Der SSV Heilsberg um Kapitän und Torschützenkönig Gino Wirth (r.) steigt nach einer langen Hängepartie in die Kreisliga A auf. Foto: kss
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Der SSV Heilsberg um Kapitän und Torschützenkönig Gino Wirth (r.) steigt nach einer langen Hängepartie in die Kreisliga A auf. Foto: kss

Auf den letzten Drücker

Lange hat es gedauert, am Ende aber doch geklappt. Der SSV Heilsberg darf in die Kreisliga A aufsteigen. Über eine Saison mit wenig Makeln, aber fast ohne das glückliche Ende.

Wer am grünen Tisch aufsteigt, muss zittern. Bis Dienstagabend um 23.59 Uhr. Solange hätte dem SSV Heilsberg der Aufstieg noch weggeschnappt werden können. Solange saß man beim Zweiten der Fußball-Kreisliga B, Gruppe 2, und Verlierer der Aufstiegsrelegation über die Quotientenregelung auf heißen Kohlen. Doch jetzt steht es fest: Der SSV steigt in die Kreisliga A auf.

Dass, was die Heilsberger noch lange nach dem cornabedingten Saisonabbruch so zittrig machte, waren die freien Plätze eine Klasse höher. Hätte sich ein Club aus den höheren Ligen entschieden, doch noch die Mannschaft zurückzuziehen und lieber A-Liga zu spielen, wäre der SSV um den Aufstieg gebracht worden. Der Platz wäre quasi weg gewesen. Aber so kam es nicht, wodurch der SSV der vierte B-Liga-Aufsteiger ist.

Der Aufstieg stand vor der Saison so nicht auf der Agenda, das Potenzial der Mannschaft würdigt dieser aber. Lange standen die Heilsberger unweit des Tabellenführers aus Kloppenheim, bildeten mit diesem beinahe eine Doppelspitze. Zwischenzeitlich sogar mal auf Platz eins, wegen eines Spielevorsprungs. Und Trainer Daniyel Göktas hätte nicht an den ungefährdeten Titel der Kloppenheim geglaubt: "Wir hätten den Kampf angenommen und Kloppenheim versucht zu attackieren. Ich hätte uns noch Chancen nach oben zugetraut", sagt Göktas.

Der Grund für diesen Optimismus war wohl die Spielstärke, die das Team lange an den Tag legte. Insgesamt 14 Siege fuhren die Heilsberger ein, trafen 88-mal und stellten mit Gino Wirth (34 Tore) den Torschützenkönig der Liga. "Die Mannschaft hat noch mehr Potenzial, als sie abgerufen hat", ist sich Göktas sicher.

Der jungen Mannschaft fehlt es noch an Erfahrung. Da musste man besonders im Vergleich mit Kloppenheim hin und wieder den Kürzeren ziehen. Der SSV wackelte Ende Oktober bei einer Serie harter Gegner, unterlag unter anderem 0:1 gegen den FC Karben II.

Und dann war da auch noch dieses merkwürdige 2:3 zum Auftakt gegen den TSV Dorn-Assenheim II. "Das war erst mal ein Dämpfer, da hätten wir besser bestehen müssen. Natürlich haben uns dort viele Leute gefehlt, aber das soll keine Ausrede sein", betont Göktas auch nach der Saison.

Ein Dämpfer von dem man sich allerdings schnell erholte - mit neun Siegen in Folge. Die ersten vier davon ohne Gegentor, mit 22 Toren. Jetzt wusste jeder, was Heilsberg draufhat.

Ging es nach Heilsberg traf man auf Kunstrasen auf motivierte, offensivstarke, junge Akteure, die von Coach Göktas in jedes Spiel mit der Devise "drei Punkte" geschickt wurden. Besonders zu Hause auf jenem für viele ungewohnten Geläuf gelang das hervorragend - ohne Niederlage mit lediglich neun Gegentoren.

Als Teil eines Spitzenduos und doch aufgrund jenes frühen 2:3-Patzers als Dauerverfolger legte der SSV Heilsberg eine Saison mit wenigen Makeln hin. Im Hinterkopf eventuell noch der knapp verpasste Aufstieg als Dritter in der Vorsaison, wo man sich den Durchstartern des FC Rendel und dem bereits wieder zurückgezogenen VfR Ilbenstadt geschlagen geben musste.

Das spielt keine Rolle mehr, jetzt geht es in die A-Liga. Seit Mittwoch ist aus diesem noch unklaren Szenario auch endlich die Wirklichkeit geworden, jetzt kann man planen. Was man etwa eine Klasse weiter oben erreichen will, weiß Coach Göktas bereits: "Wir wollen wenn dann eine gute Rolle spielen und die gewachsene Mentalität weiter mitnehmen", sagt er. Mit dem Training hat man bereits unter den bekannten Hygieneregelungen wieder begonnen, viel ohne Ball trainiert, wirkliche "Spielchen" gehen bisher kaum.

Denn auch in Heilsberg hat die Corona-Lage eine Mannschaft mit Euphorie ausgebremst. "Wir hätten weiter Vollgas gegeben", ist sich Trainer Göktas bezüglich der abgesagten Restsaison sicher. Der FSV Kloppenheim wäre vor seinen Verfolgern wohl nicht sicher gewesen. Jene Dosis an Euphorie muss man nun noch bis zum Start der A-Liga, wann immer dieser sein mag, aufbewahren. Dann kann man versuchen, den wöchentlichen Willen, immer drei Punkte zu holen, wieder auf den Platz zu bringen.

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