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»Das letzte Puzzleteil« der Roten Teufel

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Die Zukunft der Roten Teufel im Blick: Daniel Heinrizi (links/sportlicher Leiter beim Nachwuchsverein und Trainer der DNL 2-Mannschaft) und Marcus Jehner, der Coach der Ib, die in die Oberliga West aufgerückt ist.
Die Zukunft der Roten Teufel im Blick: Daniel Heinrizi (links/sportlicher Leiter beim Nachwuchsverein und Trainer der DNL 2-Mannschaft) und Marcus Jehner, der Coach der Ib, die in die Oberliga West aufgerückt ist. © Andreas Chuc

(mn) Daniel Heinrizi, der sportliche Leiter des Nachwuchsvereins, spricht vom »letzten Puzzleteil«. Mit seiner Zusage hat der Deutsche Eishockey-Bund diese Lücke nun geschlossen. Bad Nauheim spielt in der Saison 2015/16 in der Deutschen Nachwuchs-Liga 2; als Nachrücker. Zudem taucht die Ib-Mannschaft in der Oberliga West auf.

Wir wollen in Bad Nauheim eine durchgängige Ausbildung ermöglichen. Eine DNL 2-Mannschaft hatte uns als Bindeglied noch gefehlt«, sagt Heinrizi. Der A-Lizenz-Inhaber wird sich nach drei Jahren als Assistenz- und Interimscoach im Profi-Bereich nun ganz auf seine Tätigkeit im Nachwuchs konzentrieren. Die Belastung gegenüber dem Vorjahres-Spielbetrieb in der Jugend-Nordrhein-Westfalen-Liga wird deutlich größer; auch für die Jugendlichen. Eine Doppelrunde mit 36 Spielen (gespielt wird meist Samstag und Sonntag) sieht der DNL 2-Terminplan vor, schon am 5. September geht’s los. Viermal wöchentlich soll die Mannschaft trainieren, eine Vierfach-Spielberechtigung im Bereich des DEB öffnet den Jugendlichen (fast) alle Türen. In der Theorie denkbar: Ein Nachwuchsspieler empfiehlt sich in der DNL 2 für einen Einsatz in der Oberliga Nord (bei Kooperationspartner Neuwied). Darüber hinaus könnte dieser Spieler auch in der DEL 2 (Bad Nauheim) eingesetzt werden; selbst einen Einsatz für DEL-Kooperationspartner Düsseldorf würden die Statuten zulassen.

Rein sportlich hatten die Roten Teufel die DNL 2-Qualifikation verpasst; als Tabellendritter der NRW-Jugend-Liga hinter Frankfurt (ebenfalls in die DNL 2 nachgerückt) und Wiehl (keine DNL 2-Ambitionen). Bad Nauheim profitierte dabei vom Projekt »Powerplay 26« unter Federführung von DEB-Präsident Franz Reindl. Demnach wird die Qualität der Nachwuchsarbeit künftig nach einem Sterne-System bewertet. Auf- und Abstiege sollen dann nicht über reine Wettkampfergebnisse führen, Vereine werden vielmehr nach ihrem Ausbildungsstandard zertifiziert und entsprechend in den Spielbetrieb integriert. Den Roten Teufeln prognostiziert Heinrizi »dreieinhalb bis vier Sterne« (Höchstwertung: fünf Sterne). Im engen Dialog mit dem DEB hatte sich die DNL 2-Option deshalb schon frühzeitig abgezeichnet. Ein umfangreiches Kriterienpaket liegt dem Nachwuchschef bereits vor. Im Bereich »Anfänger bis U10« wird dabei unter anderem nach Rekrutierungsoptionen, Kindergarten- und Schulaktionen, Anzahl der Trainingseinheiten, Elternabenden oder Teilnahme von Profispielern am Training bewertet.

»Die Basis ist geschaffen. Jetzt können wir uns darüber hinaus Gedanken machen«, sagt Heinrizi, der in der DNL 2-Trainingsarbeit von DEL 2-Profi Harry Lange unterstützt wird. Wünschenswert erarchtet Heinrizi für die Zukunft ein Internat für Nachwuchssportler, »vielleicht auch in Kooperation mit den Handballern der HSG Wetzlar oder auch den Basketballern der Gießen 46ers«, lässt er seine Gedanken schweifen.

Losgelöst vom Landesverband Nordrhein-Westfalen (LEV NRW) spielen alle Nachwuchsteams der Roten Teufel künftig unter DEB-Regie. Die Schüler unverändert in der Bundesliga B, die Knaben, Kleinschüler und Bambini in den neugegründeteten DEB-Ligen, denen sich auch die DEL-Klubs Iserlohn, Düsseldorf, Krefeld und Köln mit ihrem Nachwuchs angeschlossen haben.

Vom Nachwuchs- in den Seniorenbereich: Marcus Jehner lacht angesichts der Glückwünsche zum Oberliga-Aufstieg. »Da müsste ich ja nachträglich über eine Prämie sprechen«, sagt der Coach der Ib-Mannschaft angesichts der formellen Aufwertung. Im ersten Jahr in der Regionalliga West hatte seine Mannschaft die Playoff-Runde knapp verpasst, und den Klassenerhalt in den Playdowns gesichert. Die »Rebellion« der Oberligisten Duisburg, Herne, Essen und Neuwied, die sich der DEB-geführten dritten Liga angeschlossen hatten, sowie der Rückzug der Young Lions Frankfurt hatte die höchste Spielklasse im Landesverband Nordrhein-Westfalen ausbluten lassen. Mit Hamm, Ratingen und Neuss waren nur drei Vorjahres-Oberligisten übrig geblieben, sodass kurzerhand die sieben Regionalligisten mit dem Oberliga-Status aufgewertet wurden.

Von einem »Lehrjahr« spricht Jehner rückblickend. Den Unterschied zur Hessenliga habe man deutlich gespürt. »Wenn du als 18-Jähriger plötzlich bezahlten Spielern, vielleicht noch Kontingentspielern gegenüberstehst - dann ist das schon etwas anderes, als sich im Nachwuchsbereich mit Gleichaltrigen zu messen«, weiß Jehner. Martin Flemming, Ib-Spieler und RT-Vorstandsmitglied, betrachtet die Entwicklung der Ib seit dem Wechsel von der Hessenliga in den LEV NRW als einen »Gewinn«. Der sportliche Aufwand, nun gegen etablierte und mitunter auch sportlich ambitionierte Erstmannschaften zu bestehen, sei ungleich höher, »aber es bringt unsere Jungs auch weiter.« Im Vorjahr hatte Flemming zeitweise mit seinem Sohn Florian zusammen gespielt. Zusammen mit Martin Prada, dem mit 48 Jahren ältesten Hasen im Kader, zählte Flemming dennoch zu den erfolgreichsten Torschützen seiner Mannschaft. »Ich persönlich betrachte diese neue Liga noch einmal als Ansporn«, sagt Flemming. Und auch teamintern reizt die Herausforderung.

Lediglich die Ü40-Spieler Martin Sasek und Murat Pak werden ihre Schlittschuhe an den Nagel hängen, Stephan Zahrt wird in die Trainingsarbeit integriert, und Leon Filipovic wird nach einer Schulterverletzung nicht zur Verfügung stehen. Verstärkung kommt aus den eigenen Reihen - und wohl aus Frankfurt. Eine Amateur-Mannschaft wurde dort nicht mehr gemeldet, ambitionierten Spielern bleiben nicht viele Alternativen. Zudem sollen die sogenannten »Over Age«-Spieler aus dem Nachwuchs den Ib-Kader ergänzen. Denn: Von insgesamt fünf RT-Spielern des Jahrgangs 1996 dürfen in der DNL 2 pro Spiel nur drei Akteure zum Einsatz kommen. In veränderter Umgebung dürften die Roten Teufel um den Klassenerhalt kämpfen. »Jeder wird an seine Grenzen gehen müssen. Wir werden auch disziplinierter agieren müssen; auch im taktischen Bereich«, hat Jehner seine Lehren aus dem Vorjahr gezogen. Das sportliche Level sei unbedingt zu halten. »So hoch wie möglich«, sagt Flemming, der in seinem Amt natürlich auch die Gesamtentwicklung des Vereins im Auge hat. »Und da passt die Ib-Mannschaft hervorragend in das Gesamtkonstrukt.«

Oberliga West: Hamm, Neuss, Ratingen, Dortmund, Dinslaken, Köln Ib, Lauterbach, Bad Nauheim, Wiehl, Bergisch-Land.

Deutsche Nachwuchs-Liga 2: Iserlohn, Weißwasser, Essen, Dresden, Kassel, Chemnitz, Preussen Berlin, Frankfurt, Bad Nauheim, Wolfsburg.

Schüler, Bundesliga Nord B: Crimmitschau, Hamburg, Erfurt, Preussen Berlin, Wolfsburg, Kassel, Bad Nauheim, Dresden, Hannover Indians.

Knaben, DEB-B-Liga West: Kassel, Bad Nauheim, Essen, Neuwied, Duisburg, Frankfurt, Herne, Düsseldorf Ib, Krefeld Ib, Iserlohn Ib.

Kleinschüler, DEB-B-Liga West, Gruppe 1: Frankfurt, Bad Nauheim, Köln Ib, Krefeld Ib, Düsseldorf Ib, Kassel.

Bambini, DEB-B-Liga West, Gruppe 1: Bad Nauheim, Essen, Frankfurt, Herne, Duisburg.

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