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Der Kaderplaner: Franz Fritzmeier zieht aktuell aus Kanada die Strippen bei den Löwen Frankfurt.

Eishockey

Löwen Frankfurt: Ferngespräche in der Frühschicht

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Franz Fritzmeier ist derzeit in Kanada. Dort bastelt der Sportdirektor am Kader der Löwen Frankfurt.

(mkz). Um halb sechs klingelt jeden Morgen der Wecker im Hotelzimmer von Franz-David Fritzmeier in Edmonton. Der Frankfurter Sportdirektor hat den verheißungsvollen Löwen-Verteidiger Leon Hüttl in das kanadische Eishockey-Mekka begleitet, wo der 18-Jährige in den vergangenen Tagen mit den Supertalenten der Edmonton Oilers trainieren durfte - eine bemerkenswerte Einladung, die nebenbei auch mit den neuerdings sehr guten Beziehungen zwischen dem deutschen Zweitligisten und dem traditionsreichen Club aus der nordamerikanischen Mega-Liga NHL zusammenhängt. Die Arbeit daheim bleibt indes nicht liegen, und daher widmet sich Fritzmeier, ehe ab neun Uhr das tägliche Besuchsprogramm beginnt, in einer Frühschicht erst einmal einigen Angelegenheiten, die in der fernen Heimat auf Erledigung warten, per E-Mail und Telefon. Fragen zu Ausrüstungen, Autos oder Wohnungen für die Spieler, die Organisation von Medizinchecks, die Feinjustierung von Spielerverträgen und nicht zuletzt: Gespräche mit weiteren Kandidaten für den neuen Löwen-Kader.

"Wir suchen noch zwei Stürmer für die vorderen Reihen", umschreibt der Sportdirektor selbst das Profil der letzten freien Stellen im Kader, etwas Erfahrung und eine gewisse Qualität vorausgesetzt. Zumindest eine Vollzugsmeldung könnte es schon bald geben. "Aber das ist auch immer ein bisschen Poker", sagt Fritzmeier. Möglicherweise wartet ein Spieler, der aus der erstklassigen DEL kommt, lieber etwas ab, ob nicht doch noch ein Angebot aus der obersten Etage reinflattert, ehe er ein Zweitliga-Arbeitspapier unterschreibt.

Ein Autogramm von Lukas Laub hätte man dabei gewiss gerne ergattert. Der Frankfurter Meisterstürmer von 2017 entschied sich aber gegen das Angebot einer Rückkehr an den Ratsweg und für ein Engagement bei den Bietigheimer Steelers - dem Ligarivalen, zu dem mit Brett Breitkreuz und Tim Schüle zwei vertraute Löwen-Gesichter abgewandert sind.

Während in Bietigheim und auch bei den Ravensburg Towerstars, in denen die Löwen in der vorigen Saison erst im Finale ihren Meister fanden, schon früh und munter reihenweise übliche Verdächtige anheuerten, wird in Frankfurt die sorgfältige Aufbauarbeit für den ab 2021 wieder möglichen Aufstieg in die erste Klasse fortgesetzt: Erst kamen die Youngster, zuletzt dann vermehrt bewährte Kräfte, als gezielte Verstärkung des bestehenden Gerüsts um Kapitän Adam Mitchell. Stephen MacAulay etwa, der bullige, vielseitige Center aus Bad Tölz, neben dem finnischen Torschützenkönig Roope Ranta aus Heilbronn der zweite neue ausländische Stürmer. Die Abwehr ist inzwischen vollzählig, seit der Verpflichtung des 24-jährigen Schweden David Suvanto, vorbehaltlich unerwarteter Ausfälle.

Seine schwierigsten Aufgaben hat Fritzmeier gleich am Anfang an gelöst. Dass er mit Daniel Wirt, Luis Schinko und Thomas Gauch drei weitere deutsche Talente an den Main lockte, sorgte für Aufsehen in der Branche. So viele davon gibt es gar nicht, und seit die Regeln den Erst- und Zweitligisten zunehmend mehr heimischen Nachwuchs auf den Spielberichtsbögen vorgeben, sind sie besonders begehrt - auch wenn sie gegenwärtig noch kaum tragende Rollen übernehmen werden: Wirt und Gauch etwa dürften sich in Frankfurt mit Marius Erk um den sechsten Abwehrposten messen. Für die weitere Entwicklung aber sind sie ganz wichtig.

In der kommenden Saison werden die Löwen wohl vier U-20-Nationalspieler stellen, stattlich für eine Zweitligisten. "Darauf können wir stolz sein", findet Fritzmeier. Mit viel Überzeugungsarbeit ist es ihm gelungen, sich bei diesen Verpflichtungen gegen DEL-Clubs und höher dotierte Angebote durchzusetzen. Das Konzept, mit Augenmaß, dem Mut zur Jugend und umfassender Betreuung ein Team für die erste Klasse aufzubauen, machte da bisweilen sogar Gehaltsunterschiede wett, und es stößt auch in Edmonton auf viel Lob.

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