ratsweg in lauter tief enttäuschte Spielergesichter blickte. Gleichzeitig war da noch etwas anderes. "Als wir in der Kabine saßen, hatte ich das Gefühl: Wir sind noch nicht fertig", berichtete der Sportdirektor von der speziellen Stimmungslage unter Löwen.

Die Möglichkeit, wie geplant den "Weg zu Ende zu gehen", wie es der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Krämer ausdrückte, ist den Frankfurter Puckjägern genommen worden. "Für uns alle ist das sehr traurig", sagte Krämer, dem es besonders leid tut, dass die Mannschaft nicht den "verdienten Lorbeer" einfahren könne. "Wir wollten Meister werden", bekräftige er. Und als Erster der Punktrunde, mit stabil verbesserter Verfassung, hatte man sich gut gerüstet gesehen.

Bis die Auswirkungen des Coronavirus auch die Eishockeywelt auf den Kopf stellten und andere Fragen als die nach der richtigen Form zählten. Am Montagabend war Krämer von DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch über eine mögliche Absage der Play-offs informiert waren, dienstagvormittags tauschte er sich ausführlich in einer Telefonkonferenz mit Vertretern der 13 anderen Zweitliga-Standorten, von DEL 2 und Deutschem Eishockey-Bund aus: "Je länger es dauerte, umso klarer ist allen geworden, dass es keinen Ausweg gibt." Die Tendenz ist eindeutig, die Prognose ungünstig: Wahrscheinlich sei bald überall kein Spielbetrieb mehr möglich, mutmaßt Krämer. Hinzu kam, dass pünktlich zur Telefonkonferenz bei den Lausitzer Füchsen der erste Verdachtsfall einer Corona-Infektion bei einem Spieler bekannt wurde.

Ungeachtet aller Einsicht trifft die Entscheidung die Löwen hart, sportlich wie wirtschaftlich. "Wir verpassen unsere beste Zeit", sagte Krämer. In den Playoffs wird das Geld verdient, und im Eishockey sind die Zuschauereinnahmen noch ungleich wichtiger als im großen Fußball mit seinen milliardenschweren Fernsehverträgen. Etwa 40 Prozent des Etats mache der Ticketverkauf aus, rechnete der Gesellschafter vor, bei 60 000 bis 70 000 Euro pro Löwen-Begegnung. Auf acht, neun Heimspiele hätte man in den Playoffs gewiss noch hoffen dürfen, das reißt eine stattliche Lücke - auch wenn nun die Hallenmiete für die Spiele entfällt.

Unterstützung durch die Politik?

Stefan Krämer indes demonstrierte schon wieder Zuversicht, am Tag nach dem abrupten Ende. "Wir werden mit einem niedrigen sechsstelligen Verlust aus der Saison gehen, aber das ist kein Problem. Das nehmen wir mit, und nächste Saison greifen wir wieder an", betonte er. In den vergangenen Jahren hätten die Löwen stets Gewinn erwirtschaftet, zwischen 200 000 und 400 000 Euro - vor allem dank der Playoffs. Auch deshalb ist das Eigenkapital auf 900 000 Euro angewachsen, da lässt sich in Frankfurt notfalls einiges ausgleichen - während es an manch anderem Standort, vielleicht weniger solide aufgestellt, schon kritischer werden könnte mit der Liquidität.

So oder so hoffen die Löwen, dass sie mit ihren finanziellen Einbußen nicht allein gelassen werden. "Wir gehen in Vorleistung und zahlen den Deckel", sagte Krämer. "Aber wir suchen auch Möglichkeiten, mit nur einem statt zwei blauen Auge da rauszukommen". Bund und Land haben betroffenen Firmen Unterstützung zugesagt. Warum sollte das nicht auch für Proficlubs gelten, denen ihre Geschäftsgrundlage entzogen wurde, gelten? "Wir sind auch ein Wirtschaftsunternehmen, das von der Liga vor die Tatsache gestellt wurde, dass wir unseren Spielbetrieb nicht fortsetzen können", hielt Krämer in diesem Zusammenhang fest. "Da müssen wir sehen, wie die Politik reagiert."

In den nächsten Tagen und Wochen haben Krämer und Co. einige Fragen zu bearbeiten. Klar ist: Die Spieler haben bis Ende April Vertrag, mindestens, so wie es in der DEL Standard ist, und nicht bis zum letzten Spiel, wie noch immer bei vielen DEL-2-Clubs. Diese werden in jedem Fall erfüllt, betonte Krämer. Gerade die vielen jungen Spieler in Frankfurt haben Arbeitspapiere über das ganze Jahr hinweg - im Bestreben, sich für den Aufstieg richtig aufzustellen.

Die jungen Löwen werden nächste Woche wohl auch wieder das Training aufnehmen, an Schuss- und Schlittschuhtechnik feilen. Was man nach der Saison so macht, sonst eben im Sommer. Während die Löwen-Kanadier darauf achten müssen, rechtzeitig in die Heimat zu fliegen, bevor Nordamerika noch die Pforten schließt, wegen Corona-Alarm.

So müssen jetzt schon Saisonabschlussgespräche geführt werden. Und Vertragsverhandlungen. Bei dem einen oder anderen Kandidaten hätte Fritzmeier gerne gesehen, wie er sich in der besonderen Playoff-Spannung geschlagen hätte. Insgesamt aber hat er auch so ein gutes Bild gewonnen. "Die Mannschaft hat sich Vertrauen verdient, jeder Einzelne hat voll mitgezogen", urteilte der Sportdirektor und schließt daraus für den künftigen Kaderbau: "Ein paar Änderungen gibt es immer, aber wir hoffen doch, dass wir das Gros der Mannschaft zusammenhalten können."

Die Leistung der Spieler wie der Sportlichen Leitung hob Stefan Krämer noch einmal hervor. "Dass die Mannschaft am Ende der Saison topfit ist und so in die Playoffs gegangen wäre, zeigt, dass das Team um Franz super gearbeitet hat." Der Löwen-Blick ging schon am Mittwoch auch immer wieder voraus, auf das nächste Jahr, wenn sich die Tür in die erste Klasse wieder öffnet, der Aufstieg in die DEL wieder möglich ist. "Wir brauchen unsere Sponsoren, die uns unterstützen, und unsere Fans die Dauerkarten kaufen", baut Stefan Krämer angesichts der Corona-Finanzlücke dabei besonders auf Hilfe aus der ganzen Löwen-Familie. Sportlich wie wirtschaftlich gilt: "Die Vorbereitungen für die nächste Saison", das sagte er auch noch, "haben begonnen". Früher als gedacht, und unter ganz anderen Umständen.

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