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Ein Zeichen setzen: Szenen wie diese gehörten in der Vorbereitung unter Eishockey-Profis dazu. Hier haben sich Steven Delisle (Löwen Frankfurt) und Michael Knaub (Heilbronner Falken/vorne) gesucht und gefunden.

Eishockey

Löwen Frankfurt: Momentaufnahme zur Unzeit

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Eishockey-Zweitligist Löwen Frankfurt leistet sich einen peinlichen Auftritt im einzigen Heimspiel der Vorbereitung.

Ein paar Unentwegte hatten den Glauben offenbar noch nicht ganz verloren; vielleicht schwang in ihrem Sprechgesang bei aller Liebe auch eine Prise Galgenhumor mit. "Jetzt geht’s los", skandierte jedenfalls ein Haufen tapferer Anhänger der Frankfurter Löwen, als ihren sonst arg enttäuschenden Lieblingen in der 54. Minute eines gebrauchten Samstages der erste Treffer gelungen war, kurz vor Schluss. Natürlich durch Adam Mitchell, der zu jenen Löwen zählte, denen das Bemühen um Schadensbegrenzung am ehesten anzumerken war - und der mit noch einem zweiten Treffer als Kapitän höchstpersönlich dafür sorgte, dass aus dem zwischenzeitlichen 0:5 gegen die Heilbronner Falken doch keine ganz so fürchterliche Blamage wurde.

Am Ende stand ein 2:6 des Meisterschaftsanwärters gegen einen Mittelständler aus der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys auf der Anzeigetafel, Mitchell ging auch bei der Aufarbeitung der teilweise peinlichen Vorführung voran: "Das Spiel war eine einzige Katastrophe, von vorne bis hinten, von unten nach oben." Das einzig Gute sei, dass man beim Wiedersehen tags drauf schon die Chance zur Wiedergutmachung haben würde. Beim Gegenbesuch in Heilbronn sollte es tatsächlich anders aussehen, mit einem 4:1 durch Tore von Youngster Constantin Vogt, Lukas Koziol, Roope Ranta und Eduard Lewandowski.

Die Pleite im eigenen Revier wusste Routinier Mitchell so oder so einzuordnen. Insgesamt sei die Vorbereitung bis dahin zufriedenstellend gelaufen. "Aber wenn wir so vor unserem Publikum spielen, ist das natürlich schlecht." Immerhin 2278 Zuschauer waren an den Ratsweg gekommen, um ihre Löwen wiederzusehen, zur Einstimmung auf die Mitte September beginnende neue Eiszeit - und dann gab es bei hochsommerlichen Außentemperaturen drinnen eine kalte Dusche.

Lust und Willen fehlen

Dass irgendwann vereinzelt Pfiffe durch die Eissporthalle schallten, verstand Mitchell: "Ich hatte sogar mit mehr gerechnet", räumte er ein, Headcoach Matti Tiilikainen ging es kaum anders. "Kein Spieler war auch nur annähernd in Normalform", kritisierte er Mängel auf allen Ebenen. Technisch und taktisch, in Abwehr, Aufbau und Angriff, in Lauf- und Einsatzbereitschaft, Über- und Unterzahl. Vor allem: "Da haben die Lust und der Wille gefehlt", tadelte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier.

Sollten sich ähnliche Darbietungen wiederholen, dürften die Verantwortlichen schärfere Töne wählen. Bis dahin hatte es in der Vorbereitung, in der die Entwicklungsarbeit wichtiger ist als alle Ergebnisse, wenig Grund für solche Klagen gegeben. Im ersten Sommercamp in Finnland hielten die Löwen gut mit gegen den finnischen Meister Hämeenlinna und den russischen Spitzenclub Nowosibirsk, im zweiten in Krefeld schlugen sie den ortsansässigen DEL-Vertreter. Der erste Test gegen Heilbronn, Achter der letzten Hauptrunde, bot in diesem Prozess auch nicht viel mehr als eine Momentaufnahme - allerdings eine ganz andere, und das zu einem ungünstigen Zeitpunkt: dem einzigen Auftritt im heimischen Revier vor der Saison.

"Wir sind in der Realität angekommen, im Zweitliga-Eishockey", erinnerte Fritzmeier. "Die Qualität ist bei uns vorhanden. Sie kommt aber nur zum Vorschein, wenn man 100 Prozent bereit ist." Auch die als Leistungsträger eingeplanten und diesmal blassen Neuzugänge Roope Ranta, Stephen Mac Aulay und Martin Buchwieser durften sich da angesprochen fühlen. "Wir müssen unsere Lektion lernen", betonte Tiilikainen. Immerhin konnte er "60 Minuten Videomaterial, wie es nicht geht", archivieren. Man werde alles tun, um so etwas nicht noch einmal sehen zu müssen, versprach er - und weiß, was er zu tun hat, bis zum nächsten Treffen mit Heilbronn: Der Test- ist auch der erste Heimgegner der Saison, zwei Tage nach dem Auftakt in Kassel am 13. September. "So etwas passiert hoffentlich nur einmal im Jahr. Besser jetzt als dann", sagte Mitchell in den Gedanken an den Ernstfall in drei Wochen. Dann geht es wirklich richtig los.

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