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Nach sechs Jahren beim FC Olympia Fauerbach musste Trainer Lars Osadnik in der vergangenen Saison gehen. Seit diesem Sommer steht er beim C-Ligisten SV Echzell an der Seitenlinie.

SV Echzell auf Erfolgskurs

"Die Liga war mir egal" - Warum Trainer Lars Osadnik aus der Gruppenliga in die C-Klasse ging

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Vom Gruppenliga-Aufstiegstrainer zum C-Ligisten - klingt nach einem Karriereknick bei Lars Osadnik. Doch der 52-Jährige ist zufrieden und hat mit seinem neuen Verein SV Echzell noch große Ziele.

15 Spiele, 14 Siege, eine Niederlage und acht Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger. Der SV Echzell führt die Fußball-Kreisliga C Friedberg, Gruppe 1, souverän an. Damit hatten im Verein nach den eher schwierigen Jahren in der jüngeren Vergangenheit nicht viele gerechnet. Und auch Trainer Lars Osadnik, der nach seiner Freistellung bei Gruppenligist FC Olympia Fauerbach in der vergangenen Spielzeit das Ruder in Echzell übernommen hatte, ist überrascht - wie er im Interview verrät.

Herr Osadnik, von der Gruppenliga in die C-Klasse. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es für Sie als Trainer?

Lars Osadnik: Natürlich gibt es Unterschiede von der Leistung her, vom Tempo und von der Genauigkeit - das ist klar. Deshalb haben wir auch hier und da etwas andere Trainingsinhalte, aber in Sachen Intensität, Begeisterung und Spaß gibt es viele Parallelen. Ich habe wirklich eine sehr gute Mannschaft, die sehr motiviert ist, und bei der auch die Trainingsbeteiligung besser ist als in der Gruppenliga. Da kann ich sehr gut arbeiten. Das macht Spaß.

Was war Ihre Motivation, diese Stelle anzutreten?

Osadnik: Ich mache nicht den Trainerjob, um persönlich im Fokus zu stehen. Für mich war es wichtig, zum Verein und zur Mannschaft einen Draht zu haben. Ich hatte nach meiner Zeit in Fauerbach relativ schnell viele gute Anfragen, was mich sehr gefreut hat, aber für mich war die Liga egal. In Echzell hat es gepasst, denn ich wohne da, der Verein hat eine super Anlage, und ich finde es toll, mit jungen Menschen etwas aufzubauen. Die Vorstandsmitglieder sind mit Begeisterung bei der Sache, alles ist super organisiert. Das kann ich gar nicht hoch genug loben. Abgesehen davon war es für mich interessant, einen Verein mit Tradition zu übernehmen. Nächstes Jahr wird der SV Echzell 100 Jahre alt, im Nachwuchs wird sehr gute Arbeit geleistet, sodass ich die Möglichkeit sehe, das vorhandene Potenzial auszuschöpfen und den sportlichen Erfolg mit dem Aufstieg in die B-Liga zu erzielen.

War der Aufstieg in diesem Jahr vor dem Saisonstart das erklärte Ziel?

Osadnik: Eine Meisterschaft oder einen Aufstieg kann man nicht direkt planen. Da spielen so viele Faktoren wie Verletzungen oder unglückliche Schiedsrichterentscheidungen eine Rolle. Wir haben intern gesagt, dass wir uns gegenüber dem Tabellenplatz aus dem Vorjahr (Rang sieben, Anm. d. Red.) verbessern wollen, das höchste Ziel war ein Platz unter den Top-fünf. Dass es jetzt so gut läuft, war nicht vorauszusehen, aber es freut mich natürlich besonders für die Jungs, die sich diesen Platz auch verdient haben. Jetzt, wo sie da oben stehen, wollen sie natürlich auch bis zum Ende der Saison dort bleiben.

Wie ist aus Ihrer Sicht die mittelfristige Perspektive des Vereins?

Osadnik: Das wichtigste für einen Verein ist Nachhaltigkeit. Es ist vielen Klubs schon passiert, dass Leute von außerhalb geholt wurden, weil sie eine gewisse Leistungsstärke hatten. Aber oft geht es dann nach ein paar Jahren wieder bergab. Nachhaltig ist, wenn man eigene Spieler aus der Jugend und Spieler mit einem Bezug zum Verein versucht, in eine Mannschaft einzubauen. Dann ist einfach eine ganz andere Identifikation da.

Die sportliche Bilanz in der Hinrunde ist beeindruckend. Wie schätzen Sie das ein?

Osadnik: In einer Liga mit vielen zweiten Mannschaften ist es immer schwierig, den Gegner einzuschätzen. Dazu kommt, dass viele Teams gegen uns besonders motiviert sind und dann auch den einen oder anderen Spieler aus dem jeweiligen Erstmannschaftskader mitbringen. Das merkt man in der C-Liga natürlich gleich besonders. Da hat man es als Spitzenreiter schon schwieriger, aber die Jungs werden so auch mehr gefordert - was für sie natürlich auch nicht schlecht ist.

Sie sind neben ihrer Trainertätigkeit auch stellvertretender Kreisfußballwart und Koordinator für Qualifizierung im Fußballkreis. Wie funktioniert das im Alltag?

Osadnik: Ich trenne diese Tätigkeiten von meinem Traineramt, zumal ich an der Linie auch ein emotionaler Typ bin. Aber in diesem Moment bin ich Trainer und das lebe ich auch mit Leidenschaft. Ansonsten bin ich für jeden Verein ansprechbar und helfe jedem, der mich darum bittet. Zeitlich ist das alles machbar, zumal unser Kreisfußballwart Thorsten Bastian in der Hinsicht ebenfalls sehr engagiert ist.

Sie sind dafür bekannt, auch Mal mit Schiedsrichtern zu diskutieren, haben im vergangenen Jahr auch Ihren Schiedsrichterschein zurückgeben. Wie sehen Sie die aktuelle Lage?

Osadnik: Den Schein habe ich einerseits abgegeben, weil mir das mit meinen anderen Verpflichtungen zu viel wurde, andererseits - und das habe ich offen kommuniziert -, weil es Dinge gegeben hat, die mir im Schiedsrichterwesen nicht gefallen haben. Nichtsdestotrotz halte ich Schiedsrichter gerade im Seniorenbereich für sehr wichtig. Das Nachwuchsproblem ist mir natürlich bekannt, nicht zuletzt, weil es solche Vorfälle wie in Darmstadt zuletzt gibt. Auch wenn ich ein emotionaler Typ auf dem Platz bin, sage ich ganz klar: Das geht überhaupt nicht. Hier muss mit knallharten Strafen reagiert werden, um die Schiedsrichter zu schützen. Gewalt hat auf dem Platz nichts verloren.

Der 52-jährige Lars Osadnik ist hauptberuflich in einer Firma für Messtechnik tätig. Als Fußballer auf der Torwartposition bei seinem Heimatverein KSV Bingenheim groß geworden, ist der Vater zweier Kinder in seinem derzeitigen Wohnort Echzell beim SV auf seiner zweiten Trainerstation nach sechs Jahren bei erster und zweiter Mannschaft des FC Olympia Fauerbach, mit der er unter anderem dem Gruppenliga-Aufstieg feierte. Über seine Laufbahn sagt er: "Da muss ich vor allem ich meiner Frau und meinen Kindern ein großes Dankeschön aussprechen, dass sie so viel Verständnis für mein Hobby als Fußballer, Funktionär oder Trainer haben. Ohne sie wäre das alles nicht möglich." 

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